2012_2

Kanazawa

Über Nacht hat es geschneit. Nicht viel, aber so hatte ich mir das gedacht: Winterstimmung. Der erster Stop heute ist die Burg von Kanazawa. Die Anlage ist noch nicht komplett, soweit ich gelesen habe, wird zur Zeit rekonstruiert. Das was fertig ist, kann sich sehen lassen. Man schreitet durch das Tor und steht auf dem Innenplatz und hat den Blick auf eine Burgmauer mit Wachtürmen. Die Wände sind weiß, die Dachziegel und Holzbalken schwarz. Maximaler Kontrat. Gerade jetzt mit dem Schnee überall.

Kanazawa Castle

Gleich hinter der Burg ist der Kenrokuen, einer der drei schönsten Gärten Japans. Im Sommer muß der ein Kracher sein. Jetzt im Winter ist er schon die Wucht. Es gibt Rasenflächen, einen zentralen Garten. Wie immer sind mehrere Landschaften dargestellt. Auch eine Bergregion mit Bergwald und Flußlauf. Witzig: Die Äste der Bäume sind mit Seilen hochgebunden und sehen von weitem wie große Kegel aus. Warum sie machen weiß ich nicht. Wegen dem richtigen Wachstum oder wegen der drohenden Schneelast?

Ein Stop im Teehaus muß sein. Von der Terasse aus hat man Blick auf einen eingezäunten Teil des Gartens. Dann gibt es traditionell grünen Tee und Reiskuchen. Hier könnte ich stundenlang sitzen. Jede Position bietet eine neue Perspektive; wenn es nicht so kalt wäre. Es schneit wieder. So sollte Urlaub sein. Entspannend.

Auf dem Weg nach Nishi-Chaya mache ich einen Stop im Noh-Theater-Museum. Hier sind Masken und Kimono ausgestellt. Man darf sogar anprobieren. Das finde ich so schön in Japan. Museen haben oft etwas zum Mitmachen. Ich habe die Kleidung anprobiert. Mein Kendo und Iaido ist jetzt hilfreich. Hakama und Kimono sind keine Unbekannten. Ich weiß nicht, wie die ein ganzes Theaterstück mit diesen Masken durchziehen. Das ist wie unter PA. Mein Respekt vor den Schauspielern wächst.

Garten

Nishi-Chaya ist nur eine kurze Straße. Die alten Häuser sehen nicht schlecht aus, ich hatte aber mehr erwartet, zumal es keine Resto oder Geschäfte gibt. Die Suche nach dem Ninjadera ist schon kniffeliger. Hier stehen so viele Tempel. Welcher ist es denn jetzt? Ich mache mal auf Verdacht Fotos, bevor ich zum nächsten Ziel, Nagamachi, gehe. Hier stehen ein paar alte Häser und die Straße strahlt Gemütlichkeit aus. Die hohen Mauern um die Grundstücke sind mit Bambusmatten verkleidet. Man fühlt sich wie im alten Japan.

Den Oyama-Schrein hatte ich total vergessen. Jetzt stehe ich durch Zufall davor. Das Tor sieht komisch aus. Es wurde 1599 von einem niederländisches Architekten entworfen; eine Mischung aus japanischen, chinesischen und europäischen Elementen. OK, muß man mögen. Zumindest einzigartig.

Es folgt ein kurzer Abstecher über den Fischmarkt. Krabben für 120€, 1m lange Oktopus-Tentakel in knallrot und so vieles “meer”. Erstaunlich, was die Japaner alles essen (und wie lecker das teilweise ist). Der Geruch auf dem Fischmarkt ist fast neutral; So muß Fisch riechen. Ich bin da der gleichen Meinung wie Automatix. Trotz aller Angebote entscheide ich mich für Karree in einem kleinem Resto nebenan. Und weiter …

Nishi-Chaya und Higashi-Chaya

Der Bezirk Higashi-Chaya war definitiv den Fußmarsch dorthin wert. Hier stehen wie in Nishi alte Teehäuser, also Lokale in denen Geishas gebucht werden konnten (vgl. Gion on Kyoto). Higashi ist kaum mehr als ein Straßenzug und ein paar kurze Nebenstraßen, aber größer als Nishi. Hier wird ein Stück altes Japan lebendig. Ich besichtige eines der Teehäuser. Fotos darf ich nicht machen. Ich gehe durch die verschiedenen Räume. Ein Gästezimmer besteht immer aus zwei Räumen; einen für den Gast, einen für die Geisha und ihr Utensilien.

Auf dem Weg zum Bahnhof finde ich eine kleine Einkaufsstraße. Hier steht noch ein Tempel mit einem sehenswerten Mon. Ich finde ein Geschäft, indem ich einen Vorhang für mein Kamidana kaufe. Ein Tanzen in meiner Größe finde ich nicht; ebensowenig wie am Bahnhof. Haramaki gibt es, aber nicht in dem Osaka-Stil, den ich Suche.

Plötzliches wieder Schneefall; Arare. Genau wie gestern. Alles ist in Sekunden weiß. Das wäre ideal für Fotos, aber so schnell bin ich nicht in Higashi-Chaya oder Nagamachi. Die Pracht hält nicht lange. Sofort springen die Sprinkleranlagen auf der Straße an und spülen alles weg. Außerdem dämmert es schon. Auf dem Fußweg bleibt der Arare etwa 3cm hoch liegen. Ich einfach hier und genieße kurz den Anblick.

Kanazawa

Zurück auf dem Fischmarkt finde ich ein kleines Izakaya im Keller. Hier gibt es Kariage, kleine Holzspieße mit panierten Sachen: Fisch, Fleisch, Gemüse. So findet der Tag ein gemütliches Ende. Im Ryokan schnell noch ein Abstecher ins Bad. Das muß sein. Danach bin ich so entspannt bzw. müde, daß ich fast sofort ins Futon falle und einschlafe.

[english blog entry]

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