2012_2

Kobe

Um 9:50 Uhr: habe ich japanischen Boden unter den Füßen. Die Einreiseformalitäten sind schon Routine. In der Ankunftshalle von KIX muß ich mich orientieren. Ich bin neu hier. Da ich keinen Shop mit Atarime finde, begnüge ich mich mit einem Teriyaki Burger von McD; dazu das Begrüßungs-Asahi (Foto mit Rucksack). Ich bin angekommen!

Erster Stop ist der Geldomat, dann kaufe ich den Kansai Thru Pass für die ersten Tage. Hm … Wakayama oder Kobe? Wakayama hat nur die Burg. Irgendwie reizt Kobe mehr. Damit reicht der 2-Tage-Pass. Für Kobe brauche ich den nicht.

Kobe Gallery 1

Um 11:50 Uhr geht es mit dem Bus zum Anleger der „High Speed Ferry“, die KIX und Kobe Airport verbindet. Mit 30 Knoten fliegt der Katamaran übers Wasser. Ein Freideck gibt es leider nicht. In Kobe geht es mit dem Shuttlebus zur Monorail, die über die aufgeschütteten Inseln nach Sannomiya Eki fährt. Alles in allem hat die Fahrt 90 Minuten gedauert. Ich erwische den letzten Coin Locker, der meiner Tatonka-Tasche genug Platz bietet.

Erster Stop 2012 ist der Ikuta-Schrein. Der Weg daorthin führt durch eine typisch japanische „Amusement Street“; wohin man schaut: Bars, Cafes, Restos, Shopping. Ich laufe zum ersten Mal durch Kobe und dennoch wirkt alles vertraut. Ich fühle mich nicht als Tourist. Ein komisches Gefühl, fast so, als würde ich das nur träumen.

Der Schrein ist ein perfekter Auftak bei perfektem Wetter. Wir haben 10 Grad und Mitte Dezember fühlt sich an wie Mitte September in Norddeutschland. Die Schreingebäude leuchten in der Sonne zinnoberrot vor blauem Himmel. Es geht weiter nach Norden in den Bezirk Kitano (Kita-No = nördliche Wiese). Hier stehen alte europäische Häuser aus der Zeit der Meiji Restauration. Die Straßen sind schmal und steil. Sie strahlen Gemütlichkeit aus. Kobe war die richtige Entscheidung für den Urlaubsauftakt. An einer kleinen Plaza mit einem englischen Haus hat man das Gefühl, in Europa zu sein. Hier oben in Kitano steht ein Schrein, von dem man aus einen schönen Blick über den Hafenbezirk mit seinen Hochhäusern hat. Im Schrein steht die Statue einer Kuh. Ob das mit dem Kobe-Rind zu tun hat, kann ich nicht sagen.

Beobachtungen: Irgendwie scheint Kobe „Wedding Village“ zu sein. Ich habe noch nie so viele Geschäfte und Restaurants auf einem Haufen gesehen, die sich auf Hochzeiten spezialisiert haben.

Kobe Gallery 2

Auf dem Weg zum Hafen stoppe ich für Ramen. Von der Kaimauer im Hafen hat man einen Blick auf die Innenstadt mit den Hochhäusern und der Autobahn in zwei Ebenen davor. Wie so oft in Japan verläuft die Autobahn auf Stelzen etwa auf Höhe des 7. Stocks. Ein Stück vom alten Pier, der beim Hanshin-Erdbeben 1995 zerstört wurde, haben sie stehen gelassen. Die schrägen, verrosteten Laternen und der zerbrochene Beton erinnern mich an Toya.

Im Hafen steht der TENxTEN; ein Funkturm. Dieses Mal nicht im Eiffelturm-Design. Auf dem Nachbarpier steht ein altes Lagerhaus, das nun Restaurants beherbergt. Es nennt sich Mosaic; daneben ein Riesenrad. Über Kobe Eki – hier hinten ist der Hauptbahnhof versteckt – führt der Weg zum Minatogawa Jinja. Den Weg zu finden, ist gar nicht so einfach. Eine Autobahn ist im Weg, und eine Hauptstraße. Der Eingang zum Bahnhofsgebäude ist etwas versteckt.

Den Schreingebäude erreiche ich zu Beginn der Dämmerung. Zwei großen Steinlaternen leuchten am Eingang neben dem Torii. Die Haupthalle ist gut ausgeleuchtet. Ich erblicke rechts einen kleinen Inari-Schrein mit vielen Torii. Kurze Zeit später ist es dunkel. Die Dämmerung ist schnell in Japan. Ich bin jedes Mal aufs Neue überrascht.

Die Bäume in der Straße zum Mosaic Garden sind beleuchtet. Bald ist Weihnachten. Obwohl, hier in Japan ist das sicherlich eine Ganzjahresbeleuchtung. Etwas abseits steht eine Zugbrücke im niederländischen Stil. Zurück am Pier habe ich guten Blick auf TENxTEN, komplett orange beleuchtet, und die Dachkonstruktion des Marine Museum, weiß ausgeleuchtet.

Hier stehen ein paar Buden: Weihnachtsmarkt. Es gibt Glühwein, deutsches Hefeweizen und frittierten Thunfisch. Warum gibt es Letzteres nicht auf deutschen Weihnachtsmärkten? Der Budenbetreiber ist Franzose (kein Witz). Ich lerne: Der Veranstalter macht auch das Oktoberfest in Kobe, aber irgendwie floppt der Weihnachtsmarkt. Er meint, Mosaic ist der falsche Standort. Finde ich nicht, bin aber kein Japaner. Mir soll es recht sein. Sie haben so viele Vorräte, daß sie den Thunfisch gratis verteilen, damit sie ihn nicht wegwerfen müssen.

Auf dem Weg zurück nach Sannomiya noch ein kurzer Stop in China Town. Im Vergleich zu Yokohama sehr klein, aber besser als gar nichts.

Kobe Gallery 3

Die Koffer aus dem Schließfach geholt und ab mit JR nach Oosaka Eki. Wechsel in Loop Line, die “Yamanote von Osaka”. Am Tennoji Eki nehme ich den Ausgang Nord. Genau auf der anderen Straßenseite soll der Weg zum Ryokan sein. Die meinen doch nicht diese kleine, verruchte Gasse? Doch, meinen sie. Es ist eine von diesen dunklen, gerade mal 1,5m breiten Gassen mit zweitklassigen Izakaya. Das Ryokan liegt versteckt in zweiter Reihe in der dritten Querstraße. Nur das große Leuchtschild und der typisch Ryokaneingang mit dem Vorhang verraten seine Existenz.

Es ist ein einfaches Ryokan. Der Betreiber ist ungefähr in meinem Alter. Seine Tochter ist 2 Jahre und hält den Laden inklusive Gäste auf Trab. Der Frühstücksraum ist hoch; mit einer coolen Deckenkonstruktion. Im Obergeschoß gibt es eine Galerie mit hunderten Mangas. Nebenan ist mein Zimmer. Ein Tatamiraum. Die Toiletten sind auf dem Flur. Das Badezimmer ist im Erdgeschoß. Das brauche ich jetzt. Es ist kein Onsen, aber eine heiße riesige Badewanne hat den gleichen Effekt: Entspannung!

Mir sind bisher nur zwei “Macken” aufgefallen: (a) Meine Air Condition hat den Dunstabzug des benachbarten Lokals als Gegner. Man sollte sie erst aktivieren, wenn der Laden geschlossen hat. (b) Japantypisch sind die Flure nicht beheizt. Das muß man wissen, bevor man, nur mit Yukata bekleidet, ins Bad geht.

Nach der Entspannung im Bad frage ich den Ryokan-Betreiber nach einem Tip für ein Izakaya. Er empfiehlt eines der oben erwähnten Izakaya. Vorteil: Hier verirrt sich keine Tourist hin. Damit endet der erste Urlaubstag.

[english blog entry]

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