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Reiseführer – Chubu (Süd)

中 部 地 方 (C H Ū B Ū)

Nagoya — MUSS, 1-2 Tage
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Diese Stadt verdient den Status “Pflichtprogramm”. Drei Orte sollten unbedingt aufgesucht werden: die Burg, ein japanischer Garten im Norden der Stadt mit zugehörigem Museum und der Schrein im Süden. Zudem ist Nagoya ein guter Start für Tagesausflüge nach Gifu, Ise, Inuyama und (eingeschränkt) Toba. Nagoya kann auch als Zwischenstop auf der Strecke Tokyo-Kyoto bzw. Oosaka geplant werden. Wer den Standort nach Takayama, verlegt sollte das lassen. Die Fahrt nach Takayama dauert. Nagoya ist dann zu groß für die verbleibende Zeit.

This city is a must visit and if you are good, you only need one day. You should visit three places: the castle, the Japanese Garden in the North of the city (and the museum next to it) and the big and important shrine in the South. Beside that there are some other temples and shrines that are worth a visit. Nagoya is a good base camp for day trips to Gifu, Inuyama, Ise and (maybe) Toya. Ise is also accessable from Oosaka and Kyoto, but is it more convenient from Nagoya. A short visit to Nagoya (stop over) is possible, because the shinkansen between Kyoto/Oosaka and Tokyo stops here. I did this 2004. Don’t try this if you are travelling to Takayama. The travelling time of the train is not compatible with a stop over in Nagoya.

Ise — MUSS, 1 Tag (gut für einen Tagesausflug)
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Ise ist der Vatikan des Shinto und ein Muß. Es gibt zwei Schreine. Beide liegen in Waldgebieten und sind weitläufiger als der Meiji-Schrein in Tokyo. Der äußere Schrein liegt in 5 Fußminuten zum Bahnhof. Zum inneren Schrein fährt ein Bus. Es gibt auch einen Pilgerweg. Am Eingang zum inneren Schrein gibt es eine Einkaufsstraße. Hier stehen nur japanische Holzhäuser. Die Straße bietet Japan pur. Man darf sie auf keinen Fall auslassen.

Plant einen ganzen Tag. Macht nicht wie ich den Fehler, vorzeitig aufzubrechen, um auch noch Toba zu besichtigen. Es spricht auch einiges dafür Ise als Hotelstandort zu wählen, wenn man die Mie-Halbinsel bereisen will. Nagoya ist zu 80% als Tagesausflug möglich. Toba und die vermählten Felsen sind möglich, obwohl ich das nicht unbedingt machen würde. So hoch sind die beiden Orte in meinem Ansehen nicht.

Ise is the Vatikan of Shinto. The most important shrine is here. In fact, there are two shrines. Both are located in a forest area. The so called outer shrine is 5min away by walk from the train station. There is a bus connection to the inner shrine. There is also a pilgrimage. On the entrance to the inner shrine also begin a very nice shopping street with old wooden houses. Don’t miss it.

You should plan th whole day. Do not make the mistake I did and visit Toba. Ise is also an idea for a base camp to explore the Mie peninsula. Nagoya can be done by 80% as a day trip. Then Toba is an option and the married rocks (don’t know the correct english term) as well, but both places don’t have a high priority. Time consuming travel and not much to see.

Die Vermählten Felsen — braucht nicht, 1/2 Tag
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Die Felsen sind nicht wirklich spektakulär, aber sie sind ein wichter Ort des Shintoismus. Damit gehören dann doch wieder zum gefühlten Pflichtprogramm. Mein Tip: Nur besuchen, wenn es der Zeitplan wirklich, wirklich hergibt. Kombiniert sie dann mit Ise und besuchtg sie früh morgens und fahrt dann zurück nach Ise. Abends ist die Bahnanbindung der Felsen schlecht. In Ise zudem abends ein Resto aufsuchen, bevor man den Tagesausflug beendet.

This place is nothing more than two tiny rocks in the water with a rope between them. In Shinto this is a special place. But for a non-japanese tourist … Only visit if you have some spare time. A combination with a visit to Ise is possible, but visit the rocks first. Train connections are not good, specially in the evening. Here Ise also provides some restaurants for dinner.

Toba — braucht nicht, 1 Tag
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Toba bietet die Perleninsen. Ein Museum für Liebhaber von Perlen. Der Eintritt ist nicht ganz billig. Als Attraktion kann man Perlentaucher beobachten. OK, man sieht wie sie abtauchen und mit einer Muschel in der Hand wieder auftauchen. Es gibt Ausflugsbote, die etwa 1 Stunde lang durch die kleine Inseln vor der Küste fahren. Nett, aber kein Kracher. Alles in allem bietet Toba nichts, was die lange Anreise lohnt. Die Zuganbindung ist etwas besser als die der vermählten Felsen. Wer (wegen seiner Freundin) nach Toba muß und sein Hotel in Nagoya hat sollte früh aufstehen, erst Toba und dann Ise besuchen. Warten auf den Zug in Toba versaut die Stimmung. Spendet den Abend lieber in der Einkaufstraße in Ise.

In Toba is the island of pearls. The realm of Mikomoto. The entrance is pricy. Famous attraction are the female pearl divers. But it is not spectacular. You see the boat and the women diving. Next thing you is, that they are back at the surface with a  seashell. Beside that there is nothing intesting that is worth the travel time. If you have your base camp in Nagoya and really have to go to Toba (because of your girl friend), get up early, visit Toba first and after that Ise. Waiting for a train back to Nagoya is a mood killer. Better spend the evening in the shopping street in Ise.

Gifu — MUSS, 1 Tag (gut für einen Tagesausflug)
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Gifu kann man bequem als Tagesausflug von Nagoya aus planen. Optional kann man Gifu aus Stop auf der Durchreise verwenden, wenn man seinen Hotelstandort z.B. von oder nach Takayama verelgt. Will man den Kormoranfischern zuschauen,muss bis spät in die Nacht in Gifu bleiben. Dann fahren nur noch Züge nach Nagoya. — Vom Bahnhof fährt ein Bus in Richtung Fluß. Hier stehen ein paar Tempel und Schreine. Unter anderem ein Daibutsu. Am Berghang steht eine Pagode, auf dem Gipfel die Burg von Gifu. Man kann zu Fuß hochgehen, oder man nimmt die Seilbahn; je nachdem wie viel Zeit man hat.

Gifu is doable by a day trip from Nagoya or as a stop over on the way from Nagoya to Takayama. If you want to watch the cormoran fishing you have to stay until late at night. Then there are only trains to Nagoya available. — There is a bus from the train station to the river. Get of the bus there and visit the temple and the shrine nearby. The temple has an old Daibutsu. And the slope of hte mountain is a pagoda. At the top is an old castle with a small museum. You can walk or take the ropeway; depends on the time left before it is getting dark. Walking down should be an option. There are several ways.

Inuyama — (unbewertet) 1 Tag
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Auf halber Strecke zwischen Gifu und Nagoya liegt Inuyama. Die Zugverbindung hier ist nicht perfekt, aber der Ort ist sicherlich eine Reise wert. Ich habe nur einen Teil gesehen, was an einer verunglückten Reiseplanung gibt. Bevor ich ein Urteil fälle, verdient Inuyama einen zweiten Versuch, zumal es sich als Tagesausflug von Nagoya aus eignet. Anders als Gifu eignet sich Inuyama nicht als Zwischenstop auf dem Weg nach Takyama.

Half distance betweeen Nagoya and Gifu is Inuyama. The train connection are not perfect but ok and this place is worth a visit. Because I messed up the travel route I only could visit a tiny part of Inuyama and missed most of the attractions. Therefore I will visit Inuyama again and rate this place afterwards. Inuyama seems to be a good candidate for a daytrip from Nagoya. In opposite to Gifu, Inuyama is not good for a stop over on the way to Takayama.

Kisodani — MUSS 1 Tag/2 Nächte
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Das Kisodani, das Kisotal habe ich zu lange übersehen. Es ist ein Stück altes Japan. Alte Häuser und entlegene Wanderwege. Der Wanderweg heißt Nakasendo, ein alter Wanderweg, vergleichbar mit der alten Salzstraße in Deutschlands Norden oder dem alten Weg durch Hakone, der Heian (Kyoto) und Edo (Tokyo) vervand. Am Nakasendo liegen zwei Orte: Magome und Tsumago. Zwei alte Poststationen, in denen Reisende übernachten konnten. Das kann man heute noch.

Mein Vorschlag: Man erkundet einen Ort und wandert die 7km zum anderen. Zwischen ihnen fahren Busse für den Rückweg. Da dafür ein ganzer Tag geplant werden soll, empfehle ich mindestes zwei Übernachtungen. Im Kisotal gibt es weitere Poststationen, die allerdings gute Wanderschuhe oder Japan Rail erfordern. Magome und Tsumago sind ein guter Kompromiss aus viel sehen und wenig Zeit. Seit meinem Besuch 2012 gehört das Kisodani zum Japan-Pflichtprogramm.

Der größte Witz: Es gibt einen Zug durch das Kisotal. Die Chuo-Line. Und ja, ihr vermutet richtig. Es ist die gleiche Chuo-Line, die in Tokyo den Yamanotering zwischen Kanda und Shinjuku kreuzt. Die Anreise ist also denkbar einfach, wenn auch mit dem Lokal zeitraubend. Die Chuo-Linie führt weiter nach Nagoya. Zudem gibt es Züge von Nagoya nach Nagano.

Kisodani, a valley in the mountains between Nagano and Gifu prefecture, is a peace of ancient Japan. There is a hiking trail called Nakasendo. It is an historic trading route, compareable to the old street in Hakone that connected Heian (Kyoto) and Edo (Toyko) or the “salt street” in North Germany. In ancient times there were several post stations. Two of them are Magome and Tsumago.

My suggestion: Visit one town than walk the 7km on the Nakasendo to the other town. There are busses between both towns (for the way back) and the train stations. This trip will take a whole day. You have to stay for at least 2 nights. There are more post towns in Kisodani but you need the help of very good hiking shoes or Japan Rail. Magome und Tsumago is a very good compromise between visiting many things a tight schedule. Since my visit in 2012 this place for sure is part of my “must visit list”.

Funny story: The train that goes along the Kisodani is the Chuo-Line. And yes, it is the same Chuo-Line that intersects the Yamanote ring in Tokyo. All you have to do is sit down and wait, but you have to wait a long time. The Chuo-Line also stops in Nagoya. And there are trains from Nagoya to Nagano, that passes the Kiso valley.

Kawaguchiko — muss nicht, 1 Tag
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Der Ort hat nur einen Vorteil: er liegt am Fuji und von hier kann der Aufstieg zu Fuß oder mit dem Bus gestartet werden. Die Erreichbarkeit von Tokyo aus spricht ebenfalls für ihn. Kawaguchiko selbst hat sonst nichts zu bieten. Der See ist einer der 5 Fuji-Seen. Drei Seen sind zu Fuß als Tagesmarsch erkundbar. Ein Bus hilft die Strecke abkürzen. Es gibt 2 Höhlen, der Eintritt lohnt aber nicht. Sie fallen unter die Kategorie “Wenn man sonst nichts zu tun hat”. Die Japaner lieben den Ort, weil man von hier, aus dem Hotelonsen heraus einen Blick auf den Fuji hat, ganz ohne Fototapete. Wer unbedingt hier sein Lager aufschlägt, sollte die Brauerei besuchen. Das Restaurant ist ganz gut.

Mein Tip: Kawaguchi, wenn ihr vorher auf dem Fuji wart. 2 oder sogar 4 Tage im Berg und dann in eines der teureren Hotels mit Onsen. Eine Nacht, vielleicht eine zweite, als Belohnung. Wenn ihr dann eure Fujitour erwähnt, ist euch Anerkennung gewiss. Nach den Strapazen ist ein Onsen das Paradies. Ich kenne nur ein Hotel, aber mehr muß ich nicht kennen: Sansui. Wow. (schaut euch die Bilder aus dem 2006er Blog an …)

This place only has one advantage: It is right next to the Fuji. You can start the full hiking tour here or take a bus to the 5th station. There is a good connection by bus and train to Shinjuku. (Remember: For the Japanese Shinjuku is not Tokyo.) But there is nothing to visit. No temples, castles or shrines. The 5 lakes offer some nice sceneries and you can visit some caves. But they are not that fancy. Kawaguchiko is a high price area, because of its good connection to Tokyo and the view to the Mt. Fuji from the onsen bath tub; the real thing, no wallpaper. If you really stop here, make a visit to the local micro brewery. The restaurant there is nice.

My suggestion: Kawaguchiko is a nice place to relax after a trip to the summit of Mt. Fuji. 2/3 days at the mountain, eating canned food and no shower. After that check in a pricy hotel with rotenburo and enjoy the hot water, the view to Mt Fuji and say in your mind: I was there, at the top. I stayed in Hotel Sansui. Awesome.

Fuji — KANN, 2 Tage für den kompletten Berg
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Der Fuji ist sicherlich eine Sache für sich. Fast 3700m hoch. Kawaguchi liegt auf 700m. Mit anderen Worten: Wenn man oben ist blickt man den Berg 3000m Höhenmeter hinab. Das schaffen nicht mal die Alpen. Der Aufstieg ist bis zur 7. Station erstaunlich einfach. Bis zur 5. Station fährt sogar ein Bus. Extremfrühaufsteher mit guter Kondition schaffen es an einem Tag zum Gipfel und zurück. Es hilft im Hotel bei der 5. Station zu übernachten. Die Busse nach Kawaguchi haben abends blöde Abfahrzeiten.

Der Höhepunkt ist der Sonnenaufgang auf dem Gipfel. Das erfordert eine Übernachtung auf dem Berg, am Besten sehr nahe dem Gipfel. Niemand will vor Sonnenaufgang den Aufstieg am steilen Hang wagen. Gute Vorbereitung (Kleidung, Geld, Planung) sind Voraussetzung. Die kleinen Stationshütten nehmen nur wenige Gäste auf. Camping ist verboten und auch nicht möglich.

Wer das komplette Programm will, startet an Station 1 im Tal, nahe Kawaguchi. Dieses Vorhaben steht auf meiner Liste. Ich vermute, es nimmt drei Tage in Anspruch. Ich will nicht die 3000m nach oben in einem Rutsch gehen. Beim Abstieg könnte das einfacher sein. Aber der Abstieg ist gefährlicher! Man ist schneller, weil es bergab geht, unvorsichtiger weil das Ende in Sicht ist und es geht auf die Kniegelenke, da man ständig bremsen muß. Vielleicht sollte ich vier Tage planen?

Wenn ihr aus Tokyo anreist, macht nicht den Fehler, euch von Süden aus dem Berg zu nähern. Das ist eine Weltreise. Plant Kawaguchi. Es gibt ein Bahnverbindung und auch Fernbusse von und nach Shinjuku.

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Kawaguchi / Shinjuku Jazz

Um das gleich vorweg zu nehmen: dieser Tag war voll daneben. Versucht niemals mit dem Zug über Gotemba in Richtung Fuji zu reisen. Geht lieber zu Fuß. Der heute Tag markiert die untere Kante dieser Reise. Selbst die Irrfahrt nach Matsushima war dagegen gut. Dabei fing allse so gut an; auch das Finale hatte es für sich. Nur die Zeit dazwischen …

Das Wetter ist gut, 20 Grad und Sonne. Heute geht es zum Fuji. (Leider habe ich die Reiseroute nicht notiert. Ich glaube ich bin mit dem Local nach Kouzu gefahren, nachdem man mir sagte, daß der Shinkansen vorbeifährt, aber an den entscheidenden Bahnhöfen nicht hält.) Nach dem Umsteigen in einen anderen Zug mit einer halben Stunde Wartezeit auf einem Bahnhof im Nirgendwo, gelange ich nach Gotemba. Nach Karte bin ich jetzt am Fuß des Fuji. Soweit so gut. Der Fuji ist viel größer geworden, wirkt aber immer noch weit weg.

Von hier fährt nur ein Bus zu Fuji. Also los. Der Bus fährt und fährt. Meine Laune sinkt immer tiefer, die Preisanzeige im Bus steigt und steigt. Nach Karte sind es höchsten 20km. Was kann da schon so lange dauern. Aber dieser Bus zuckelt durch die Gegend. Ich gehe nach vorne und Frage, ob ich im richtigen Bus sitze. Ja doch.

Endlich Yamanakako, der erste der fünf Fujiseen. Um nicht völlig zu explodieren fange ich ein Gespräch mit dem Australier hinter mir an. Auch er hatte sich die Anreise anders vorgestellt. Im Gegensatz zu mir ist er aber erstaunlich gelassen. Dann endlich, nach einer nun insgesamt 5-stündigen Odyssee erreiche ich Kawaguchi. Es ist 14 Uhr. Dichter an den Fuji komme ich nicht mehr. Jetzt verstehe ich auch seine Gelassenheit. Er ist Backpacker. Er verschiebt den Fuji einfach auf morgen oder übermorgen. Zuerst steuern wir die Tourizentrale an. Er sucht ein Hostel, ich einen Weg zurürck.

Jetzt der Schlag ins Gesicht. Es gibt eine Busverbindung ab Shinjuku. Arghhh. Der Bus fährt über die Autobahn und braucht 2 Stunden. Ich dreh durch. Jetzt brauche ich ein Bier. Schnell. Runter zum See. Auch er hat Hunger. Kurz vor dem Ufer gabelt sich die Straße. Hier steht ein paar kleine Restaurants; Garküchen trifft es eher.

Wir entscheiden uns für eine. Ob es die beste Wahl war… Der Laden ist klein und schon etwas runtergerockt. Aber was solls. Bier und Soba. Etwas salzig. Hugh. Das ist das Problem wenn man die Karte nicht lesen kann. Auch die Toilette ist eine Überraschung. Es Keine Schüssel. Ein japnisches Stehklo. (Loch im Boden). Super. Heute hat sich alles gegen mich verschoren. Pinkeln geht noch. Für Rest benötige ich wohl ein Handbuch wenn nicht gar einen Volkshochschulkurs.

Von dem Resto sind es nur wenige Meter zur Seilbahn zum Mt Tenjo. Von hier oben hat man eine gute Sicht auf den See und den Fuji. So dicht dran und doch so weit weg. Anschließend begleite ich den Australier zum Hostel. Wir laufen durch die Randbezirke von Kawaguchi. Hier ist nichts los. Im Vergleich zu Tokyo geradezu dünn besiedelt. Die Straße zieht sich hin. Die Häuser sehr alt und runtergekommen aus. Ein Eindruck, der sich immer wieder bestätigt. Dieser Eindruck setzt sich aus mehreren Dingen zusammen. An den Häusern ist viel aus Metall. Dieses rostet. Die Fenster haben Einfachverglasung. Es fehlen die für Deutschland typischen Vorgärten. Alles sieht etwas rumpelig aus. Wenn man das jetzt in die USA packt würde man sagen, schlechte Nachbarschaft.

Wir laufen noch etwas die Straße entlang. Der Fuji kommt nicht dichter. Wir drehen um. Er steuert nun final das Hostel an, ich gehe zurück zum Bahnhof. Da es bis zur Abfahrt des Busses noch ein paar Minuten mehr sind, laufe ich durch Kawaguchi. Hier im Stadtzentrum ist auch nicht viel los. An der Ostsee würde ich sagen Nebensaison. Noch ein paar Fotos vom See und dann Abfahrt.

Shinjuku Jazz

Die Fahrt über Land ist wenig ereignisreich. Paßt zum Rest des Tages. Gegen 19:30 fährt der Bus auf den Chuo Expressway. Jetzt geht es sehr schnell. Am Horizont erkennt man die Lichter von Tokyo. Sie kommen näher und werden immer mehr. Noch kann ich keine bekannten Punkte erkennen. Und das gibt es wohl nur in Japan: Bushaltestellen auf der Autobahn. Der Bus stoppt wirklich mehrmals auf dem Standstreifen, um Leute ein- und austeigen zu lassen.

Gegen 19:50 erkenne ich die Skyline von Shinjuku. Die Twin Tower des Rathauses. Ein Blick zur Seite. Wir sind bereits umgeben von Tokyo. Ein Foto ist leider nicht möglich. Die Kamera will mindestens 1 Sekunde. Nicht in einem fahrenden Bus.

Der letzte Abschnitt der Fahrt beginnt. Die Häuser werden immer höher. Die Autobahn führt jetzt mitten hindurch. Ein rot-weißes-Lichtband. Immer mehr Bürotürme. Dann geht es von Express runter auf die normale Straßenebene. Ein paar Kurven. Dann in eine tiefer gelegene Ebene. Shinjuku. Der Bus hält. Die Fahrt zum Fuji wäre so einfach gewesen.

Leider kann der Busfahrer den 10000er nicht wechseln. Ein japanübliches “Please wait” folgt. Er geht ins Gebäude und läßt mich im Bus zurück. Nach etwa 2 Minuten kommt er mit Wechselgeld wieder. Jetzt kann ich bezahlen. Das nenne ich Service.

Anschließend geht es durch das Nachtleben. Zuerst verlaufe ich mich im dem Gängesystem der U-Bahn. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin. Irgendwann bin ich wieder auf Straßenniveau. Irgendwo. Ein Jazz-Combo spielt Jazz; mitten auf der Straße. Tokyo ist immer wieder für eine Überraschung gut. Ich hole mir einen Caramel Macchiato beim Star Bucks ein paar Meter die Straße hinab. Noch auf dem Weg dorthin sehe ich einen Japaner mit Posaune. an mir vorbei laufen. OK. Ich nutze die Gelegenheit, um ein weiteres Souvenir zu kaufen: Eine Tokyo-Starbucks-Becher. Klingt etwas albern, aber irgendwie will ich den haben.

Mit dem Becher und Getränk geht es zurück zu der Jazz-Combo. Tatsächlich, der Japaner mit der Posaune steigt gerade in die Session ein. Ich sehe auch einen Schlagzeuger, der gerade aufbaut. Woher hat er das Schlagzeug? Kann mir egal sein. Was hier gerade abläuft, kann man nicht planen. Ich nehme das einfach mit. Nachdem der Tag total daneben war, brauche ich das jetzt. Ich sitze auf dem Gehweg mitten in Shinjuku, höre Jazz. Es sind etwa 25 Grad. Zumindest der Abend ist gerettet. Nach etwa einer Stunde verlasse ich die Szene. Aufhören, wenn es am Schönsten ist.

Rückreise zum Hotel. Vor dem Bahnhof stehen 4 Karren, wie ich sie aus den Anime kenne. Sie haben die Größe vom Wurst-Maxe-Stand. Neben den Karren stehen Sitzbänke; um die Karren herum stehen kleine Hocker. Die Karren sind überdacht. Lampions leuchten. Es ist ein Art japanischen Fondue. In der Mitte brodelt eine Suppe. Nach Wunsch der Gäste, wirft der Koch verschiedene Sachen hinein und fischt sie etwas später wieder heraus. Ich traue dem ganzen nicht. Keine Ahnung warum. Ich steuere einen Laden an und bestselle ein Karree. Das ist mir sicherer, vom Geschmack meine ich.

Der Weg zurück führt mit der Yamanote nach Okachimachi. Es ist bereits 23 Uhr, aber der Bahnsteig ist rappelvoll. In den Zügen bekommt man nur mit Mühe einen Stehplatz. Dabei fähert die Yamanote immer noch im 6-Minuten-Takt. Auf den Straßen das gleiche Bild. Hier ist mehr los, als in der Lübecker Fußgängerzone um die Mittagszeit.

Das Publikum ist gemischt. Sehr viele Geschäftsleute mit Anzug und Krawatte. Habe ja schon von dem Vorurteil gehört, daß die nach Feierabend mit den Kollegen in einem Izakaya (Kneipe) versacken. Scheint was dran zu sein. Ich sehe auch jugendliche in Schuluniform. Waren die noch nicht zu Hause? Oder ist dies die Bestätigung für ein weiteres Klischee: Japaner denken in Gruppen und Gruppenzugehörigkeiten. Tragen Schüler deshalb bis spät abends die Schuluniform damit sie der Gruppe “Schulklasse XY der Schule XY” angehören? Sie richtig verstehen wird man das wohl nur als Japaner.

Randnotizen

  • Fazit: Der Tag war voll daneben. Zumindest am Fuji gewesen und “Jazz in Shinjuku”
  • Wenn Fuji, dann mit dem Bus ab Shinjuku. Alles andere ist Wahnsinn.
  • Haltestellen auf der Autobahn.