Category Archives: 東京 .. Tokyo

Keine Region im eigentlichen Sinne. Tokyo gehört zu Kanto. Ich bezeichne also Tokyo aber gerne das Areal, das man schnell mit dem Zug von Ueno/Tokyo erreichen kann. Über “Was ist Tokyo?” läßt sich streiten. Genau genommen ist es nur das Gebiet am Kaiserpalast. Die Präfektur ist ein weiter gefaßtes Tokyo. Das Ballungsgebiet Tokyo ist wiederum großer als die Präfektur. Bei mir fallen auch Yokohama und Chiba in die “Region Tokyo”. Kamakura und Hakone sind hingegen Kanto.

Der letzte Tag (Mikoshi und Muskelkater)

Heute ist der letzte Tag in Japan und auch die letzte Premiere der Neuerungen: Zum ersten Mal werde ich am Abflugtag etwas unternehmen (außer in den Zug zu steigen). Der Tag beginnt mit Einkaufen, Sake und Shochu; dann zum Oriental Bazar (den Tip habe ich gestern am Hikawajina bekommen) zwei Yukata. Und während meine Koffer nach dem Check-out im Nebenraum der Rezeption lagern, begebe ich mich erneut in Richtig Asakusa. Heute ist der Haupttag der dreitägigen Festivitäten, bei denen der Mikoshi (ein tragbarer Schrein) durch die Gemeinde getragen wird.

dritter Tag des Straßenfests

Da ich mittlerweile bekannt bin, dauert es auch nicht lange und ich selbst trage ein Happi und versuche das Monstrum anzuheben. Es wäre fast beim Versuch geblieben, denn man hat mir das Gewicht verschwiegen. Auch wenn 25 Leute gemeinsam heben, 800kg sind einfach schwer. Meine Körpergröße wird zum Verhängnis: entweder ich gehe aufrecht – in diesem Fall hebe ich die Japaner hinter mir mit hoch und habe das Gewicht von sechs bis sieben Leuten zu tragen – oder ich gehe in die Knie, was diese nicht lange mitmachen.

Nach 100m geht mir die Puste aus. Die Schaukelbewegung während des gehen macht die Sache auch nicht leichter. Ich lasse mich ablösen. Pause. Dann Ehrgeiz, die nächsten 50 Meter. Pause. Das Mikoshi wird abgesetzt und es gibt Verpflegung. So anstrengend hatte ich mir das nicht vorgestellt. Und weiter: Mikoshi tragen und Fotos machen. Ehe ich mich versehe, ist es 17 Uhr.  Zum Abschied bekomme ich das Happi gut verpackt als Geschenk. Damit hatte ich nicht gerechnet, bin sprachlos. Damit bin ich wohl der einzige Tourist mit so einem Happi. Der Tag gehört damit definitiv in die Top-5 dieses Urlaubs.

dritter Tag des Straßenfests

Dann geht alles ziemlich schnell: Letzte U-Bahn-Fahrt auf der Ginza-Line, Koffer abholen, Taxi nach Keisei-Ueno-Eki. Im zug fäkkt mir dann ein, daß mein neues SuburiShinai noch im Hotel steht. Verdammt, noch ein Novum: Ich vergesse die Hälfte.

Am Flughafen die nächste Überraschung: Übergewicht, und das mir. Trotz 30kg Freigewicht habe ich 5 Kilo zu viel und jedes Kilo kostet 8000yen (80€). Jetzt heißt es handeln: zwei Gläser Sake raus; Duschgel und Shampoo … reicht nicht … das Fotostativ … 29,8kg … paßt; weg ist der Koffer. Zum Glück wiegen die mein Handgepäck nicht; das hat mehr als 5kg Übergewicht.

dritter Tag des Straßenfests

Während ich den Sake “entsorge”, schicke ich das Stativ zurück ins Hotel. Irgendwie kriege ich es – und das Shinai – schon nach Deutschland. Ab jetzt ist alles wieder ganz entspannt und – was den Blog betrifft – langweilig. Auf die 8 Stunden Flug folgen 5 Stunden Wartezeit
in Dubai, die ich bei Starbucks verbringe und den Blog und mein Takebuch aktualisiere. Der Starbucks ist ganz am Ende des Terminal. Hier ist so gut wie nichts los. Es folgen weitere 6 Stunden Flug und am Montag um 15 Uhr ist der Urlaubgeschichte. Ein kleiner Umweg über den Zoll, dann warten auf den Traveliner.

Um 17:30 stehe ich vor meiner Haustür: Es regnet. Es sind nur 15 Grad. Morgen ist wieder Arbeit angesagt. Bis zum nächsten Urlaub sind es 23 Monate … Das überlebe ich nicht.


Nachtrag: Das Mikoshitragen hatte übrigens Nebenwirkungen. Beide Schultern blau, Muskelkater und den Beinen und eine Zerrung in der Oberkörpermuskulatur. Aber, das war es Wert.


Kanji-Lexikon: Shochu 焼酎, Yukata 浴衣, Hikawajina 氷川神社, Asakusa 浅草, Mikoshi 神輿, Shinai 竹刀, Happi 法被 oder 半被, Ginza-Sen 銀座線, Keisei-Ueno-Eki 京成上野駅, Suburi 素振り, Sake 酒 (In Japan ist Sake eine Sammelbegriff. Reiswein wird als Nihonshu 日本酒, bezeichnet)

Schreinfest am Hiekawajinja (Circlepit mit TaiChi)

Heute ist der vorletzte Tag. Morgenabend startet der Flieger zurück in die Arbeitswelt.  Nach dem Frühstück geht es los Richtung Shinjuku. Statt der Yamanote nehme ich die Marunouchi Line ab Ochanomizu. Das spart 20 Minuten Fahrzeit, wenn man nicht seine Suica vergißt und vom Bahnnhof noch einmal zurück zum Hotel stiefelt. In Shinjuku das gewohnte Chaos aus den Bahnhöfen von drei Bahnlinien, zugehörigen Shoppingcentern, Bürogebäuden und den unterirdischen Verbindungen. Gar nicht so einfach hier den Überblick zu wahren.

Straßenfest

Ich mache eine falsche Drehung, stehe mitten im Tobu-Depato und brauche 15 Minuten, bis ich einen bekannten Ort finde, der mir die Orientierung zurückgibt. Jetzt schnell Souveniers kaufen und zu Pentax. Das “schnell” streichen wir gleich wieder, denn ich finde nicht, was ich suche. Pentax hingegen war ein gute Idee. Diagnose: Autofokussystem und CCD-Chip sind komplett dejustiert, was die Probleme während des Urlaubs erklärt. Die Reparatur würde über 2 Stunden dauern, die ich nicht habe, denn ich will weiter zum Straßenfest (Fortsetzung von gestern).

Da ich die Karte mit der Marschroute fotografiert hatte, finde ich die “Prozession” schnell, die vor 1 Stunde gestartet ist. Ich werde wiedererkannt und herzlichst begrüßt (hatte wohl keiner damit gerechnet, daß ich vorbeischaue). Der Zug ist relativ klein. Heute sind die Kinder dabei einen Wagen mit Trommel zu ziehen, ein kleiner tragbarer Schrein folgt. Unterstützt werden die kleinen natürlich von den Erwachsenen, die auch die Straße sperren (mitten in Tokyo). Ich bleibe wieder länger als geplant. Es ist einfach so anders als die anderen Feste. Es ist klein und hat eine Menge Lokalkolorit. Es schwebt nicht dieses “für Touristen optimiert” in der Luft. Es wirkt authentisch und fasziniert.

Schreinfest Hikawajinja

Um 17 Uhr wechsel ich dann zum Hikawajinja ein. Die Prozession hier ist gerade zu Ende. Ich schaffe es noch, die Festwagen zu fotografieren, dann geht es zum Schrein. Hier erinnert alles an die Vorstellung, die man sich von japanischen Schreinfesten macht (in meinem Fall von diversen Anime geprägt): Lichterketten, traditionelle Musik, Lagerfeuer vor den Stufen zum Schrein, das Zirpen der Grillen, Leute in Kimono und Yukata, kleine Verkaufsstände mit Okonomiyaki und Yakitori. Sogar einer von diesen Ständen ist da, an denen man mit einen kleinen Papierkescher Zierfische angeln kann. Da es mittlerweile dunkel ist, ist die Atmosphäre unglaublich. Nach diesem Gesamteindruck sucht jeder, der nach Japan reist. Umso erstaunlicher, daß der Schrein nicht von Touristen überrannt ist. (Das Fest steht halt nicht im Reiseführer.)

Auch hier ist Bon-Tanz angesagt; aber im großen Stil. Gestern tanzten 15 Leute. Hier sind es über 100, die um die Bühne mit der Trommel schreiten. Ich habe die Tanzschritte und -bewegungen nicht ganz raus. Zusammengefaßt ist es eine Mischung aus Circlepit und TaiChi. Um das Tanzareal die Verkaufsbuden. Der Schrein selbst mit Laternen schön ausgeleuchtet. Alles in allem ein Bilderbuch-Schreinfest. Ich genieße es. Die Zeit vergeht wie im Fluge und um 21 Uhr ist abrupt Schluß. Auch das ist Japan.

Mori Tower – Roppongi Hill

Da der restliche Abend genutzt werden will, starte ich Richtung Roppongi, das nur etwa 15 Fußminuten entfernt ist. Wenn ich schon mein Stativ dabei habe, dann ist der Mori Tower Pflicht und so beende ich diesen Tag im 54 Stock mit Weitblick auf Tokyo.


Nachtrag: Zwischen Straßenfest und Hikawa war ich noch kurz bei der Baustelle des neuen Funkturms (dem Tokyo Sky Tree). Nach Aushang haben sie 461m erreicht. Die endgültige Höhe soll 634m werden. 6 (mu), 3 (sa), 4 (shi) = “Musashi”, einen alten Namen für die Gegend, in der der Tokyo Sky Tree steht. Das Ding ist der Kracher. Wie ich die Japaner kenne mit Aussichtsplatform. In zwei Jahren weiß ich mehr…


Kanji-Lexikon: Shinjuku 新宿, Yamanote 山の手, Marunouchi Sen 丸ノ内線, Ochanomizu Eki 御茶ノ水駅, Suica スイカ, Hikawajinja 氷川神社, Kimono 着物, Yukata 浴衣, Okonomiyaki お好み焼き, Yakitori 焼き鳥, Roppongi 六本木, Roppongi Hill Mori Tower 六本木ヒルズ森タワー, Tokyo 東京, Tokyo Sky Tree 東京スカイツリー, Tokyo 東京

Tokyos Gärten (und kein Sumo)

Heute steht einer der letzten traditionellen Gärten Tokyos auf dem Plan, der in meiner Liste noch fehlt. Er befindet sich gleich neben der Bahnstation Hamatsuscho. (Hier bin ich mit der Monorail zum Haneda-Airport gestartet.) Obwohl so günstig gelegen, habe ich ihn noch nie besucht. Auf dem Bahnsteig des Bahnhofs steht ein “Männeken Pis“, in monatlich wechselnder Kleidung. Aber wen wunderts, in Kawaguchiko stehen die Bremer Stadtmusikanten; Japan halt.

Zojoji

Vorher aber zum Zojoji. Der fehlt mir auch noch, oder? Als ich vor ihm stehe, beschleicht mich ein Dejavu. Eventuell war ich bei meiner ersten Reise hier. Der Zojoji ist einer der großen buddhistischen Tempel in Tokyo, kann aber mit der Popularität des Sensouji (Asakusa) nicht mithalten. Gleich hinter dem Tempel steht der Tokyo Tower, den ich schnell noch besuche. Dann aber zum Garten.

Der Shiba-Rikyu-Garten ist wieder einer von denen, in denen man vergißt, daß man sich in Tokyo befindet. Der Teich und die Landschaft um ihn herum bieten alle paar Meter eine neue interessante Perspektive, die man fotografieren möchte. Und er bietet den typischen Toyko-Kontrast zwischen japanischem Garten und Hochhäusern im Hintergrund, zwischen dem Gluckern des Wasserlaufs und dem Grummeln des Shinkansen, der nur ein paar Meter entfernt vorbeizieht. Der Garten ist so toll, daß ich hier knapp 2 Stunden verbringe und den Tag genieße (kühle 30 Grad, Sonnenschein pur).

Shiba-Rikyu-Teien

Um 19 Uhr (ich weiß hier klafft eine Lücke) starte ich zum Sumo. Dummerweise verwechsele ich die Brücken über den Sumida und verzetteln mich in den engen Gassen von Sumidaku. Kurz gesagt: Arghh. Mir fällt eine kleine, mit Laternen geschmückte Kreuzung auf. In der Mitte steht eine  1x1m große Bühne mit einer Trommel. Hier passiert gleich was. Nur was?

Es ist der Auftakt zu einem 3-tätigem (naja, der erste Tag ja schon rum) lokalen Schrein- und Straßenfest. Heute abend ist Bon-Tanz angesagt. Ich bleibe, denn im Vergleich zu den anderen Festen ist das hier echtes Japan. Es gibt keine große Bühne, kein Fernsehen, keine Touristen (außer mir). Athentisch. Ich lasse das Sumo sausen, weil ich das Gefühl habe ich sollte genau jetzt genau hier sein. Einer der Momente, die ich in jedem Urlaub suche.

Bon-odori

Ich komme mit zwei älteren Herren uns Gespräch. Die Einladung zu einem Bier schlage ich da nicht aus und erfahre, was die nächsten zwei Tage passiert. Nichts Großes, aber genau das reizt mich und ich überlege, wie ich meine Pläne modifizieren kann. Der Tag endet völlig unerwartet in gemütlicher Runde mit Leuten, die ich nicht einmal mit Namen kenne.

Auch das war ein Plan für diesen Urlaub, Dinge einfach geschehen lassen und schauen wohin sie führen. Am Ende hat man eine unwiederholbare Urlaubserinnerung mehr.

Fazit: Zojoji und Tokyo Tower sind Touristen-Pflichtprogramm. Aber nicht der Burner. Ich empfehle für Tempel den großen Tempel in Asakusa. Und man sollte unbedingt die Gärten in Tokyo besuchen. Wenn schon nicht alle, dann die Gärten die verkehrsgünstig liegen: Shiba-Rikyu-Garten, Hamarikyu-Teien und den Garten am Tokyo Dome.


externer Link: Fotos von den Gärten in Tokyo


Kanji-Lexikon: Tokyo 東京, Hamatsuscho 浜松町駅, Monorail モノレール, Haneda-Airport 東京国際空港, Kawaguchiko 河口湖, San’en san zojoji 三縁山増上寺, Sensouji 浅草寺, Asakusa 浅草, Tokyo Tower 東京タワー, Shinkansen 新幹線, Sumo 相撲 bzw. 大相撲, Sumidaku 墨田区, Sumida 隅田川, Shiba-Rikyu-Garten 旧芝離宮恩賜庭園

Zurück in Tokyo (Nihonbashi, 8 Schreine)

Für heute habe ich keinen wirklichen Plan. Und so checke ich gegen 11 Uhr erst einmal ein und mache mich dann auf den Weg nach Nihonbashi. Ich will die acht Schreine aus dem Reiseführer finden. Ich habe das dumpfe Gefühl, daß ich das schon mal gemacht habe.

Das Problem an der ganzen Sache: Die Dinger sind kaum größer als 3 Parkplätze und schwer zu finden. Das schöne an der Suche: Nihonbashi ein Stadteil für sich. Ein Stück “anderes” Tokyo. Hier liegen fast nur Bürogebäude. Die Straßen sind klein und verwinkelt. Gegen Mittag (und das haben wir gerade) laufen nur Hemdträger durch die Gegend auf der Suche nach einer Mittagsmahlzeit. An allen kleinenn Restos (haben im Schnitt ja nur 20 Sitzplätze) ist Schlagestehen angesagt.

Was für New York die HotDog-Stände sind, sind in Nihonbashi Minitransporter mit Tresen und kleine rollende Obento-Stände. Alleine dafür lohnt es sich gegen Mittag hier herumzutreiben. Man kriegt alles: Obento, Ramen, Soba, Tempura, Kare (Curry). Die Preise liegen zwischen 380 und 800yen.

Gerade rechtzeitig zu diesem Gewusel treffe ich ein. Sieht schon cool aus. Aber ich bin ja weger der 8 Schreine hier und so versuche ich ich nicht zu sehr durch das bunte ablenken zu lassen. Die Karte die habe ist auch nur eine  grobe Näherung an die Realität. Aber nach und nach kann ich jeden Schrein ausfindig machen. Die einfachesten liegen an Straßenecken. Zwei Harte Nüsse sind hingegen der Schrein der in zweiter Reihe hinter Hochhäusern steht (wäre da nicht ein Baulücke gewesen …) und der Schrein der sich in einem Gebäude befindet. Ganz richtig. Die haben um das ding herum ein Haus gebaut. Das schaffen auch nur Japaner.

Nach dem achten Schrein und einer Pause mit leckerem Katsudon folgt ein kurzer Abstecher zu Tokyo Eki; ist Wahnsinn in der beginnenden Rush Hour, muß aber sein. Ich wollte eigentlich nur ein paar Infos wegen Kamakura. Aber bis ich ein paar halbgare Infos habe sind fast zwei Stunden vergangen. Dafür habe ich dieses mal einen anderen Ausgang im Norden genommen. Hier stehe ich auf einer großen 8-spurigen Straße. Expreßway und die Yamanote (auch erhöht gebaut) sind zu sehen. Das ist eine Großstadt ganz eindeutig. Bleibt nur die Frage, wo ich heute Mittag war? Große Häuser waren da, aber diese vielen kleinen Einfamilenhäuser und Schreine dazwischen, waren dann doch anders. Nihonbashi halt.

Dann zurück ins Hotel und noch ein bischen Akihabara. Der Tag war nicht ereignisreich, aber entspannend.


Fazit: Die suche nach den Schreinen sollte in Tokyo nicht ganz oben auf der Liste stehen, aber sicherlich ein Punkt, den man in Betracht ziehen sollte, will man Tokyo verstehen. Macht das ganze um die Mittagszeit in der Woche. Der Stadtteil lebt von demTrubel der Büroangestellten und der vielen mobilen Garküchen.

今日は東京から札幌まで行きます。(oder kurz: Standortwechsel)

Heute habe ich einen guten Lauf. Ich bin noch vor dem Wecker um 6;30 wach geworden. Koffer packen, Frühstück, Check-out, 7:45 das Taxi nach (nein, nicht Paris) Hamamatsucho. Die Yamanote wäre einfacher gewesen, aber Rush Hour und ein 30kg-Koffer passen nicht zusammen.

Checkin am Flughafen Haneda: Ich mußte den Koffer auseinanderbauen und die beiden Flaschen ins Handgepäck umlagern. Damit konnte keiner rechnen: Flüssigkeiten ins Handgepäck. Der Aufpreis fürs Übergewicht ist rekordverdächtig: 18kg ÜBER dem Freigewicht kosten 1000円 (< 10€). Ich hoffe Ryanair liest diesen Blog…


Hokkaido

Landung in Hokkaido. Hm. Fühlt sich genauso an wie Honshu. Ich werde von einem Polizisten kontrolliert, Reisepaß und Visum. Japantypisch mit tausend Entschuldigungen und Bitten um Verständnis. Den möchte man nur noch in den Arm nehmen und sagen “Ist ok. Das ist dein Job.”

An dieser Stelle möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin Dennis, Häuptling vom Stamm der “Abwarten”. Ich frage bei JR nach, ob es noch Platz im Hokutosei gibt, obwohl ich seit Tagen weiß, daß der Zug ausgebeucht ist. Wow. Ein Einzelzimmer ist verfügbar !!! Die Rückreise ist gesichert !!! Nachtzug “Hokutosei” !!! Kostet trotz JRP mehr als ein Hotel, aber egal. Es ist der Hokutosei und ich habe einen Tag mehr fürs Sightseeing.

Gleich danach reißt die Glückssträhne ab: Der nächste Bus nach Shikotsu fährt erst in 2 Stunden und es gibt von dort keine Verbindung nach Sapporo. Also direkt dorthin. Unterwegs fällt mir die etwas andere Dachform auf. Ich vermute es liegt an den Schneemengen im Winter und der daraus resultierenden Dachlast. Auch in München sind die Dächer anders geneigt als Hamburg.

Ich finde den Glücksfaden wieder. Das Hotel ist der Hammer. Zum ersten Mal, daß das Internet untertreibt. Stil pur. Die Lounge schreit nach Jazz und Funk (läuft übrigens gerade über Lautsprecher Lobby). Meine Begeisterung liegt sicherlich nicht daran, daß hier gerade ein Foto-Shooting abgehalten wird. Werde morgen ein paar Fotos machen, um den Neidfaktor zu steigern. *grins* Ab 15 Uhr nehme ich die ersten Stationen in Sapporo in Anlauf.


Sapporo

Sapporo ist schnell erkundet: Clock Tower, Saporro Tower, der Fischmarkt und das Sapporo Bier Museum. All das schaffe ich bis 18 Uhr. Der Clock Tower ist das Wahrzeichen der Stadt. Von der Größe wenig spektakulär. Das Gebäude ist ist aber das älteste in ganz Sapporo und die Uhr läuft seit 130 Jahren zuverlässig. Der Sapporo Tower ist wieder so ein “Funk-Eifelturm”. Er ist vom gleichen Architekten wie der Tokyo Tower. Irgendwie hat jede japanische Großstadt so einen Turm. In Sapporo markiert er zudem den Nullpunkt im Straßennetz. Wie in den USA wird hier in Nord, Süd, Ost und West gezählt.

Das Sapporo Biermuseum ist schon ein guter Fußmarsch, der mich am Fischmarkt (Hummer für über 100€ sind im Angebot) vorbeiführt. Das Museum ist in den alten Gebäuden der Brauerei untergebracht. Ich lerne einige erstaunliche Dinge: Es gibt die Sorte “Sapporo Classic”, die nur auf Hokkaido verkauft wird. Das Rezept stammt, wie die ersten Braumeister, aus Deutschland. Und es gibt die Sorte “Sapporo Edelpils”.

Der Tag endet mit einem Abendessen im Hotelresto “Agoda”. Ich sage euch lieber nicht was ich bezahlt habe. Ich formuliere es so: ich habe ausgiebig gekaut, um die “Kieferbewegung pro Euro” in einem erträglichen Rahmen zu bringen. Das Abiente ist noch edler als der Rest des Hotels. 3 Kellner (mit Headset) sorgen für einen leisen und reibungslosen Ablauf. Der Koch kommt immer aus der Küche wenn das Essen serviert wird, wie ein Künstler, der sein Meisterwerk präsentiert und die Meinung der Kritiker hören will. Und die Gerichte sind Meisterwerke.


Fazit: Für Sapporo reicht ein Tag. Der Clock Tower ist klein aber sehenswert. Das Biermuseum ist ein kann, kein muss. Ganauso wie der Fischmarkt und der Funkturm. Ich habe den bot.Garten und den Schrein noch nicht besucht, aber auch erst um 15 Uhr mit der Rundreise gestartet. Wenn nicht gerade das Schneefest ist, dann ist Sapporo ein Stop zum Weiterreisen.


Kanji-Lexikon:
Hamamatsucho 浜松町駅, Yamanote 山の手, Flughafen Haneda 東京国際空港, Hokkaido 北海道, Honshu 本州, Hokutosei 北斗星, Sapporo 札幌