Blick auf Toyako

Showa Zan (ein Vulkan Baujahr 1943)

Heute geht es nach Toya. Die Zug-/Busverbindung ist nicht ideal. Ich starte um 9:18 Uhr in Sapporo. Ein Bus bringt mich um 11:15 von Toyaeki nach Toyako. Hier ist nichts los. Der Ort wirkt herunter gekommen. 2008 war hier der G8. Wirklich? Selbst für off-season wirkt es zu verlassen; fast so als wäre nach dem Gipfel hier alles dem Verfall preisgegeben worden. Jedes zweite Hotel steht sicherlich schon seit Jahren leer. Zum Showa Zan muß ich noch einen weiteren Bus nehmen. Um kurz nach 12 Uhr bin ich endlich am Ziel.

Toya, Showa-Zan

Links ein rostroter Vulkankegel. Kaum zu glauben, daß der 1942 noch nicht da war. Der Kegel ist 211 m hoch und er wächst immer noch. Der Farbkontrast haut einen um. Tiefblauer Himmel, das Grün der Bäume und dazu dieser rostrote Gesteinskegel ohne nur einen einzigen Grashalm daraum.

Ich mach ein paar Fotos und dann geht es zur Seilbahn und mit dieser hoch zum Kraterfeld. Der letzte Ausbruch hier in Toya war 2000. Damals wurde ein Teil der Stadt zerstört. Das Feld, zu dem die Seilbahn führt, ist älter (und ungefährlicher?). Kurz wird mir bewußt wo ich bin. Ein paar Meter entfernt von mir wächst ein Lavadom gen Himmel und vor mir ein Feld mit aktiven Krater; überall steigt Dampf auf. Der Vulkan Aso vor 4 Jahren war im direkten Vergleich friedlich.

Ich gebe mir einen strikten Zeitplan, denn wenn ich den Bus um 16:20 Uhr verpaase, hänge ich hier fest. Alle Busse danach verpassen den letzten Zug zurück nach Sapporo. Fast schon wieder ein Aso-Äquivalent. Die Wanderung beginnt mit fiesen Stufen bergauf. Sie sind zu lang, um sie in einem Schritt zu nehmen, und zu kurz für zwei Schritte. Die Aussicht ist super. Man sieht Toyako samt Insel und Showazan, auch die Küste auf der anderen Seite. Das Wetter ist perfekt. Der Taifun ist an Hokkaido vorbeigeschrammt (hat Tokyo platt gemacht). Die Rückseite eines Taifun ist immer sonnig.

Wanderung

Jetzt geht es japanische Stufen bergab und der Geruch von Schwefel wird stärker. Der Weg (etwa 1m breit und nur Geröll) führt auf der Rim um den Krater; ein wahre Gratwanderung. Libellen, überall Libellen. Es müssen hunderte sein. Sie schwirren herum und sitzen auf dem Seil, das den Weg zu beiden Seiten sichert. Die Sonne. Der Sound der Zikaden. Perfekt. Ich wandere weiter und weiter.

Dann ist der Weg zu Ende. Es führt ein Pfad steil bergab zu einem Bahnhof. Ich kann das Schild nicht entziffern. Es könnte der Bahnhof an der Strecke nach Sapporo sein. Könnte … Ich gehe lieber den Weg zurück, den ich kenne.Ich liege gut in der Zeit und kann die Aussicht und das Wetter genießen. Jetzt kommt die Treppe von vorhin. 297 Stufen laut Plan. Ich glaube es nicht und zähle: 586. Dachte ich es mir doch.

Kurz vor 16 Uhr bin ich zurück an der Seilbahn ins Tal und quetsche mich in die vorletzte Gondel hinab ins Tal. Glück. Denn ich ahne, daß die nächste Gondel den Bus verpassen würde. Schnell kaufe ich noch ein “Ho(t)kaido” Noren und etwas zu Essen.

Am Busdepot habe ich 45 Minuten Wartezeit auf den Bus zum Bahnhof und somit die Gelegenheit, den zerstörten Stadteil zu besuchen, der jetzt eine Art Memorial ist: Eine Geisterstadt, grau, zerstört. Die Natur erobert sich mit Unkraut die Gebiete zurück. Der Anblick macht depressiv. Eine Brücke steht zwischen Wohnhäusern. Deplatziert. Hier gehört sich nicht hin. Sie wurde vom Schlamm mehrere hundert Meter mitgerissen. Die Häuser wirken beklemmend; teilzerstört und die Möbel noch wie am Tag der Evakuierung.

Kraterfeld

Nach der Busfahrt zum Bahnhof habe ich wieder Wartezeit und genieße den Sonnenuntergang. Der Express fährt erst um 19:40 Uhr. Das ist noch über eine Stunde entfernt und nichts zu tun. Hier gibt es nicht einmal ein Resto oder Izakaya. Vor dem Bahnhof steht der Straßenname: Ekimaeodori. Moment. Ja doch, ich habe die Kanji gelesen und erst danach nach der englischen Version gesucht.

Ich nehme den Local um 18:34 Uhr, der mich allerdings nur bis Higashi-Muroran bringt. Eventuell gibt es dort einen Anschluß vor dem Express. Wenn nicht, kann ich dort immer noch in den anderen Zug umsteigen. Ich habe Glück. Während ich in Higashi-Muroran warte, rollt der Cassiopeia ein und stoppt. Chance für Fotos. Eine Chance, die auch etwas 20 Japaner nutzen. Cassiopeia und Hokutosei sind in Japan berühmte Züge.

Das geplante Abendessen im Cross-Hotel-Resto fällt aus. Geschlossene Gesellschaft. Also ab in den Gyoza-Laden gleich um die Ecke. Chao Chao. Den Namen kenne ich doch? Richtig, der Laden in Tokyo. Und es war eine gute Idee. Das Finale des Tages ist ein Bad im Hotel-Onsen im 18F (17. Stock) mit Blick auf Sapporo.


Fazit: Die Reise zum Showa-Zan hat sich gelohnt. Der Ort Toya ist nicht der Rede wert. Eine Wanderung in dem Kratergebiet dagegen “highly recommended”. Natürlich muß das Wetter mitspielen. Die Anreise ab Sapporo raubt Zeit und Nerven. Aber wo soll man sonst übernachten? Eventuell in Hakodate?


Kanji-Lexikon: Toya 洞爺湖, Showa Zan 昭和新山, Gyoza 餃子, Cassiopeia カシオペア

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