Category Archives: 関西 .. Kansai

.. “westlich der Grenzstation (Hakone)”. Diese Bezeichnung schließt historisch die Region Chubu mit ein. Im Westen läuft die Grenze zu Chukoku etwas rechts der Linie Bizen-Tottori. Im Osten ist die Grenze zu Chuubu kurz vor Nagoya. Ein anderer verwendeter Begriff ist Kinki (=nahe der Hauptstadt (Kyoto)). In Kansai liegen Oosaka und Kyoto, sowie die Orte Himejji, Uji, Nara und Ise. Hier liegen fast 60% der im Reiseführer erwähnten Sehenswürddigkeiten.

Ise und Toba

Heuzt geht es nach Ise, Toba und die vermählten Felsen. Viel zu spät gestartet — ich hatte vergessen das der Zug 90 Minuten fährt — stehe ich um 11:03 Uhr am Bahnhof JR Iseshi (Ise hat zwei Bahnhöfe von verschiedenen Betreibern). Der äußere Schrein ist die Straße runter, wo der Wald anfängt.

Der Schrein in Ise ist sowas wie der Vatikan des Shintoismus. Der Schrein hat eine eigene Architektur, seinen eigenen Baustil. Dazu gehört, daß es für jedes Gebäude zwei Bauplätze gibt. Ein Platz ist leer. Alle 20 Jahre wird auf dem leeren Platz ein Neubau errichtet, die Gottheit (das Heiligtum) versetzt und das alte Gebäude abgerissen; ein Zeichen, daß nichts für die Ewigkeit gebaut ist. Auf dem leeren Platz kann man den Grundriß erkennen. Die Kieselsteine sind unterschiedlich gefärbt. Und da wo später das Heiligtum steht, ist eine kleine Holzhütte. Ein Platzhalter.

Die Hauptgebäude sind meterhoch und blickdicht eingezäunt. Man kommt nur bis zu der Stelle, wo man beten darf. Ein Vorhang versperrt auch hier den Blick ins Innere. Fotografieren nicht möglich. Darauf achten mehrere Sicherheitsbeamte. (Als Gaijin hat man mit Glück einen schnellen Versuch frei, bevor man höflich in seine Schranken verwiesen wird.) Die Lage in Wald ist vortrefflich gewählt. Die Atmosphäre hat schon etwas heiliges mit diesen meterhöhen Zedern.

Danach geht es zum inneren Schrein. Man läuft die 4km oder nimmt den Buslinie 51 oder 53. Von der Haltestelle aus folge ich den Massen, da ich keinen Plan habe, wo es lang geht. Brücke, Rasenflächen, Wald; und da, Orangen. In freier Wildbahn habe ich die noch nie gesehen. Wie im äußeren Schrein auch hier meterhohe (Antifoto-)Holzzäune und Wachen. Dazu der Bautstil mit den gekreuzte Giebelbalken und den vergoldeten Tonnen auf dem Dachfirst. Das leuchten sieht man leicht, selbst durch das dichte Laub der Bäume.

Auf dem Weg zurück zum Bus finde ich eine Straße, die parallel zum Fluß läuft; Alte japanische Häuser, Restos, Souvenirläden. Ich laufe die Straße einmal ab, versorge mich mit Porivant und ergatter ein kleines Holzschild mit meinem Namen (Kanji). Das kommt an meine Kendoausrüstung.

Anschließend geht es zurück zum Bahnhof und weiter nach Toba. Ich wollte ursprünglich an den vermählten Felse stoppen, aber die Zugverbindung für diesen Haltepunkt ist so mies, daß ich es dann nicht mehr nach Toba und zurück nach Nagoya schaffe. Auf den ersten Blick ist Toba eine etwas runtergerockte Hafenstadt, die wohl nur von und wegen der Perleninsel lebt. Auf den zweiten Blick übrigens auch. Ich buche eine Schiffsreise. Ganz nett, aber Matsushima hat mehr zu bieten. Anschließend besuche ich die Perleninsel mit dem Museum. Ein Globus ganz aus Perlen. Den Wert will ich gar nicht wissen. Ein Pagode aus Gold und Perlen. Dann folgt die Vorführung der Perlentaucherinnen. Nur sieht man nicht viel. Sie tauchen ab und mit einer Auster in der Hand wieder auf.

Es folgt der Heimweg mit Abendessen. Das einzige, was ich finde, ist ein Resto, das die beste Zeit hinter sich hat. Udon, Bier, Sake – letzteren auch gegen den aufkommenden Frust über diesen Reiseabschnitt. Dann geht es mit dem Local zurück nach Nagoya.

Dort erst einmal Onsen, entspannend und frustlindernd. Anschließend begebe ich mich ins nächste Resto. Ich finde eines. Das Gericht ist jetzt nicht originell: Ka-bo-na-ra. Das muß ich wohl kaum übersetzen. Saulecker ist es aber. Damit schließt der Nagoyapart. Morgen geht es mit Zwischenstop in Gifu nach Hida-Takayama.


Fazit und Tip: Wer nicht nach Perlen tauchen will, kann Toba auslassen. Lohnt nicht. Die vermählten Felsen, hier ist auch nicht viel mehr los, sollte man besuchen, bevor man Ise ansteuert; alleine wegen der Zuganbindung. Der Schrein schließt vermutlich gegen 16:30 Uhr. Danach kann man in der erwähnten Straße vortrefflich shoppen und abendessen, bevor man einen späten Zug zurück nach Nagoya nimmt. — Erst Felsen dan Ise.

大阪 から 富士河口湖 まで

Das wird eine lange Fahrt mit mindestens zwei mal umsteigen. Wieder einmal bleibt keine Zeit für einen Zwischenstop. 2004 waren die Zwischenstops zwar immer etwas hektisch, aber auch immer gut. im Kontrast wirken diese reinen Zugtage so verloren. Mein Gepäck ist zu Ende. Der erste Stop des Tages ist daher die Waschküche. Maschine und Trockner sind unüberwindbare Hindernisse. Ich kann kein einziges Symbol entziffern. Ohne Hilfe des Personals finde ich nicht einmal das Fach für das Waschpulver. Uhnd wenn ich nur die Infos auf der Waschmittelpackung lesen könnte …

Um 12 Uhr geht es zum Bahnhof. Warum lerne ich eigentlich Japanisch? Der Taxifahrer kapiert erst bei “Ooska Train Station, please” wohin ich will. Arghhh. Egal. Nächster Stop ist Shin-Yokohama. “Shin-” (新, das japanische Wort für “neu”) bei Bahnhöfen meint in der Regel den Haltepunkt des Shinkansen. Nicht immer war es möglich, den existierenden Bahnhof an das Shinkansennetz anzuschließen, daher wurde ein neuer Bahnfhof gebaut. Erster Zugwechsel ist in Hachioji. Das ist auf der Karte links von dieser irren lange schnurrgeraden Bahnstrecke, die in Shinjuku startet. Weiter geht es nach Otsuki. Wo auch immer das ist. Diesmal wechsele ich zusätzlich den Bahnbetreiber. Der JR-Pass ist hier ungültig. Der Bahnhof war putzig. Man hatte das Gefühl man steigt in eine Kinderachterbahn eines kitschigen Freizeitparks. Der zug ist zum Glück normal neutral. Die vorletzte Haltestelle (Fujisan) verschlafe ich. Fies ist, daß der Zug hier die Fahrtrichtung wechselt. Ihr glaubt gar nicht, wie schnell ich hellwach bin. Als ich in Kawaguchiko (vollständiger Name ist Fujikawaguchiko) ankomme, ist es späte Dämmerung. Der Fuji ist in Wolken gehüllt und nicht zu sehen. Gar nicht. Und das bei stattlichen 3700 Höhenmetern (Kawaguchi 700m).

Was für ein Hotel. Roaaarrr. Von außen schon der Hammer schlecht hin. Ein Mann zum Tür öffnen, einer für den Koffer und einer für den Check-in. Allerdings heiße ich “Mobile”, fälschlicherweise ist das Dinner mit drin (4000 en extra), und meine Mastercard wird nicht akzeptiert. Kleinigkeiten. Hoffe ich. Die Visa wird vom System abgelehnt. Ohh. Letzter Notnagel: Amex Blue. Die klappt. Das war wohl wichtigste Argument für drei Kreditkarten. Aber was ich bei der Visa los? (Nachtrag: Visa hatte die Karte gesperrt, da ich in Deutschland kaum Umsätzte gemacht habe, sie aber in Japan im Vergleich dazu exzessiv genutzt habe. Man dachte an einen Mißbrauch der Nummer. Alles ganz nett, aber das Problem habe ich erst zurück in Deutschland lösen können.)

Um 19 Uhr folgt ein kleiner Rundgang durch Kawaguchiko. Das Kaff ist tot, nur noch ein Laden hat geöffnet. Und es ist kalt. 25°C. Gut daß ich einen Pullover mithabe. Habe ich das jetzt wirklich geschrieben? Das noch geöffnete Resto ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Man sitzt quasi in der Küche. Ein Chaos aus Edelstahl, alten Töpfen, Gaskochern und Gasleitungen. Naja. Das Essen ist um so besser. Die Suppe war nicht ganz mein Fall, aber es ist auch schwierig meinen Geschmack zu treffen. Überrascht hat mich der Pfirisch. Riesig und sau lecker. Nicht wie der Kram aus dem Supermarkt in Deutschland.

Abschluß findet der heute Tag im Onsen des Hotels. Die Umkleide wie immer. Viel Holz, die kleinen Körbe, dahinter die Duschen mit diesen Minihockern. Dann geht es durch die Glastür. Die Becken sind draußen. Was für ein Ambiente. Kleine Steinwege, mehrre Badezuber und Becken; dazu Palmen, Bambusdächer und der Nachthimmel. So läßt es sich aushalten. Am liebsten würde ich hier stundenlnag relaxen. Bei den Wassertemperaturen sind es eher 2 Minuten. Ich bin ganz alleine, und so wandel ich zwischen den verschiedenen Becken hin und her. Man muß einfach mal jedes ausprobiert haben.

宮島 から 大阪 まで

Der Aufenthalt in Miyajima war zu kurz. Allen, die diese Zeilen lesen, sei angeraten: 4 Tage Minimum. Lieder ist das Hotel in Oosaka schon gebucht und Jan erwartet mich heute Abend. Nach Oosaka sind es 2 Stunden. Bleibt genug Zeit für eine ausgiebige Runde durch Hiroshima.

Auf geht’s, den Freadom Boulevard runter, eine der wenigen baumbepflanzten Straßen, die ich in Japan kenne. Hier gibt es wohl auch einzigen frei lebenden Mülleimern in Japan. Ich stehe vor dem Atom Bomd Dome. Unheimlich. Dann der Vergleich im Kopf: die Fotos aus den Geschichtsbüchern, das Livebild vor einem. Ich betrete die unterirische Erinnerungshalle (habe ich 2004 übersehen). Hier werden Namen und Fotos aller Opfer angezeigt; dazu ein 360°-Panorama-Relief von Hiroshima nach dem Bombenabwurf. Die Stimmung ist beklemmend. Raus hier. Ich gehe durch den Peace Memorial Park, vorbei an weiteren Mahnmalen, zum Museum. Dieses mal mache ich die Tour mit Audiokommentar.

Weiter zum Okonomiyaki-Laden von 2004, der aber geschlossen hat. Ich wandere zurück in Richtung Bahnhof. In der Nähe vom Hotel Flex, meinen Basislager 2004, ist ein japanischer Garten. Da muß ich hin. An kochend heißen Tagen wie heute sind die Waldregionen noch attraktiver als sonst. Entspannung pur. Ich laufe um den Teich mit den springenden Karpfen und beobachte die Schildkröten … und die mich. Scary. Zurück am Bahnhof kaufe ich mir einen Trolly für den großen Rucksack. Ich bin es leid, dieses 25kg-XXL-Ding auf dem Rücken zu haben. Dazu der Rucksack und die Shinais.  Die 2500円 lohnen sich schon nach den ersten 100m.

Im Dunklen geht es nach Shin-Oosaka, vorbei an der illuminierten Himeji-Burg, und weiter mit Local nach Oosaka Eki. Um 19:30 Uhr werde ich in den Umeda-Untergrund gespült. Auweia ist das riesig. Ich dachte immer Yeasu in Tokyo ist groß. Ich habe mich geirrt. Mehrere Ebenen, lange Gänge, Kreuzungen, dazu die Gänge und Shoppingbereiche von drei verschiedenen Bahnbetreibern und die Kellergeschosse von diversen Kaufhäusern. Links, rechts, geradeaus. Ich nehme ich die Treppe nach oben und habe keine Ahnung, wo ich bin. Der Bahnhof ist außer Sicht. HEP Five, das Riesenrad auf dem Hausdach, ist meine einzige Orientierung. Aber es fehlt auf meiner Karten. Schluß. Aus. Taxi. Es fährt mich in die Mitte des Amusement Districts von Umeda. Na, da habe ich mir ja ein Hotel ausgesucht. Esl liegt in zweiter Reihe und damit ruhiger als befürchtet.

Jan war schon hier und hat seine Telefonnummer hinterlassen. Auf dem Zettel steht “Mr. Yun”. Aber das paßt schon. Zurück in den Untergrund, Jan suchen. Er will mir einen Oosaka-Crashkurs verpassen. Ein paar Haken und alles was ich weiß ist: Oosaka. Die Reise endet in einem Izakya. Dunkle Hölzer, kleine Tischgruppen. Sie sind wie Cubicles mit Wänden, die vor fremden Blicken schützen. Damit die Bedienung weiß, daß sie erwünscht ist, gibt es eine kleine Klingel. Das können die Japaner: selbst in den öffentlichsten Räumen Privatsphäre schaffen. Die Kellnerin bedient in altem japanischen Stil, auf dem Fußboden kniend. Es gehört dazu. Fast ein wenig peinlich.

Und ich lerne wichtige Sachen über Izakayas.: Edamame: So was wie die japanische Salzstange. Edamame sind gekochte und anschließend gesalzene Sojabohnenschoten.Man ploppt sich die einzelnen Bohnen einfach in den Mund. Daneben gibt es viele weitere Kleinigkeiten. Regel: Man bestellt jede Kleinigkeit nur ein Mal. Ist eines dieser vielen ungeschriebenen Gesetze in Japan. Suminasen ruft die Bedienung, wenn es keine Klingel gibt. Onegaishimasu (wörtlich “eine Bitte machen”) bedeutet hier “Die Rechnung bitte.” Betsu-Betsu meint, daß man getrennt bezahlt. Allerdings 50-50. Man teilt die Rechnung durch zwei, egal wer was hatte. Nicht wie in Deutschland, wo alles auf den Cent genau auseinandergefusselt wird.

P.S.: Oosaka schreibt man 大阪. Das erste Kanji wird “Oo” geschreiben. Ich folge dieser (traditionellen) Schreibweise.

durch das Torii

Vor 2 Jahren hat mir Taifun 21 einen Strich durch die Rechnung gemacht und den Schrein teilweise zerstört. Der Schrein ist wieder aufgebaut, und ich habe den ganzen Tag, inklusive Ebbe und Flut. Dieser ganze Tag beginnt mit einem herrlichen Western Style Frühstück; Toast und Kaffee. Wie habe ich es vermißt. Danach geht es zum Schrein. Die Flut erreicht gerade ihr Maximum. Perfekt. Das Wetter ist optimal. Sonne pur. Zuerst genieße ich wieder das Panorama mit Palmen an der Promenade. Das ist Urlaub.

Der Schrein ist verwinkelt. Die orangerote Farbe, das Holz, die Gitterfenster, dazu das Wasser. Itsukushima ist ein Perle. Ich gehe durch die Korridore. Stehe vor dem Honden, dem Hauptgebäude/-raum. Eine 180° Drehung. Man blickt über die Bühne, den Steg entlang, das Ende durch eine Steinlaterne markiert aufs Wasser. Direkt auf das Torii. Von einem anderen Stege hat man einen Blick am Schreingebäude vorbei auf die Pagode. Noch ein Stück weiter eine rote Bogenbrücke. Sie verbindet die Schreinrückseite mit dem Festland.

Ich laufe zum Strand — Er ist kurz, aber er ist da — und weiter zu dem kleinen Tempel, von dem aus ich vor zwei Jahren zum Gipfel gestartet bin. Dann geht es zu zwei Museen. Hier in zweiter Reihe fließt ein Fluß, der das Urlaubsfeeling weiter anhebt.

Nächster großer Stop ist der Tempel der 1000 Tatami. Er steht direkt neben der Pagado. Er fällt nur nicht auf; trotz seiner Größe. Das unbehandelte dunkle Holz im Kontrast zur orangeroten Pagode mit den schwarzen Dächern und den weißen Wänden; eine graue Maus. Ich gehe in die Mitte der riesigen Halle, lege mich auf den Fußboden und betrachte die hölzerne Dachkonstruktion. Dieses Wirrwarr aus Balken.

Es folgt ein Rundgang durch die Nebenstraßen und die Shoppingstraße. Nach einem herzhaftem Karree stoppe ich im Hotel. Die SD-Karten sind voll und ein kurze Pause tut mir gut. Um 17 Uhr ist maximale Ebbe und die Dämmerung setzt gleich ein. Ich laufe ins Watt; im Bogen um das Torii herum bis zur Wassergrenze. Der ganze Boden bewegt sich; Schnecken, Muscheln und Krebse. Vieles davon verschwindet in kleinen Löchern, wenn man sich nähert.

Jetzt habe ich beides im Kamerasucher: Schrein und Torii. Danach geht es durch das Torii zum Schrein. Der Tag ist jetzt schon perfekt. Das Torii ist groß, wenn man direkt darunter steht. Ich laufe mehrmals um das Torii. Dann wird es langsam zu dunkel für brauchbare Fotos und die Flut kommt; eben stand ich noch auf trockenem Grund.

Nach einem Stop in einem Izakaya geht es weiter zum Bootsanleger. Irgendwas gab es da mit Bootsfahrten. Nachts mit einlaufender Flut durch das Torii schippern. Das Timing scheint richtig. Um 19:30 Uhr legt das Schiff ab in die Dunkelheit. Dann ein paar Drehungen und es es geht langsam durch das Torii. Der Hammer. Ich als Gaijin werde gefragt, ob ich das mit dem Grüßen im Shintoschrein beherrsche. Sie wissen nichts von meinem Vorwissen. Ich stehe auf und die anderen auch. Ein zackiges “Re”, dann 2x verbeugen, 2x klatschen, 1x verbeugen. Man ist beeindruckt; ich auch, daß ich das auf diesem wackeligem Dampfer hingekriegt habe. Wir kreisen noch ein wenig um das Tor, dann geht ein zweites mal (für Fotos) vor und zurück durch das Torii und anschließend zurück zum Anleger.

Es fängt an zu regnen. Aber das kann mir jetzt auch nicht mehr den Tag vermiesen. Er war einfach zu gut bis hier. Und so mache ich noch ein paar Nachtaufnahmen. Um 22:30 dann endgültig der Rücksturz zur Basis, gefolgt von ausgiebigem Onsen.

Kyoto / Tag 2

Das Frühstück war wieder super. Ach ja, hatte gestern vergessen zu erwähnen, daß der Ryokan-Chef auf Westfutter umgestellt hat. Er hatte beim ersten Frühstück wohl gemerkt, daß die japanische Version nicht so ganz mein Fall ist. Er entschuldigt sich wie gestern schon, daß es nicht ganz so umfangreich ist wie er es sonst seinen Gästen anbietet. Mir reicht es: Brötchen, Rührei, Salat, Kaffee, Früchte (geschmacklich eine Mischung aus Apfel und Pfirsich, muß den Namen rauskriegen).

Die erste Station heute wird das Nijo-jo. Auf halber Strecke muß ich eine von vielen Ampeln benutzen. Ich habe grün. Aber von links kommt die Feuerwehr mit Sonderrechten. Blaulicht wäre nicht das richtige Wort. In Japan haben Sonderrechtfahrzeuge ein rotes Rundumlicht. Ich bleibe stehen und … die Feuerwehr bremst und hält an. Wie jetzt? Ich winke den Löschzug durch. Warum halten die an? Über Lautsprecher höre ich noch ein Dankeschon und der Fahrer des zweiten Fahrzeugs macht die Geste für “Entschuldigung”. Die spinnen die Japaner.

Das Nijo-jo rangiert als Burg, ist aber eher ein großes Samuraihaus. Es war ein Wohnschloß und Regierungssitz. Im inneren gibt es viele Korridore und Zimmer mit Tatamimatten. Sehr geräumig und sehr edel. Schwere Holzbalken, Papierschiebetüren. Das besondere ist aber der Fußboden. Wenn ich das richtig gelesen habe, heißt er Nachtigallengang. Wenn ihn entlang geht, twitschert er. Besser gesagt, das Holz quietscht. Die Holzbalken sind besonders gelagert und gegeneinander verspannt. Keine Chance unbemerkt die Gänge entlang zu schreiten. Ich habe es probiert. Schuhe darf man eh nicht tragen. Aber selbst auf Socken gelingt es nicht. Spätenstens der vierte Schritt quietscht. Ein bessere Alarmanlage gibt es nicht.

Weiter geht es zum Kaiserpalast. Die Parkanlage ist nach westlichem Vorbild, hat aber auch japanische Elemente. Es ist der Park in dem ich gestern Nacht noch kurz unterwegs war. Auf das Palastgelände kommt man nur mit Anmeldung und mit Eskorte. Mal sehen. Auf zum Palastamt. Es gibt nur eine Führung um 14 Uhr. Hm. Es ist 11:45. Das durchkreuzt meine Pläne für heute. Aber die Chance sausen zu lassen wäre noch dämlicher. In Kyoto und dann den Palast nicht besuchen. Der Plan wird geändert.

Auf zum goldenen Pavillion. Da die Zeit drängt, also probiere ich den Bus. Klappt ganz gut. Leider gibt es keinen Plan für das Busnetz. Aber das Zeiche für Gold (Kin) kann ich lesen. Bleibt nur noch die Frage, wo ich aussteigen muß. Ich steige eine Station zu früh aus. Unterwegs hake ich dann schnell noch den Kitano-Schrein und den Hirano-Schrein ab. Der erste ist ganz nett.

Der Kinkaku-ji ist ein Kracher. Der ganze Pavillion ist vergoldet. Komplett. Von oben bis unten. Er steht direkt am Tempelsee. Darüber der blaue Himmel. Was für ein Postkartenmotiv. Der Park ist sehr erholsam und bietet mehrere Perspektiven. Leider drängt die Zeit. Wie so häufig.

Ich bin spät dran. Ich schalte einen Gang höher. Ich überhole sogar eine Gruppe von Schülern, die der Sportlehrer durch den Park scheucht. Die Palastwache feuert mich mit “go go go” an. Das sind Bonsupunkte. Vielleicht kann ich die irgendwie nutzen.

Der Palast ist wirklich einen Besuch wert. War die richtige Entscheidung. Große Gebäude, mächtige Dachkonstruktionen. Vor allem das Zeremonialtor ist gewaltig. Vor die Fenster sind riesige Holzgitter.; sind quasi die japanische Version von Fensterläden. Sie werden aber nach oben aufgeklappt und dienen dann als Sonnenschutz. Pfiffige Idee. Einige Nebengebäude sind erst 1911 gebaut. Der Garten hier im Palast wäre eine Ehrenrunde wert. Aber unsere Gruppe wird von vier Wachleuten eskortiert. Keiner darf die Gruppe verlassen.

Nächster Stop ist der Ryoan-ji. Er beherbergt den wohl bekanntesten Steingarten der Welt. Es ist der Steingarten. Der Prototyp aller Steingärten. Ok, auf dem Weg dorthin habe ich mich kurz im Straßengewirr von Kyoto verheddert.

Der Tempel ist auf den ersten Blick wie jeder andere auch. Ehrwürdige alte Gebäude und ein japanischer Tempelgarten. Hinter Bäumen gut versteckt steht ein weiteres Haus. Man betritt es ohne Schuhe. Ist in Japan so üblich. Es geht durch das Haus zur Verande. Hinter dem Haus ist der Garten. Sand. Weißer, grober Sand. Es gibt drei Gruppen von Steinen. Hier sieht man auch etwas Gras und Moos. Der Rest ist Sand. In den Sand sind Muster eingeharkt. Wenn man jetzt weiß, daß der Sand das Meer symbolisiert, dann wird das Muster schnell zu Wellen. Der Garten ist kleiner als ich ihn erwartet habe. Alle Fotos, die man kennt, täuschen. Das tut dem Eindruck aber keinen Abbruch.

Im Gebäude fällt mein Blick auf 11 rote Eimer mit Wasser. Die japanische Version des Feuerlöschers. Ich kannte die Eimer aus Anime. Hätte nie gedacht, daß die immer noch im Einsatz sind.

Der Tag ist eigentlich rum. Mit Glück schaffe ich es noch mal zum Kinkaku, der ist gleich um die Ecke. Ich wollte vorhin schon eine Schale Tee am Pavillion trinken. Leider ist die Teehütte schon geschlossen. Verdammt. Die Japaner und ihre Öffnungszeiten. Damit muß ich auch den Daitoku-Tempel von der Liste streichen. Jetzt erst mal Pause.

Auf dem Weg zur U-Bahn verhedder ich mich schon wieder im Straßengewirr. Das ist echt nicht mein Tag. Bin jetzt an der  Imadegawadori. Wo auch immer die ist. Hier gibt es eine Post. Zeit für Postkarten in die Heimat. 70yen (53 cent). Unglaublich wie billig das ist. Zwei Straßen später bin ich am Park beim Kaiserpalast. Jetzt kann ich mir die U-Bahn auch sparen.

In der Yanagibabadori – das ist ein Name – sehe ich die “Whisky-Bar Seven & Seven”. Jetzt habe ich Urlaub. Der Laden ist klein – wie so oft in Japan. Platz für vielleicht 10 Gäste. Die Hälfte der Plätze ist am Tresen, wo ich Platz nehme. Hinter dem Tresen der Barkeeper, ein älterer Japaner. Wie aus dem Handbuch: nach hinten gegelte Haare, schwarze Hose, weißes Hemd mit Fliege, dazu ein Weste. Ich bestelle einen Suntory Royal. Einer der etwa 40 Whisky, die hinter dem Barkeeper im Regal stehen. Das ist mal ne Whiskybar. Warum finde ich die Bar erst heute? Es kommt wegen der Sprachbarriere nur ein kurzes Gespräch zustande.

Um 19 Uhr starte ich zum Ryokan. Duschen, dann was essen und eventuell noch einmal hierher? Die Bar ist echt der Knüller. Die dunklen Hölzer, einfach die gesamte Atomsphäre. Das ist Urlaub. Das habe ich gesucht. Auf der Ginza kaufe ich noch schnell eine Dose mit Gyokoro-Tee. Wenn ich schon im Tempel keinen bekommen habe, dann hier. Im Ryokan folgt dann das japanische Bad: erst duschen, dann im heißen Wasser entspannen. An diese Tradition kann man sich echt gewöhnen. Noch während des Bades überlege ich, wie ich das in Deutschland realisieren kann.

Zum Dinner gibt es Okonomiyaki. Die Zutaten sind anders als in Hiroshima. Die Nudeln fehlen und der Geschmack ist etwas anders. Dann zurück zum Seven & Seven. Die Bar ist gut besucht. 6 Gäste, also die halbe Bar. Als ich eintrete, werde ich verwunder angeschaut. Alle denken wohl, daß ich mich verirrt habe. Ich werde vom Barkeeper als Doitsujin vorgestellt und schon beginnt die Konversation.

Ich bestelle einen Singapore Sling. Der Barkeeper versteht sein Handwerk. Es macht Spaß ihm zuzuschauen. Er bietet keine Show. Dennoch ist jeder Handgriff kunstvoll und präzise, so ohne Schnörkel. Ich sage mal frech: Die Teezeremonie für Cocktails. Gut, der Vergleich hinkt gewaltig. Zum Abschluß noch eine Jamesson-Whiskey als Hommage an meine Irland-Zeit.

Um 23:02 stehe vor dem Ryokan. Die Tür ist zu. Scheiße. Müssen die Japaner das immer so genau nehmen. Die sind ja schlimmer als wir Deutschen. Was tun. Ich muß klingeln. Der Betreiber öffnet die Tür. Ich entschuldige mich mehrfach für diesen Fehler.

Randnotiz:

  • Fazit: Ein gelungener Tag; den Palast besichtigt; Highlight war des Seven & Seven.
  • Beide Hände mit den Handflächen zueinander auf Höhe des Kopfes ist “Bitte”.
  • Nur eine Hand ist eine “Bitte um Entschuldigung” / “Sorry”
  • Es gibt die roten Eimer mit Löschwasser wirklich.
  • Die Feuerwehr hält an, auch wenn sie Vorfahrt hat.
  • Ich will ein Kamidana und ein japanisches Badezimmer.
  • Der Barkeeper erinnerte mich etwas an den Butler aus “Hart aber Herzlich”.
  • Das mit der Sperrstunde (Curfew) muß ich beim nächsten Urlaub umgehen.