Shiga Kogen / Terakoyayama

Shiga Kogen

Auf in die Berge. Wenn man schon in den japanischen Alpen ist, dann muß man einfach wandern. Ich komme zu Fuß bis ans Ende von Shibu. Jetzt begint der Aufstieg. Über der Straße eine Temperaturanzeige. Hier unten 24 Grad, oben nur 17 Grad. Hab eine Jacke mit. Eine Busstation. 5 Minuten bis zum nächsten Bus. Den nehme ich, spart das laufen.

Am Biwaike steige ich aus. Ein hübscher Bergsee. Auf der anderen Uferseite zeigen die ersten Bäume Herbstlaub. Gut, daß ich hier ausgestiegen bin. Die Szene ist ein Foto wert. Ein Wanderweg führt halb um den See herum und dann durch den Wald nach Hasuike. Jeder Meter wäre ein Foto wert; muß mich zurückhalten. Dann doch noch ein Motiv. Den Weg entlang sieht man helles grünes Laub und ein einziges, wirklich nur ein einziges knallrotes Blatt. Irre.

Schon jetzt ist der gestrige Regentag vergessen. Mit zwei Seilbahnen geht es rauf zum Higashitateyama (Mt. Higashitate), 2030m. Der erste Abschnitt ist eine 40-Mann-Gondel. Unten im Tag stehen Häuser im europ. Desgin. Ich entdecke das Swiss Inn. Das Haus könnte genauso in Winterthur oder Zermatt stehen. Der zweite Abschnitt ist eine 2-Mann-Gondel.

Hier beginnt meine Wanderung querfeldein. Einen Weg gibt es nicht. Nur ein Ziel. Der Terakoyayama (2125m). Im Hinterkopf die Info, daß die letzte Gondel um 16:30 fährt. Viel zu früh, aber das sind die Spielregeln.

Die Steigung nimmt zu. Ich kann den Winkel des Hangs schlecht schätzen, aber es dürfte zwischen 80 und 100% Steigung sein. Die Strecke, die ich gehe ist im Winter eine Skipiste. Also kurz nachgedacht. Die fahren hier im Winter bergab, hier wo ich im Sommer schon Probleme beim bergauf habe. Unglaublich. Die sind irre. (Nachtrag: Das hier ist eine Profistrecke. Sie wurde bei den Winterspielen 1998 benutzt. Dennoch: Unglaublich)

Komme nur schwer voran. Ich verlasse die Abfahrtspiste. Der Weg zum Gipfel geht rechts weiter. Ich treffe auf eine japanisches Ehepaar. Wir haben das gleiche Ziel. Wir machen erst einmal gemeinsam Pause. Dann geht es durch den Wald. Gut Wald ist übertrieben, aber hier stehen Bäume. Noch etwa 50 Höhenmeter bis zum Gipfel. Stufen. War ja klar. Japan. Immer hat es Stufen. Und diese hier sind besonders fies. Zwei Holzpflöcke sind in die Erde gerammt, zwei Holzbalken liegen quer dahinter. Das ganze mit Sand aufgefüllt. Fertig. Nur hat der Regen gestern (Taifunday) den Sand weggespült. Die Stufen sind ausgewaschen. Alles ist matschig, die Holzbalken naß und rutschig.

Der Gipfel. Das Gipfelfoto. Ich überlege weiter zum Iwasugeyama zu laufen (2295m). Aber schaffe ich das rechtzeitig zurück zum Lift? Der Rückweg wäre bergab. Aber ich traue dem Maßstab der Karte nicht. Nach Karte wäre es die gleiche Strecke noch einmal. Aber stimmt das? Was muß ich sehen. Wechselt das Wetter? Die Fernsicht ist nicht mehr so gut wie vor 20 Minuten. Und die Unterkante der Wolken kommt immer tiefer. Es ist eine merkwürdige Stimmung. Wird es Regen geben? Die Japaner sind sich auch nicht sicher. Sie werden umdrehen. Vielleicht die bessere  Idee. Ich folge.

An der Gondelbahn trennen sich unsere Wege. Ich laufe rüber zum kleinenren Sommerlift. Die ist nichts für schwache nerven. Es gibt nur einen Sitz und keinen Sicherungsbügel. Die Lehne ist, wenn überhaupt, 10cm hoch. Die Sitzplatte der zweiten Bahn ist zudem eine Holzplatte im Maß 40×40. In Deutschland undenkbar. Ich bin froh wieder festen Boden unter mir zu haben. Zwischen beiden Seilbahnen mache ich eine kleine Kaffeepause.

Mit der Golden bin ich um 16 Uhr zurück in Hasuike. Das Wetter hat sich gehalten. In mir nagt die Frage, um ich es nicht doch zum Iwasugeyama geschafft hätte, und: Was tun mit dem Rest des Tages? Pause für Soba. Dieses rot-weiße Ding heißt Naruto und schmeckt nach Fisch. Was es ist,frage ich lieber nicht.

Ich entdecke eine Handy-Ladestation. Die spinnen die Japaner. Man kann ich für ein paar Yen sein Handy aufladen. Es gibt sogar kleine Schließfächer. Das Handy lädt, während man in den Bergen wandert.

Mit dem Bus geht ers zurück nach Shibu (ist übrigens das gleiche Kanji wie in Shibuya). Ein Regenbogen. Hier hat es geregnet. Ich laufe wieder durch Shibu und Andai. So weit ich verstanden habe, sind das zwei kleine Dörfer, die ineinander übergehen. Soviel zur Verwirrung von vorgestern. Als ich durch die Altstadtlaufe, entschließe ich mich diese 9-Onsen-Tour zu machen. Schnell ins Ryokan und ein Handtuch kaufen. Um 18:10 Uhr bin ich wieder in Shibu. Meine Bewaffnung: Eine Yukata und zwei Handtücher.

Randnotiz:

  • Der Tag nach dem Taifun ist schon wieder sonnig.
  • Ich traue dem Maß von japanischen Karten nicht mehr.
  • Norden ist nicht immer oben, sondern irgendwo.

(weiter im zweiten Teil …)

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