Feuerwehr in Japan — TFD

Das Tokyo Fire Department ist die größte Feuerwehr der Welt. Warum?

(1) In den 23 Bezirken, die Tokyo hat, leben nur (!) 10 Millionen Einwohner, die Metropolregion kommt Tokyo kommt auf 35 Millionen. Das ist jeder fünfte Japaner (*). Die Feuerwehr ist entsprechend gut ausgerüstet.

Zum Vergleich: In Deuschland müßten 20 Millionen Menschen in München leben, um auf die gleiche Größenordnnung zu kommen!

(2) Hinzu kommt, daß Japan ein Land ist, in dem alle Naturkatastrophen vorkommen: Vulkane, Erdbeben, Tsunamies, Taifune. In Japan gibt es über 35 aktive Vulkane. Keiner stellt eine akute Bedrohung dar, aber wann es knallt, weiß halt keiner. Erdbeben sind an der Tagesordnung. Die offizielle Internetseite der JMA meldet jeden Tag eta 10 seismische Ereignisse. Ich habe bisher bei jedem Urlaub ein Erdbeben gespürt. Wie verherend ein Tsunami sein kann, hat die Welt 2011 erfahren. Da brauche ich nicht viel erzählen. Und wer sich über Orkanböen im Winter sorgt, sollte einen Taifun mitmachen. Windstärke 12 ist Standard, das sind 120 km/h und mehr. So ein Taifun kommt auch gerne mal auf 200 km/h (wäre dann wohl Windstärke 20). Da bleibt nichts stehen. Die Regenfälle sind enorm. 2011 hat es die Hälfte der Tokyo U-Bahn geflutet. In den Nachrichten liest man dann schon mal 400 mm Regen (das sind 400 Liter pro Quadratmeter!) in einer Nacht.

Zum Vergleich: In Hamburg fallen eta 750mm im ganzen Jahr!

(3) Und man darf nicht vergessen, daß es in Japan kein THW gibt. Diese Aufgaben fallen in den Bereich der Feuerwehr. Wenn man das alles berücksichtigt, ist das Löschen von Feuer nur eine kleine von vielen Aufgaben.

Der Fuhrparkt des Tokyo Fire Department kann sich sehen lassen:

  • 488 Pumper (etwa wie ein LF oder HLF)
  • 27 Rescue Trucks (so ein Art LF mit erweitertem Hilfeleistungssatz)
  • 231 RTW (dabe sind auch Sanitätsbusse und mobile Krankenhäuser)
  • 48 Chemical Trucks (Spezialausrüstung für den ABC-Einsatz)
  • 86 Drehleitern und Teleskopmaste
  • 93 Command Units (irgendetwas zwischen ELW und MTW)
  • 9 Löschboote
  • 6 Helikopter
  • 20 Motorräder

Ein interessantes Konzept sind die Motorräder. Sie haben eine Art Rucksack-Löschgerät an Bord. Es ist ein Mini-HDL mit grob 10 Litern Wasser. Der Druck wird durch eine PA-Flasche mit 300bar bereitgestellt. Für PKW-Brände auf den Straßen mit Dauerstau echt ideal. Die Motorräder sind Enduros. Sie sind damit geländegängig und kommen auch voran, wenn nach einem Erdbeben die Straßen nicht mehr ganz die Besten sind.

Einsatzstatistik

Auch das sind andere Größenordnungen. Hier die Zahlen für 2011.

  • 5.762 Feuer (davon 3731 Gebäudebrände)
  • 22.139 Hilfeleistungen (15317 Baustellenunfälle, 4720 Verkehrsunfälle)
  • 6.360 ABC-Einsätze
  • 653.260 Rettungseinsätze (407.260 Krankheit, 67.799 Verkehrsunfälle)

weiter mit Löschwasser in Tokyo …

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Feuerwehr in Japan – Löschwasser in Tokyo

Ich habe mich immer über die fest angekuppelt Saugleitung an den Fahrzeugen gewundert. Jetzt weiß ich warum sie da ist: Die Löschwasserversorgung in Tokyo läuft nur zu einem Teil über ein Hydrantennetz. In der gesamten Metropole gibt es hunderte unterirdische Löschwasserzisternen; große Löschwassertanks mit bis zu 80.000 Litern Löschwasser.

Im Brandfall wird einfach der Schachtdeckel geöffnet. Die Saugelänge hineingeworfen und die Wasserversorgung ist hergestellt. (Wie das Bild beweist, wird das Prinzip nicht nur in Tokyo angewendet.)

Auch der Grund für die Zisternen ist schnell gefunden: Japan ist ein Land, in der immer wieder große Erdbeben auftreten. Ein Hydrantennetz ist davon abhängig, daß es unbeschädigt ist und das Wasserwerk den notwendigen aufgebaut hat, also funktioniert. Ein Zustand, der nach einem Erdbeben nicht garantiert werden kann. Sicherlich werden auch Zisternen beschädigt. Die meisten von ihnen sind aber wie ein Bunker gebaut und halten Beben der Stärke 8 stand.

Zisternen in Tokyo

Die Stadt schreibt vor, daß in einem Areal von 250x250m mindestens eine Zisterne mit 40.000 Litern Löschwasser vorhanden sein muß. Ersatzweise kann ein Fluß genommen werden. Der Fluß Kanda hat mehrere Sperrwerke, die nicht nur als Hochwasserschutz dienen, sondern auch verwendet werden können, um die Fluß zu stauen, falls man Löschwasser benötigt. Ein der größeten Zisternen wurde nahe des Flusses Kanda gebaut. Sie bevorratet knapp 500.000 Liter Wasser.

Super Pumper Complex

Das ist ein Zug aus drei Fahrzeugen: Ein Tanker, ein Super Pumper und ein Hose Layer. In Deutschland würde man sagen: ein TLF, ein riesiger Wassertank und ein SW 2000. Die Zahlen sind nur etwas größer. Der Tankwagen ist wie ein kleine Heizöl-LKW und hat etwa 10.000 Liter Wasser an Bord. Das reicht für nicht einmal 3 Minuten. Der Pumper hat eine Pumpenleistung von 4000 l/min bei 8 bar. Der SW transporiert 2000m Schlauchmaterial, aber nicht B mit nur 75mm Durchmesser. Japan hat, ich nennen es Mal, Super-A. 150mm Druchmesser.

Randnotiz

Die Öffentlichkeit ist seit Jahrhunderten zur Vorsicht geschult. Müll wird heute noch nach “brennbar” und “nicht brennbar” sortiert. Vor alten Tempeln stehen Eimer mit Löschwassern. 2012 bin ich in Kyoto eine Straße entlang gelaufen, in der vor jeder Haustür ein Eimer mit Wasser stand. Keiner würde dieses Wasser zweckendfremden oder den Eimer aus Langeweile umwerfen.

In ganz Tokyo stehen Feuerlöscher am Straßenrand, teilweise in kleine Säulen versteckt, deren Inhalt sich erschließt, wenn man die Schriftzeichen lesen kann. Auch diese Feuerlöscher sind frei zugänglich, nicht alarmgesichert und werden trotztdem nicht von jugendlichen zerstört oder aus Spaß geleert. Stellt euch so ein vorbildliches Benehmen mal in Deutschland vor.

Die japanische Jungend sind sicherlich keine Engel vor dem Herrn. Die bauen auch Scheiße und geraten mit der Polizei aneinander. Ich vermute aber, daß beim Thema Brandschutz selbst bei den größten Rabauken eine rote Linie überschritten wird. Vielleicht liegt es daran, daß durch die ständige Gefahr eines Erdbebens jeder im Hinterkopf gespeichert hat, daß im Fall der Fälle dieser blöde Feuerlöscher einem den Arsch retten kann.

Hierzu zum Abschluß noch eine Zahl: Nach dem Erdbeben in Kobe 1995 wurde 7.900 Menschen durch die Feuerwehr gerettet, 27.100 von ihren Nachbarn. Das ist ein Verhältnis von 3:1 zugunsten des Nachbarn.