Wakkanai

Rebun (die Insel der vielen Wanderwege)

Heute geht es zur Nachbarinsel Rebun. Sie ist anders als Rishiri; länglich, und sie hat keinen Zentralberg (Vulkankegel). Stattdessen soll sie ideal zum Wandern sein.

Die Überfahrt ist ne ganz schöne Hacksee. Man muß sich an die Länge der Wellen gewöhnen: Drei schafft das Schiff. Bei der vierten rammt sich der Bug mitten in die Flanke. Das ganze Schiff zittert. Die Gischt schießt hoch. Am Hafen muß ich mich kurz orientieren. Das Hotel erkenne ich wieder. Es war meine Option für Rebun. Es fährt ein Bus, aber wo schon in Wakkanai zu unmöglichen Zeiten.

Rebun 1

 Und so starte ich am Hafen auf zum “Forest Road Course”. Bis zur letzten Fähre sind es 5,5 Stunden. Die Strecke ist mit 4 Stunden angegeben. Da ist noch Luft. Der Weg beginnt der Straße nach Motichi folgend und biegt dann in den Nationalpark ab.

Die Landschaft ist der Hammer. Alles ist grün. Mach ein paar hundert Metern hört den Hafen nicht mehr. Ich bin ganz allein. Seit dem Dorfausgang habe ich keinen einzigen Touristen mehr gesehen. Noch ist der Weg ein breiter Schotterweg. Es geht bergauf und bergab.

Ein kleiner Trampelpfad zweigt ab und führt den Berg hinauf. Da oben muß die Aussicht gut sein, also hinauf. Das war ein guter Gedanke. Ich kann weit schauen. Die ganze Insel ist grün. Überall ist es grün; na gut nicht alles. Aber das, was nicht grün ist, ist blau. So muß Urlaub sein.

Ich gehe weiter. Nach 1h 20min bin ich beim Abzweiger zu den “Rebun Falls”. Hmmm, ich bin schneller als die Karte angibt. Zu den Falls sind  es 2 Stunden für Hin- und Rückweg. Paßt. Irgendwie. Der Wanderweg war bisher ein mittelmäßiger Schotterweg. Ich habe dabei nur vergessen, daß das in Japan die dicken Linien in der Karte sind. Und die kennen da noch dünn, ganz dünn und gestrichelt. Der Weg zu Rebun Falls ist letzteres.

Rebun 2

Der Weg führt bergauf, dann bergab durch einen kleinen Wald (mit Flußlauf) und wieder bergauf. Das war die dünne Linie.  Oben angekommen blickt man in ein Tal. Zwischen den Bergflanke sieht man den Ozean. Kommen wir jetzt zu den ganz dünnen Linien: Der Weg nach unten ist loses Geröll und ein Seil, das den groben Wegverlauf markiert und das einzige ist, was einem vom Sturz abhält. Irgendwie habe ich es geschafft unten anzukommen.

Ich folge dem Flußlauf. Der 20cm breite Trampelpfad zu Ende, womit wir bei “dünn gestrichelt” wären: Auf der anderen Seite des Flusses sehe ich einen gelben Pfeil auf den Fels gemalt. Aha. Das ist der Weg. Trampelpfade sind out; es bleiben Pfeile. Seitenwechsel. Wenn da nur nicht diese nassen glitschigen Steine wären. Es geht weiter mit gelben Punkte hier, einem Seil da. Mit Seil meine ich einen Tampen, der mit einer Seite festgenagelt ist. Je nach Richtung kann man sich abseilen oder daran hochziehen. Kein Trampelpfad, nichts. Ich habe das Gefühl ich bin der Erste, der hier wandert.

Am Ende des Weges steht man wieder auf Meeresniveau (super, das darf ich gleich alles wieder raufklettern) in einer kleinen Bucht. Der Flußlauf endet hier in einem kleinen Wasserfall: Rebun Falls. Groß ist er ja nicht. Viel Wasser hat er auch nicht.

Rebun 3

Nach einer kurzen Pause der Rückweg. Ich treffe einen Ranger. Wow. Der erste Mensch seit nunmehr 3 Stunden. Er ist genauso erstaunt wie ich, hier draußen einen Menschen zu treffen. Dann kommt der Berg mir dem losen Geröll. Man ist das anstrengend. Den Zickzack hinauf. Man hat das Gefühl man kommt dem Ziel kein Stück näher.

Zurück am ursprünglichen Wander die Frage: den gleichen Weg zurück oder den “Forest Road Course” beenden? Restzeit nach Karte 3 Stunden. Restzeit nach Uhr 2h 50min. Knapp, aber könnte passen. Also los. Ich forciere das Tempo ein wenig und kann bergab 20 Minutes rausholen. Das wird ne Punktlandung.

In Kafuaki endet der Weg durch den Nationalpark. Es geht 5,2km an der Küste entlang zurück. Langweilig. Aber die 11,7km durch den Park haben gelohnt. Japp, ich mußte auch zweimal rechnen. 16,9km in 5 Stunden (trotz gestrichelter Linien auf der Karte). Ich bin dennoch froh wieder am Hafen zu sein. Ein langer Weg, den ich mit Ramen belohne.

Nachtrag: Der Sonnenbrand von der Radtour nach Soyamisaki ist heute nicht unbedingt besser geworden.


Fazit: Der Tag war ein voller Erfolg. Ohne die Zeit im Nacken wäre es noch schöner gewesen. So ganz alleine unterwegs zu sein, hatte was. Die Fotos geben das bei weitem nicht wieder. Das war bisher der beste Einzeltag. Er verdrängt Toya auf Platz 2.

Rebun ist definitiv eine Reise wert, auch wenn die Wildblumen nicht blühen. Wer Rebun und Rishiri sehen will, sollte lieber auf Rebun übernachten und Rishiri zum Tagesausflug machen. Rebun ist für lange Wanderungen traumhaft. Die Abfahrtzeiten der Fähre sind dabei hinderlich. Rishiri kann mit der Japan-Crashkurs-Busreise erkundet werden, die auch die Fähren abgestimmt ist.


Kanji-Lexikon: Rebun 礼文島, Rishiri 利尻島, Ramen ラーメン

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