Category Archives: Reise 2 .. ONSEN

Die zweite Reise zielt Richtung Kyushu. Zudem werde ich 30 und will Jan in Oosaka besuchen.

富士河口湖 から 東京 まで

Vom Fuji nach Tokyo sind es nur zwei Stunden, wenn man den richtigen Bus nimmt! 2004 habe ich mehrere Stunden mit JR und Co. gebraucht, um nur in die Nähe vom Fuji zu kommen. Wenn ich einen sehr späten Bus nehme, hätte ich genug Zeit für Mt. Fuji. Heute kann man die Spitze sehen. Und die Sonne scheint auch. Mit dem Bus geht es zur 5. Station bei etwa 2500 Höhenmeter. Bergauf will man die Strecke nicht laufen.Es gibt aber zwei Sachen, die ich nicht berücksichtigt habe: Ich werde erst um 11:50 an der Station sein und ich muß des Bus um 14:30 Uhr nehmen. Die Zeit reicht nicht bis zur Spitze.

Erstes Chaos am Ticket Counter, ein zweites Bus: Zu viele Leute für zu wenig Bus, allerdings hat der Fahrer mein Ticket bereits kassiert. Argh. Ich ergattere irgendwie einen Stehplatz und los geht es. Im Zick zack geht es bergauf. Alle paar Meter gibt es ein Schild, un man hat die nächsten 100 Höhenmeter geschafft. Die fünfte Station sieht aus als wäre sie in Östereich.

Der Weg beginnt als wirklich gut ausgebauter Wanderweg bergab. Wieso bergab? Dann wechselt der Weg auf “bergauf” und “schlechte Schotterpiste”. Das wird auf die Knochen gehen; loses Geröll und Baumwurzeln, dazu schräge Stufen. Der Nebel wird stärker. Hänge wohl gerade in einer Wolke. Es folgt ein Geröllweg aus Vulkangestein mit einer geschätzten 10%-Steigung und Stufen. Geht in die Knochen und auf die Kondition. Ich ich mein Tempo halten kann ist fraglich. Ich überhole einige Reisegruppen und komme immer wieder ins Gespräch.

Der Blick geht den steilen Berg hinauf. Die Wolken sind jetzt unter mir. Man sieht den Wanderweg im Zickzack und eine Station. Es ist Nummer 7. Die 6 habe ich verpaßt. Noch 20 Minuten bis ich umdrehen muß. Ich blicke nach unten; eine Wolkenlücke. Man hat Sicht auf Kawaguchiko wie aus einem Flugzeug. Die Höhendifferenz ist knapp 1900 Meter. Beieindruckend. Ich versuche die anderen Fuji-Seen zu finden. Aber da kommt auch schon die nächste Wolke unter mir (!) und versperrt die Sicht.

Als ich endlich bei Station 7 ankomme bin ich platt. Pause. Ich kaufe nun doch einen Wanderstock als Beweis, daß ich hier war. An Station 5 habe ich mich diesem Tourikram noch verweigert. Die Preise haben sich gegenüber Station 5 verdoppelt und gegenüber Kawaguchi verdreifacht. Das gilt auch für Getränke. Ich genieße für eine kurze Zeit die Aussicht; nach unten auf die Wolken und nach oben zum Gipfel. Er sieht zum Greifen nach aus. Aber 2 Stunden Aufstieg sind das mindestens. Nach Karte sind es noch über 1000 Höhenmeter. So kurz vorm Ziel… Ein bischen ärgere ich mich schon. Aber ein Blick auf den Weg von Station 7 zu Station 8 sagt alles. Es gibt keine Geröllstrecke mit fieser Steigung und Stufen mehr.  Ab hier ist es pure Steine und der Weg ist ein ein dünnes Seil, das die Richtung vorgibt. Steigung 100%. Au Weia. Multipliziere ich das mit den ganzen Rentnergruppen, die ich überholt habe… Au Weia.

Nun aber zurück. Und ich dachte bergab ist einfacher. Falsch, es ist schwieriger. Man muß mit jedem Schritt abbremsen. Macht man das nicht, wird man immer schneller und Bremsen wird unmöglich. Es geht mehr in die Knochen als der Anstieg, zumal man von diesem schon am Limit ist. Gut, daß ich 2004 diese schweren Meindl-Wanderschuhe gekauft habe. Die retten mir meine Knöchel. Man rutscht verdammt schnell weg, und sich hier was Verstauchen ist nicht die beste Idee des Tages. Kurz vor Station 6 bin ich verwirrt. Wo kommen die Stufen her? Die gab es doch auf dem Hinweg nicht. Anscheinend gibt zwei Wege, hoffe ich. Jetzt habe ich auch Station 6 am dem Stock. Nach einigen hundert Metern eine Gabelung und es geht bergauf. Ich bin wieder auf vertrautem Gelände. An Station 5 habe ich noch 20 Minuten bis zum Bus. Perfektes Timing.

Um 15:30 Uhr bin ich wieder in Kawaguchiko. Mein Bus fährt um 18 Uhr nach Tokyo. Wäre da doch bloß ein späterer Bus gewesen, dann hätte ich auch noch die Station 8 geknackt. Was mache ich jetzt mit den 2 Stunden? War da nicht eine Brauerei auf dem Weg? Auf geht es mit dem lokalen Bus. Die Brauerei wirkt sehr deutsch. Mehr als nur Zufall. Ich bestelle ein Bier namens “Rauch”, das mit smoked malt bebraut wird. Und es schmeckt wirklich nach Holzkohle. Gewöhnungsbedürftig, aber definitiv einzigartig. Zurück am Bahnnhof dann der nächste Spaß: alle Busse nach Tokyo Eki sind ausgebucht. Also doch mit dem Zug? Zum Glück gibt es einen Bus um 18:30 Uhr nach Shinjuku.Wann lerne ich endlich, daß Shinjuku und Tokyo für Japaner zwei verschiedene Dinge sind. Von dort schaffe ich das schon irgendwie. Und hätte den anderen Bus ins Tal … Station 8 … Arghh.

Bussteig 3. Ich brauche den Bus Nummer 2. Nummer 1 fährt los und nun? Wo ist die zwei? Nach endlosen 10 Minuten (Verspätung) trifft er endlich ein. Ich hatte gerade so einen Aso-Flashback. Auf der Rückfahrt wird mir klar: Ich will auf den Gipfel. Ich werde also noch einmal zum Fuji. Und ich werde an Station 1 starten. Mein Wanderstab soll alle Brandsiegel haben. Das Ganze will gut vorbereitet sein, inklusive eine Übernachtung auf dem Gipfel. Das benötigt eine gute Absprache mit den örtlichen Stellen.

In Shinjuku das kurze Chaos mit meinem Gepäck und der Yamanote. Ich brauche unbedingt eine entspanntere Bahnlinie. Endlich im Hotel angekommen will ich nur noch duschen, etwas essen und schlafen. Die Ausbeute von heute: ein Wanderstock und die Erkenntnis, daß man in seine Reisepläne auch Busse und Nicht-JR-Bahnlinien einplanen sollte.

Caves and Onsens

Der Wecker klingelt. Regen. Ich eile zum Frühstück, das nur bis 8:30 serviert wird. Regen. Mein Plan (Wandern auf dem Fuji) und mein Plan B (Wandern um die Fuji-Seen) fallen sprichwörtlich ins Wasser. Regen. Was nun? Es fährt ein “Retrobus” durch die Gegend. Die Fahrt führt am See Kawaguchi entlang. Hier ist alles grün, vom Ufer bis zu den Bergspitzen. Im Regen wirkt es noch grüner. Wir stoppen an einer Höhle, die man besichtigen kann. Ich treffe auf zwei Finnen die für Nokia arbeiten, logisch. Ich kriege einen Blick auf das neue Handy-Modell, das demnächst erscheint.

Am Eingang zeige ich den Rabattgutschein aus dem Bus. Die Kassiererin fragt “Drei?”. Wie? Drei? Ja, ja. Paßt schon. Die Finnen bekommen auch Rabatt. Jetzt kapiere ich. Der Eingang zur Höhle ist ein großes überdachtes Loch mit Baum; ein witziger Anblick. Das riesen Ding auf der dünnen Felsdecke. Das Thermometer zeigt 24°C. Mit jedem Schritt die glitschigen Stufen hinunter wird es kälter. Unten in der Höhle werden nur noch 6°C angezeigt. Hier lagert Eis. Es ist ein Fußmarsch von 15 Minuten zur zweiten Höhle; Ice Cave. Das eben war die Lava Cave. Leider ist der Gutscheinbon flöten, aber ich habe die Eintrittskarte von eben und ahne was. Richtig. Ich zeige die Karte und bekomme Rabatt. Der Eingang ist nicht so imposant wie eben und es wird extrem schmal. Nichts für Leute mit Platzangst (oder Konfektionsgröße XL aufwärts). Man sollte jetzt auch nicht daran denken, daß der Fuji ein Vulkan ist und Japan ein stattliches Erdbebengebiet. Auch hier liegt überall (vom Personal sauber gestapeltes) Eis. Es ist glitschig. Ich rutsche weg, kann die Kamera gerade noch retten. Auf einer Seite gibt es eine Tropfsteinhöhle aus Eis.

Danach  geht es mit dem nächsten Bus zurück. Auf halber Strecke steige ich aus. Die Gegend kenne ich von vorhin, Verlaufen ausgeschlossen. Und der Regen hat fast aufgehört. Diese Chance muß man nutzen. Ich laufe an einem Resto vorbei. Milky Way. Das sieht so süß aus, das ich hineingehen muß. Wie erwartet ist es kitschig wie ein Cafe im Anime. Alles ist auf Krampf europäisch: Spitzentischdecke, barocke Kaffeetassen und die Wand dekoriert wie zu Omas Zeiten. Überdosis. Ich bestelle Crepes mit Eis und dazu einen guten Kaffee. Ich werde das Gefühl nicht los, daß ich der erste männliche Gast ohne Freundin im Schlepptau bin.

Weiter geht es, entlang am grünen Ufer, am Hotel vorbei bis zu dieser kleinen Garküche  von 2004. Dann rauf zum Bahnhof. Ich will ein paar Infos sammeln. Ein Stück vom Fuji ist zu sehen. Schnell Fotos. Ich laufe noch ein wenig durch Kawaguchi. Als ich wieder am Hotel eintreffe, ist der gesamte Fuji zu sehen. Es dämmert.

Der Rest des Tages ist Onsen-Time. Um 21:30 werden die Seiten gewechselt. Also eine gute Chance beiden Seiten zu sehen und während des Wechsels zu fotografieren. Diese erste Seite hat 2 große Becken, 1 Whirlpool und 2 Badenzuber extra heiß. Ich genießebis 21 Uhr. Ich bin der letzte Gast. Also Kamera aus dem Spint holen und … zur Rezeption, Erlaubnis einholen. Sicher ist sicher. Ich kriege sie. Nach der Fotosession folgt eine zweite Runde Onsen, bis der Hunger siegt. Auf zum Ramenshop gegenüber vom Hotel. Ich mache das Izakaya-mäßig: bestelle viele Kleinigkeiten und jede nur ein mal. Dazu Bier. Danach geht es zurück ins Onsen. Erst in die Außenbecken und war da nicht noch ein Bad in 5F? Auch nett. Vom Becken aus soll man einen guten Blick auf den Fuji haben; in Japan das Onsen-Klischee schlechthin. Wer keinen Fuji hat, pinselt ihn auf eine Wand. Da das Orginal hier vorhanden ist, fehlt besagte Wand. Da es dunkel ist, fehlt der Fuji. Pech.

大阪 から 富士河口湖 まで

Das wird eine lange Fahrt mit mindestens zwei mal umsteigen. Wieder einmal bleibt keine Zeit für einen Zwischenstop. 2004 waren die Zwischenstops zwar immer etwas hektisch, aber auch immer gut. im Kontrast wirken diese reinen Zugtage so verloren. Mein Gepäck ist zu Ende. Der erste Stop des Tages ist daher die Waschküche. Maschine und Trockner sind unüberwindbare Hindernisse. Ich kann kein einziges Symbol entziffern. Ohne Hilfe des Personals finde ich nicht einmal das Fach für das Waschpulver. Uhnd wenn ich nur die Infos auf der Waschmittelpackung lesen könnte …

Um 12 Uhr geht es zum Bahnhof. Warum lerne ich eigentlich Japanisch? Der Taxifahrer kapiert erst bei “Ooska Train Station, please” wohin ich will. Arghhh. Egal. Nächster Stop ist Shin-Yokohama. “Shin-” (新, das japanische Wort für “neu”) bei Bahnhöfen meint in der Regel den Haltepunkt des Shinkansen. Nicht immer war es möglich, den existierenden Bahnhof an das Shinkansennetz anzuschließen, daher wurde ein neuer Bahnfhof gebaut. Erster Zugwechsel ist in Hachioji. Das ist auf der Karte links von dieser irren lange schnurrgeraden Bahnstrecke, die in Shinjuku startet. Weiter geht es nach Otsuki. Wo auch immer das ist. Diesmal wechsele ich zusätzlich den Bahnbetreiber. Der JR-Pass ist hier ungültig. Der Bahnhof war putzig. Man hatte das Gefühl man steigt in eine Kinderachterbahn eines kitschigen Freizeitparks. Der zug ist zum Glück normal neutral. Die vorletzte Haltestelle (Fujisan) verschlafe ich. Fies ist, daß der Zug hier die Fahrtrichtung wechselt. Ihr glaubt gar nicht, wie schnell ich hellwach bin. Als ich in Kawaguchiko (vollständiger Name ist Fujikawaguchiko) ankomme, ist es späte Dämmerung. Der Fuji ist in Wolken gehüllt und nicht zu sehen. Gar nicht. Und das bei stattlichen 3700 Höhenmetern (Kawaguchi 700m).

Was für ein Hotel. Roaaarrr. Von außen schon der Hammer schlecht hin. Ein Mann zum Tür öffnen, einer für den Koffer und einer für den Check-in. Allerdings heiße ich “Mobile”, fälschlicherweise ist das Dinner mit drin (4000 en extra), und meine Mastercard wird nicht akzeptiert. Kleinigkeiten. Hoffe ich. Die Visa wird vom System abgelehnt. Ohh. Letzter Notnagel: Amex Blue. Die klappt. Das war wohl wichtigste Argument für drei Kreditkarten. Aber was ich bei der Visa los? (Nachtrag: Visa hatte die Karte gesperrt, da ich in Deutschland kaum Umsätzte gemacht habe, sie aber in Japan im Vergleich dazu exzessiv genutzt habe. Man dachte an einen Mißbrauch der Nummer. Alles ganz nett, aber das Problem habe ich erst zurück in Deutschland lösen können.)

Um 19 Uhr folgt ein kleiner Rundgang durch Kawaguchiko. Das Kaff ist tot, nur noch ein Laden hat geöffnet. Und es ist kalt. 25°C. Gut daß ich einen Pullover mithabe. Habe ich das jetzt wirklich geschrieben? Das noch geöffnete Resto ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Man sitzt quasi in der Küche. Ein Chaos aus Edelstahl, alten Töpfen, Gaskochern und Gasleitungen. Naja. Das Essen ist um so besser. Die Suppe war nicht ganz mein Fall, aber es ist auch schwierig meinen Geschmack zu treffen. Überrascht hat mich der Pfirisch. Riesig und sau lecker. Nicht wie der Kram aus dem Supermarkt in Deutschland.

Abschluß findet der heute Tag im Onsen des Hotels. Die Umkleide wie immer. Viel Holz, die kleinen Körbe, dahinter die Duschen mit diesen Minihockern. Dann geht es durch die Glastür. Die Becken sind draußen. Was für ein Ambiente. Kleine Steinwege, mehrre Badezuber und Becken; dazu Palmen, Bambusdächer und der Nachthimmel. So läßt es sich aushalten. Am liebsten würde ich hier stundenlnag relaxen. Bei den Wassertemperaturen sind es eher 2 Minuten. Ich bin ganz alleine, und so wandel ich zwischen den verschiedenen Becken hin und her. Man muß einfach mal jedes ausprobiert haben.

Ü30

Heute stehe ich spät auf. Der Tag ist komplett ohne Plan. Ich weiss, gerade der heute Tag sollte eigentlich einen Plan haben. Egal. Ich laufe etwas durch Umeda und die Untergrundpassagen des Bahnhofes. Hier kann man echt verloren gehen.

Gegen Mittag breche in Richtung VDE-Office auf. Allerdings verpasse ich Jan beim Mittagessen. Ich habe zum einen die Fahrtstrecke unterschätzt, zum anderen finde ich mich in dem Straße von Oosaka nicht zurecht. Ich laufe im Kreis. Aber wenn ich diese Ecke verlasse, ist es eine anderer Block oder eine andere Chome. Ich kapituliere und dinniere alleine. Soba mit irgendetwas.  / Nachtrag: Es ist Hühnerhaut. Ich sollte die wichtigsten Kanji lernen. Ich muss aber gestehen, dass es nicht so schlimm schmeckt, wie es sich anhört. Schmeckt wie ein pappiges, aufgeweichtes Brötchen, also primär nach nichts.

Telefonisch kriege ich Jan. Wir treffen uns um 14 Uhr am Hotel. Ich will vermeiden, daß ich mich schon wieder verlaufe. Zudem gibt es mir etwas Zeit, um bei der Burg von Oosaka vorbeizuschauen. Der Rückweg ist etwas hakelig, da ich mir hier auf der Ecke nicht auskenne. Der Fußweg schlägt ein paar Haken zwischen Schienen und Brücken über den Fluss.

Verspätet am Hotel angekommen starten wir zu einem Kendoladen gleich um die Ecke. Hier erwerbe ich Shinaimessser. Man sind die billig. In Deutschland kosten die locker das dreifache. Zum Kauf einer Kendorüstung kann ich mich allerdings nicht durchringen. Nicht nach der Kamera. Auch mein Etat ist begrenzt.

Bei unserem Streifzug durch die Ginza (Hinweis: Ich nennen alle überdachten Fußgängerzonen Ginza.) entdecken wir einen Laden, der auf Deutsch macht. “Hopfen und Malz, Gott erhalts” steht über der Tür. Das Plastic Food zeigt Deutsches Bier und Bratwurst. WARUM? Warum ist Deutschland immer bayrische Folkore mit Bratwurst? Wir haben auch Seelachs. Danach schleichen wir etwas durch die Gegend.

[… Hier fehlt etwas im Protokoll oder ich habe Sachen durcheinander gebracht.]

Tee an der Phoenix-Halle

Heute geht es nach Uji, ins Epizentrum des grünen Tee. Ein Ort, den man aus der japanischen Literatur (Genji Monogatan) kennt. Die Zugfahrt führt über Kyoto, das gerade einmal 30 Minuten von Oosaka entfernt ist. Auf halber Strecke Oosaka-Kyoto ist die Suntory Destillery. Zwei neue Erkenntnisse für mich. In Uji laufe ich erst einmal die falsche Straße entlang. Zurück. Gegenrichtung. Am Ziel angekommen, stelle ich fest, daß mein Geld im Hotel liegt. Auf zur Post am Bahnhof. Argh. Meine Laune sinkt. Nicht gut.

Dann endlich durchschreite ich das Tor zum Garten der Phoenix-Halle. Sie wirkt alt, morsch und könnte einen neuen Anstrich vertragen. Die Wirkung ist vielleicht gerade deshalb gewaltig und erhaben. Mit dem See davor ergibt sich ein Motiv nach dem anderen. Ich laufe herum, aber ganz ehrlich? Einen Anstrich könnte das Ding wirklich vertragen. Ich besichtige die Halle von innen. Fotografieren ist allerdings verboten. In der Halle steht eine große Buddhafigur. Haut mich jetzt nicht vom Hocker. Aber eventuell habe ich nicht das Auge für solche Dinge.

Anschließend geht es über eine rote Brücke auf die andere Seite des Ujigawa. Ich sehe, eine Straße bergauf, einen Tempel. Die Mauern sind schneewei, oben drauf ein Holztor aus fast schwarzem Holz. Innen finde ich eine Oase der Ruhe mit Steingarten. Moos. Ich bin alleine. Was für eine Ruhe. Der Schrein nebenan ist wieder nationales Kulturgut. Nichts besonderes, aber mal ein anderes Design: Das Honden ist komplett mit Holz vergittert. Weiter zum Genji Museum. Leider ist sehr viel in Japanisch und ich kenne die Handlung nicht. Von daher sagt mir das alles sehr wenig. Aber man war da. Danach geht es zurück zum Bahnhof, nicht ohne unterwegs in einem Teegeschäft zu stoppen. Ich kaufe Pulvertee. Pulvertee aus Uji, Direktabfüllung. Das hat nicht jeder. Bei der Gelegenheit trinke ich gleich eine Tasse.

Zurück nach Oosaka. Jan wartet. Ich nehme ein Taxi in der irrigen Annahme das ich dann schneller bin. Nur kennt der Fahrer den Weg noch weniger als ich. Alle Nase lang stoppt er und fragt nach dem Weg. Sogar die Wache vor der amerikanischen Botschaft muß als Wegweiser herhalten. Am Ende rettet mich der Ramenladen von gestern. “Das kenne ich, hier müssen wir Links.” Argh. Jan ist schon los. Damned. Sein Chef ruft ihn auf dem Handy an. Ich muß zur Juso Polizeistation. 30 Minuten später stehe ich in Juso. Wo ist die Polizei? Ich frage nach. Einfach der Bahnlinie folgen, auf die andere Seite der Gleise und da ist sie. Jetzt das nächste Problem: Die Polizisten haben keinen Plan, was ich will. Nachdem die Sprachbarriere überwunden ist, geht es mit dem Fahrstuhl nach oben. Eine Halle, Holzwände, Kamiza. Es sieht nicht aus wie im Bilderbuch, aber man spürt, daß es ein Dojo ist.

Das Training ist völlig anders. Nach 10 Minuten aufwärmen geht es los. Die hohen Dan-Grade stehen auf der einen Seite, auf der anderen die “Schüler”. Jigeko. Man kämpft, danach sagt einem der Trainer die Fehler. Abgrüßen. Man stellt sich wieder hinten an (beim gleichen Trainer oder bei einem anderen) und der nächste ist dran. So geht es fast 2 Stunden.

Um 21 Uhr ist Ende. Es regnet in Strömen. Jan shoppt schnell einen 100yen-Regenschirm (ich habe ihn heute noch, Stand 2011). Am Bahnhof stoppen wir in einer kleinen Kneipe für Snacks und Bier. Nächster Stop ein Internetcafe. Jan sagt, daß man hier im Notfall auch übernachten kann. Jeder Platz ist ein kleiner Cubicle mit Tür. Man ist für sich. Softdrinks gratis. Es gibt auch ein Sofo. Jetzt verstehe ich, wie diese Otakus durchs Leben kommen. Ich verpasse den letzten Zug. Eingentlich muß ich nur der Bahnline folgen. Ein interesannter, langer Fußmarsch abseits der Touristenpfade.

宮島 から 大阪 まで

Der Aufenthalt in Miyajima war zu kurz. Allen, die diese Zeilen lesen, sei angeraten: 4 Tage Minimum. Lieder ist das Hotel in Oosaka schon gebucht und Jan erwartet mich heute Abend. Nach Oosaka sind es 2 Stunden. Bleibt genug Zeit für eine ausgiebige Runde durch Hiroshima.

Auf geht’s, den Freadom Boulevard runter, eine der wenigen baumbepflanzten Straßen, die ich in Japan kenne. Hier gibt es wohl auch einzigen frei lebenden Mülleimern in Japan. Ich stehe vor dem Atom Bomd Dome. Unheimlich. Dann der Vergleich im Kopf: die Fotos aus den Geschichtsbüchern, das Livebild vor einem. Ich betrete die unterirische Erinnerungshalle (habe ich 2004 übersehen). Hier werden Namen und Fotos aller Opfer angezeigt; dazu ein 360°-Panorama-Relief von Hiroshima nach dem Bombenabwurf. Die Stimmung ist beklemmend. Raus hier. Ich gehe durch den Peace Memorial Park, vorbei an weiteren Mahnmalen, zum Museum. Dieses mal mache ich die Tour mit Audiokommentar.

Weiter zum Okonomiyaki-Laden von 2004, der aber geschlossen hat. Ich wandere zurück in Richtung Bahnhof. In der Nähe vom Hotel Flex, meinen Basislager 2004, ist ein japanischer Garten. Da muß ich hin. An kochend heißen Tagen wie heute sind die Waldregionen noch attraktiver als sonst. Entspannung pur. Ich laufe um den Teich mit den springenden Karpfen und beobachte die Schildkröten … und die mich. Scary. Zurück am Bahnhof kaufe ich mir einen Trolly für den großen Rucksack. Ich bin es leid, dieses 25kg-XXL-Ding auf dem Rücken zu haben. Dazu der Rucksack und die Shinais.  Die 2500円 lohnen sich schon nach den ersten 100m.

Im Dunklen geht es nach Shin-Oosaka, vorbei an der illuminierten Himeji-Burg, und weiter mit Local nach Oosaka Eki. Um 19:30 Uhr werde ich in den Umeda-Untergrund gespült. Auweia ist das riesig. Ich dachte immer Yeasu in Tokyo ist groß. Ich habe mich geirrt. Mehrere Ebenen, lange Gänge, Kreuzungen, dazu die Gänge und Shoppingbereiche von drei verschiedenen Bahnbetreibern und die Kellergeschosse von diversen Kaufhäusern. Links, rechts, geradeaus. Ich nehme ich die Treppe nach oben und habe keine Ahnung, wo ich bin. Der Bahnhof ist außer Sicht. HEP Five, das Riesenrad auf dem Hausdach, ist meine einzige Orientierung. Aber es fehlt auf meiner Karten. Schluß. Aus. Taxi. Es fährt mich in die Mitte des Amusement Districts von Umeda. Na, da habe ich mir ja ein Hotel ausgesucht. Esl liegt in zweiter Reihe und damit ruhiger als befürchtet.

Jan war schon hier und hat seine Telefonnummer hinterlassen. Auf dem Zettel steht “Mr. Yun”. Aber das paßt schon. Zurück in den Untergrund, Jan suchen. Er will mir einen Oosaka-Crashkurs verpassen. Ein paar Haken und alles was ich weiß ist: Oosaka. Die Reise endet in einem Izakya. Dunkle Hölzer, kleine Tischgruppen. Sie sind wie Cubicles mit Wänden, die vor fremden Blicken schützen. Damit die Bedienung weiß, daß sie erwünscht ist, gibt es eine kleine Klingel. Das können die Japaner: selbst in den öffentlichsten Räumen Privatsphäre schaffen. Die Kellnerin bedient in altem japanischen Stil, auf dem Fußboden kniend. Es gehört dazu. Fast ein wenig peinlich.

Und ich lerne wichtige Sachen über Izakayas.: Edamame: So was wie die japanische Salzstange. Edamame sind gekochte und anschließend gesalzene Sojabohnenschoten.Man ploppt sich die einzelnen Bohnen einfach in den Mund. Daneben gibt es viele weitere Kleinigkeiten. Regel: Man bestellt jede Kleinigkeit nur ein Mal. Ist eines dieser vielen ungeschriebenen Gesetze in Japan. Suminasen ruft die Bedienung, wenn es keine Klingel gibt. Onegaishimasu (wörtlich “eine Bitte machen”) bedeutet hier “Die Rechnung bitte.” Betsu-Betsu meint, daß man getrennt bezahlt. Allerdings 50-50. Man teilt die Rechnung durch zwei, egal wer was hatte. Nicht wie in Deutschland, wo alles auf den Cent genau auseinandergefusselt wird.

P.S.: Oosaka schreibt man 大阪. Das erste Kanji wird “Oo” geschreiben. Ich folge dieser (traditionellen) Schreibweise.

durch das Torii

Vor 2 Jahren hat mir Taifun 21 einen Strich durch die Rechnung gemacht und den Schrein teilweise zerstört. Der Schrein ist wieder aufgebaut, und ich habe den ganzen Tag, inklusive Ebbe und Flut. Dieser ganze Tag beginnt mit einem herrlichen Western Style Frühstück; Toast und Kaffee. Wie habe ich es vermißt. Danach geht es zum Schrein. Die Flut erreicht gerade ihr Maximum. Perfekt. Das Wetter ist optimal. Sonne pur. Zuerst genieße ich wieder das Panorama mit Palmen an der Promenade. Das ist Urlaub.

Der Schrein ist verwinkelt. Die orangerote Farbe, das Holz, die Gitterfenster, dazu das Wasser. Itsukushima ist ein Perle. Ich gehe durch die Korridore. Stehe vor dem Honden, dem Hauptgebäude/-raum. Eine 180° Drehung. Man blickt über die Bühne, den Steg entlang, das Ende durch eine Steinlaterne markiert aufs Wasser. Direkt auf das Torii. Von einem anderen Stege hat man einen Blick am Schreingebäude vorbei auf die Pagode. Noch ein Stück weiter eine rote Bogenbrücke. Sie verbindet die Schreinrückseite mit dem Festland.

Ich laufe zum Strand — Er ist kurz, aber er ist da — und weiter zu dem kleinen Tempel, von dem aus ich vor zwei Jahren zum Gipfel gestartet bin. Dann geht es zu zwei Museen. Hier in zweiter Reihe fließt ein Fluß, der das Urlaubsfeeling weiter anhebt.

Nächster großer Stop ist der Tempel der 1000 Tatami. Er steht direkt neben der Pagado. Er fällt nur nicht auf; trotz seiner Größe. Das unbehandelte dunkle Holz im Kontrast zur orangeroten Pagode mit den schwarzen Dächern und den weißen Wänden; eine graue Maus. Ich gehe in die Mitte der riesigen Halle, lege mich auf den Fußboden und betrachte die hölzerne Dachkonstruktion. Dieses Wirrwarr aus Balken.

Es folgt ein Rundgang durch die Nebenstraßen und die Shoppingstraße. Nach einem herzhaftem Karree stoppe ich im Hotel. Die SD-Karten sind voll und ein kurze Pause tut mir gut. Um 17 Uhr ist maximale Ebbe und die Dämmerung setzt gleich ein. Ich laufe ins Watt; im Bogen um das Torii herum bis zur Wassergrenze. Der ganze Boden bewegt sich; Schnecken, Muscheln und Krebse. Vieles davon verschwindet in kleinen Löchern, wenn man sich nähert.

Jetzt habe ich beides im Kamerasucher: Schrein und Torii. Danach geht es durch das Torii zum Schrein. Der Tag ist jetzt schon perfekt. Das Torii ist groß, wenn man direkt darunter steht. Ich laufe mehrmals um das Torii. Dann wird es langsam zu dunkel für brauchbare Fotos und die Flut kommt; eben stand ich noch auf trockenem Grund.

Nach einem Stop in einem Izakaya geht es weiter zum Bootsanleger. Irgendwas gab es da mit Bootsfahrten. Nachts mit einlaufender Flut durch das Torii schippern. Das Timing scheint richtig. Um 19:30 Uhr legt das Schiff ab in die Dunkelheit. Dann ein paar Drehungen und es es geht langsam durch das Torii. Der Hammer. Ich als Gaijin werde gefragt, ob ich das mit dem Grüßen im Shintoschrein beherrsche. Sie wissen nichts von meinem Vorwissen. Ich stehe auf und die anderen auch. Ein zackiges “Re”, dann 2x verbeugen, 2x klatschen, 1x verbeugen. Man ist beeindruckt; ich auch, daß ich das auf diesem wackeligem Dampfer hingekriegt habe. Wir kreisen noch ein wenig um das Tor, dann geht ein zweites mal (für Fotos) vor und zurück durch das Torii und anschließend zurück zum Anleger.

Es fängt an zu regnen. Aber das kann mir jetzt auch nicht mehr den Tag vermiesen. Er war einfach zu gut bis hier. Und so mache ich noch ein paar Nachtaufnahmen. Um 22:30 dann endgültig der Rücksturz zur Basis, gefolgt von ausgiebigem Onsen.