Tag Archives: Zugfahrt

東京 から 高山 まで

Heute geht es raus aus Tokyo und hinein in unbekannte Gegenden Japans. Der Urlaubsstart war etwas zäh, aber gestern in Kashima war zu spüren, daß er langsam an Fahrt aufnimmt. Um 12:30 Uhr fährt mich ein Taxi nach Ueno Eki. Von dort geht es weiter mit der Yamanote. Zum Glück ist Samstag und das Personenaufkommen ist überschaubar. Dann geht es durch das Chaos namens Tokyo Eki. Irgendwie schaffe ich es pünktlich zum Bahnsteig des Shinkansen. Hier ist alles anders. Die Bahnsteige haben teilweise Absperrgitter. Nur dort, wo die Zugtür sein wird, sind freie Stellen. Die Gitter sind notwenig; genauso wie die gelbe Linie auf dem Fußboden, die man nie überschreiten sollte. Wenn ein Shinkansen durchfährt, bremst er etwas, hat aber immer noch 200 Sachen drauf. Der Luftsog ist enorm.

Und dann rollt er ein. Der Kodama. Dieses schnelle und aerodynamische Wunderwerk der komfortablen Beförderung. Alles ist so anders als die Deutsche Bahn. Die Türen öffnen sich. Ein Paradies von 25°C. (inkl. Entschuldigung, daß es so heiß ist, aber aus ökologischen Gründen hat man die Temperatur hoch gedreht.) Bei der brüllenden Hitze in Tokyo will man nur noch Shinkansen fahren. Kaum habe ich meinen Koffer verstaut, geht es auch schon los. Wir gleiten durch Tokyo und dann weiter im 2-stündigen Tiefflug nach Nagoya.

Ich bin zurück im Backofen Japan. Die Luft ist wie eine Wand. Wow. 10m mit Koffer und mir läuft das Wasser übers Gesicht. Handtuch. Maske! Ich glänze! Warum war ich noch mal in Japan? Ruhe und Entspannung? Das üben wir noch mal.

Von Nagoya geht es mit dem Hida-Express über Gifu raus aus der bebauten Umgebung. In wenigen Minuten sind die Häuser Reisfeldern und diese Wiesen gewichen. Die Berge werden höher. Ich genieße die Aussicht und meinen Proviant: B&B (Bier und Bento). Wichtig ist, daß man sich vor dem ersten Bissen daran erinnert, daß Bento kalt serviert wird. Um 18:20 Uhr erreicht der Zug Takayama. Es ist bereits dunkel. Ich vergesse mein Handtuch im Zug. Zum Glück hat es der Schaffner bemerkt. Vielen Dank an dieser Stelle.

Heute Abend, so erfahre ich, ist das Ende vom Bon-Fest. Die Seelen der Ahnen kehren zuürck ins Totenreich; symbolisiert durch kleine Boote mit Kerzen, die den Fluß herunterschwimmen. Das Ganze fängt in wenigen Minuten an. Also schnell die Sachen ins Ryokan. Das Sumiyoshi ist ein kleines Ryokan in einem alten Haus. Mein Zimmer ist ein 6-Tatami-Raum. Ganz schlicht und schön japanisch. Zur Begrüßung gibt es grünen Tee. Er lädt ein zum Verweilen.

Aber das Bon-Fest wartet. “Bei den drei Brücken” hieß es. Das werde ich schon finden. Das Fest ist bereits in vollem Gange. Von hier (mittlere Brücke) sehe ich, wie die kleinen Kerzen langsam flußabwärts auf mich zu treiben. Der ideale Standort für Fotos. Es muß auch ohne Stativ gehen. Dann gehe ich zum Fest und muß feststellen, daß die Priester bereits abbauen. Egal. Die ausgelassene Stimmung ist noch zu spüren. Überall Japaner im Kimono bzw. Yukata.

Vor einem Resto treffe ich eine Gruppe Spanier, die auf einen Sitzplatz warten. Es entwickelt sich ein Gespräch und plötzlich sitze ich mit am Tisch im Resto. Es ist wirklich klein. 15 Sitzplätze, höchsten. Die Karte ist eine Herausforderung: Japanisch oder Französisch. Blöd, wenn man beides nicht kann. Ich bestelle das zweitbilligste auf der Karte. Ein Steak für umgerechnet 18€. Das Steak ist super, butterweich und saftig. So etwas kriegt man in Deutschland nicht; eine Mischung aus europäischer Küche und japanischen Zutaten. Das Tischgespräch läuft in einer Mischung aus Deutsch, Spanisch, Englisch und Japanisch. Mein Kopf explodiert gleich. Gegen 22:30 Uhr dann Aufbruchstimmung. Mein Rykoan hat in 30 Minuten Sperrstunde.

Link: www.hida.jp

Advertisements

zwei Bokken

Wie kommt man nach Katori und Kashima? Über Ueno und Narita oder besser über Tokyo und Chiba. Ich frage nach: “Letzteres” lautet die Antwort. Bis Chiba geht es relativ schnell. Der Zug danach ist ein Local durch und durch. Die Strecke zieht sich. Die Bahnstationen werden werden immer kleiner und kleiner. Aus überdachte Bahnsteigen, werden überdachte Wartebereiche, werden kleine Hütten und die breiten Bahnsteige weichen kleinen grasüberwucherten Gehwegplatten. Kurz vor Katori sehe ich sogar ein Station, die nur aus einer kurzen Metallrampe und einem Haltestellenschild besteht. Wird sind definitiv nicht mehr in Tokyo.

Mein Zeitplan ist im Eimer. Um 13 Uhr erreiche ich Katori. Ein kleines Dorf zwischen Reisfeldern. Wo lang? Die Hitze ist unerträglich. 35°C im Schatten, wenn denn irgendwo Schatten wäre. Ich frage nach dem Weg. Falsche Richtung. Zurück. Etwa 2km sollen es sein; zwischen den Reisfeldern entlang. Keine Chance der Sonne auszuweichen.

Und zwei neue Erfahrungen: Ich bin nie zuvor so fernab der Städte einfach eine schmale Straße entlang gegangen; zwischen endlosen Reisfeldern hindurch. Das ist so anders. Und… Es gibt überall Getränkeautomaten. Sogar hier zwischen den Feldern. Erst nachdem ich mich mit Proviant eingedeckt habe und schon einige hundert Meter entfernt bin, frage ich mich: Wo kriegt der Kasten eigentlich den Strom her?

Dann ein Wald. Endlich etwas Schatten. Ein Stück hinauf, ein Stück hinab, dann links und da steht das Torii, das den Eingang zum Katori-Jingu markiert. Es geht bergauf, war klar. Treppen, war klar. Der Schrein ist klein aber farbenfroh. Die schwarzen Tragbalken sind reichlich verziert, erinnern an die Bauten in Nikko. Ich kaufe zwei Ofuda, ein Bokken und ein O-mamori. Wenn ich jetzt den Rückzug antrete, kriege ich den Zug um 14:40 Uhr nach Kashima. Aber zuvor ein Bier. Das brauche ich jetzt.

Ich bin pünktlich zurück am Bahnhof und kurze Zeit später in Kashima. Zum Kashima-Jingu sind es nur 300m. Bergauf mit Treppen versteht sich. Es geht gleich am Bahnhof los. Ich folge der Straße mit dem Wasserlauf. Die Straße ist verkehrsberuhigt und schlängelt sich mit Lampions dahin. Der Eingang zum Schrein ist gleichzeitig der Beginn eines riesigen Waldbreiches. Es wäre recht idyllisch, wenn diese japanischen Grillen nicht so laut wären. Ein Baum mit Shimenawa und Zick-zack-Band – heilig, dann ein kleines Vogelhaus (?) im Wasser – auch heilig. Dahinter geht es weiter in den Wald. Zurück zum Hauptgebäude. Dunkle Hölzer.  Ich kaufe zwei Ofuda, ein Bokken und ein Omamori. Der Priester (Kanushi) segnet noch einmal Bokken und Tafel. Fühle mich geehrt.

Mittlerweile ist es später Nachmittag und die Hitze läßt nach. Unten am Bahnhof lese ich etwas von einem Bus direkt nach Tokyo Eki. Das klingt besser als die Zugfahrt. Jetzt erst einmal was essen. In finde einen Ramenshop. Außer mir sind vier Frauen anwesend. Es entwickelt sich ein etwas merkwürdiges Gespräch. Nach den Fragen “Woher? “, “Wie lange Urlaub?”, “Alleine unterwegs?” usw. Getuschel und ein Zeichen: Kein Ring am Finger. Prompt die Frage nach einer Freundin. Ich verneine. Sofort wieder Getuschel. Das entwickelt sich jetzt irgendwie in die falsche Richtung. Wann kommt nur dieser Bus? Fotos. Das ist also die Braut, die verkuppelt werden soll. Jetzt schnell zahlen und raus.

Abfahrt um 18. Ich schlafe bis kurz vor Tokyo. Die Lichter der Großstadt werden immer mehr und höher. Ein Brücke. Entweder über den Arakawa oder den Sumidagawa. Um 20 Uhr sind wir in Tokyo Eki und ich starte sofort zum Hotel. Duschen. Definitiv duschen. Es folgt ein abschließender Rundgang durch Ueno und Akihabara. Ich finde den Gyoza-Laden von der ersten Reise. Abendessen. Es entwickelt sich schnell ein Gespräch. Um 0:30 bin ich wieder am Hotel und falle ins Futon. 6 Stunden Zug und Bus für 2 Schreine. Naja, der Weg ist das Ziel.

[Nachtrag: Ich habe bei Katori ein Bild ergänzt: Den Weg hinauf zum Tempel. Alle diese Steinlaternen hat es 11/3/11 (das große Tohoku-Erdbeben) zerlegt.] [Nachtrag 2: Das video von sirousaghi verlingt auf ein weiteres von nach dem Beben.]