Shibu Onsen / Towel

Shibuonsen

Zuerst muß ich mir ein Handtuch kaufen. Das bekomme ich in einem Souvenierladen. Die Fragen mich, ob ich einen Schlüssel habe. Schlüssel? Ah. Die Onsen sind abgeschlossen. Man braucht einen Schlüssel. Den bekomme ich gegenüber im Hotel, obwohl ich kein Gast bin. Es reicht wohl, daß ich in dem Ryokan in Yudanaka wohne. Einen Pfand hinterlegen muß ich nicht.

Das Zeitlimit ist 21 Uhr: 3 Stunden, 9 Bäder, das sollte reichen. Nach meiner Erfahrung halte ich es eh nur 3 Minuten im Wasser aus. Auf das Handtuch sind die Namen der 9 Onsen und von 2 Tempeln aufgedruckt. Nach dem Besuch kann man einen Stempel, dem es am Eingang gibt, auf das Handtuch drücken. Der Mythologie nach bringt der Besuch aller Onsen und der Schreine Glück und Gesundheit. Ein cooles Souvenier wird es allemal.

Onsen 3 ist Eine kleine Holzhütte. Sieht alt aus. Zwei Türen. Zum Glück kann ich mittlerweile die Kanji für Mann und Frau lesen. Man badet unbekleidet, also wird getrennt gebadet. Immer daran denken. Das sind keine Schwimmhallen, das sind Badehäuser. Man steht ja zu Hause auch nicht mit Badehose in der Dusche. Auch der Eindruck im inneren ist eher alt und verwittert. Das Holz ist dunkel, stellenweise schwarz. Alt. Und der Wasserdampf tut sein übriges. In der Mitte des Raumes ein Becken. Drum herum ein etwa 70cm breiter Holzweg. Auf der einen Seite eine Stelle zum waschen. Man wäscht sich erst und badet dann. Das Prinzip kenne ich aus Kyoto. Dann ist Wasser. Heiß, aber ok. Geht gerade so.

Onsen 2 ist noch kleiner als die 3 und eindeutig zu heiß für mich. Rein-raus-Lift holen. Onsen 1 ist ok. Aber das mit den Klamotten geht mir auf den Sack. Ich rolle sie in das zweite Handtuch ein. Knoten fertig. Yukata an und Handtuch über die Schulter. Onsen 8 auch. Ich habe mir bei den Japanern einen Trick abgeschaut. Beim ersten Onsen duscht man komplett. Bei den nachfolgenden läßt man nur kurz Wasser über den Körper laufen. Sauber ist man ja schon. Es gilt auch nicht als Bruch der Etikette. Onsen 7 ist dann wieder zu heiß. Aber ich habe hier sehr kurz gebadet. Es zählt also. Es ist 19 Uhr und das Handtuch zur Hälfte komplett.

Auf dem Weg zu Onsen 6 kommt mir ein Festzug entgegen. Gut, daß ich die Kamera eingepackt habe. De rFestzug ist klein. Ein Handkarren, mit Lampions geshcmückt. Eine Gruppe mit traditionellen Musikinstrumenten. Sie tragen ebenfalls Yukata. Dazu noch ein paar Leute mit Masken und Kostum. Wenn ich das richtig sehe, stellen sie die Glückgottheiten nach. Das eine müßte Ebisu sein. Ich bin mir aber nicht sicher.

Für die Kinder gibt es Süßigkeiten. Für die erwachsenen Whisky und Bier und Sake. Die Truppe ist auch nicht ganz alleine.

Die Atmosphäre ist perfekt! Etwa 22 Grad; Sternklarer Himmel; kleine schwach erleuchtete Gassen; alte japanische Häuser; Onsen; dekorierte Souveniershops; Hotels im japanischen Stil; dazu dieser Festzug; alle laufen in Yukata rum; ich sehe ich Frauen im Kimono. Zu dem Bild kommt die Akustik: Die traditionellen japansichen Intrumente; das klackern der Holzsandalen; die Grillen zirpen im Hintergrund; in der Ferne hört man den Fluß rauschen. Es paßt alles zusammen. Genauso habe ich mir Japan immer vorgestellt. Vielleicht kitschig. Aber genau das war es, was mir vorschwebte, als ich die Reiseführer geblättert habe. Jetzt ist Japan lebendig für mich. Und ich bin mittendrin. Mozu, Moon Viewing und jetzt das hier. Das läuft Mozu gerade den Rang ab. Einfach irre.

Demonstrativ trage ich das Handtuch am Obi. Ich komme mit den Leuten ins Gespräch. Ich folge dem Festzug zum Onsen 5. Hier trennen sich unsere Wege. Nach einem kurzen Bad weiter zu Onsen 4. Auf dem Weg dorthin sehe ich ein Sandalengeschäft. Leider haben die nichts in meiner Größe. Die Verkäuferin (ich schätze so Ende 60) ist sehr bemüht, aber Größe 42 ist halt XXL in Japan. Onsen 6 hatte ich wegen des Festzuges ausgelassen. Das wird jetzt nachgeholt. Jetzt fehlt nur noch eins. Ich bin gut in der Zeit. Es ist 20:30 Uhr.

Ich treffe auf zwei Priesterinnen (ich glaube Nonne ist das flache Wort im Buddhismus) oder so etwas in der Art. Sie begleiten einen älteren Herren. Es könnten also auch Krankenschwestern sein. Aber die Kleidung ist eher buddhistisch als medizinisch. Das Gespräch weitet sich aus. Die beiden können sehr gut Englisch. Meine Yukata wird zurecht gerückt, der Obi richtig geknotet. Ich hatte ein paar Fehler eingebaut. Jetzt bin ich japanisch korrekt gekleidet. Es ist eine lockere, ausgelassene Atmosphäre.

Onsen 9 liegt etwas versteckt in der Mitte von Shibu. Geschafft. Ich habe alle Onsen besucht. Ich treffe wieder auf den Festzug. Mehr Sake. Die beiden Gläser vonrhin zusammen mit dem heißen Wasser habe Wirkung gezeigt. Jetzt ist die Gefahr gebannt. Keine Onsen mehr. Viele sind begeistert, daß mein Towel komplett ist. Alle sagen mir, daß ich jetzt noch die Tempel besuchen muß. Erst dann ist die Tour wirklich vollständig. Aber zuerst genieße ich den Moment und noch etwas Sake.

Jetzt schnell den Schlüssel zurückgeben. Schrein 1 und quer durch die Stadt zum zweiten. Stufen rauf. Feuerlicher Moment. Der letzte Stempel. Komplett. Ich stehe nur mit Yuakata und Handtuch bekleidet vor dem Tempel. Die Grillen zirpen. Kurze Pause. Den Moment genießen.

Auf dem Weg zurück durch Shibu treffe ich auf Japaner, die erst die Hälfte geschafft haben. Es gibt ein kurzes Gespräch. Kurz bevor ich das Altstadtviertel verlasse treffe ich auf eine weitere Gruppe, die auch schon beim Festumzug dabei war. Die Herren in Feierstimmung. Das komplette Handtuch wird bewundert, dann die freche Frage nach der Kleidungsvorschrift. Die Frage, ob ich freeballer bin. Natürlich. Der eine fordert Beweise, wird aber von seiner Frau sofort zurückgepfiffen. Die Stimmung ist ausgelassen. Ich werde auf eine Kneipentour eingeladen. Aber ich habe noch den Rückweg und die Sperrstunde des Ryokan vor mir. Ich sage ab. Ein bischen ärgert es mich schon. Aber ich rede mir ein, daß ich das Blatt nicht überreizen sollte. Der Abend ist perfekt so wie er ist.

Für einen Stop in Dining With reicht es allemal und Hunger habe ich auch. Spagetthi Carbonara. Alles wieder frisch zubereitet. Dazu ein Guinness. Ich trage immer noch die Yukata und werde irgendwie sofort zum Mittelpunkt des Geschehens. Fotos werden gemacht. Dann steht die Sperrstunde unmittelbar bevor.

Randnotiz:

  • Fazit: Wanderung Mittelmaß, der Abend in Shibuoya ein voller Erfolg. Die Atmosphäre in der der Altstadtstraße mit den Badehäusern und dem Festzug läuft dem Mozu-Matsuri den Rang ab.
  • Shibuonsen / 2. Sonntag im Oktober / merken.
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Shiga Kogen / Terakoyayama

Shiga Kogen

Auf in die Berge. Wenn man schon in den japanischen Alpen ist, dann muß man einfach wandern. Ich komme zu Fuß bis ans Ende von Shibu. Jetzt begint der Aufstieg. Über der Straße eine Temperaturanzeige. Hier unten 24 Grad, oben nur 17 Grad. Hab eine Jacke mit. Eine Busstation. 5 Minuten bis zum nächsten Bus. Den nehme ich, spart das laufen.

Am Biwaike steige ich aus. Ein hübscher Bergsee. Auf der anderen Uferseite zeigen die ersten Bäume Herbstlaub. Gut, daß ich hier ausgestiegen bin. Die Szene ist ein Foto wert. Ein Wanderweg führt halb um den See herum und dann durch den Wald nach Hasuike. Jeder Meter wäre ein Foto wert; muß mich zurückhalten. Dann doch noch ein Motiv. Den Weg entlang sieht man helles grünes Laub und ein einziges, wirklich nur ein einziges knallrotes Blatt. Irre.

Schon jetzt ist der gestrige Regentag vergessen. Mit zwei Seilbahnen geht es rauf zum Higashitateyama (Mt. Higashitate), 2030m. Der erste Abschnitt ist eine 40-Mann-Gondel. Unten im Tag stehen Häuser im europ. Desgin. Ich entdecke das Swiss Inn. Das Haus könnte genauso in Winterthur oder Zermatt stehen. Der zweite Abschnitt ist eine 2-Mann-Gondel.

Hier beginnt meine Wanderung querfeldein. Einen Weg gibt es nicht. Nur ein Ziel. Der Terakoyayama (2125m). Im Hinterkopf die Info, daß die letzte Gondel um 16:30 fährt. Viel zu früh, aber das sind die Spielregeln.

Die Steigung nimmt zu. Ich kann den Winkel des Hangs schlecht schätzen, aber es dürfte zwischen 80 und 100% Steigung sein. Die Strecke, die ich gehe ist im Winter eine Skipiste. Also kurz nachgedacht. Die fahren hier im Winter bergab, hier wo ich im Sommer schon Probleme beim bergauf habe. Unglaublich. Die sind irre. (Nachtrag: Das hier ist eine Profistrecke. Sie wurde bei den Winterspielen 1998 benutzt. Dennoch: Unglaublich)

Komme nur schwer voran. Ich verlasse die Abfahrtspiste. Der Weg zum Gipfel geht rechts weiter. Ich treffe auf eine japanisches Ehepaar. Wir haben das gleiche Ziel. Wir machen erst einmal gemeinsam Pause. Dann geht es durch den Wald. Gut Wald ist übertrieben, aber hier stehen Bäume. Noch etwa 50 Höhenmeter bis zum Gipfel. Stufen. War ja klar. Japan. Immer hat es Stufen. Und diese hier sind besonders fies. Zwei Holzpflöcke sind in die Erde gerammt, zwei Holzbalken liegen quer dahinter. Das ganze mit Sand aufgefüllt. Fertig. Nur hat der Regen gestern (Taifunday) den Sand weggespült. Die Stufen sind ausgewaschen. Alles ist matschig, die Holzbalken naß und rutschig.

Der Gipfel. Das Gipfelfoto. Ich überlege weiter zum Iwasugeyama zu laufen (2295m). Aber schaffe ich das rechtzeitig zurück zum Lift? Der Rückweg wäre bergab. Aber ich traue dem Maßstab der Karte nicht. Nach Karte wäre es die gleiche Strecke noch einmal. Aber stimmt das? Was muß ich sehen. Wechselt das Wetter? Die Fernsicht ist nicht mehr so gut wie vor 20 Minuten. Und die Unterkante der Wolken kommt immer tiefer. Es ist eine merkwürdige Stimmung. Wird es Regen geben? Die Japaner sind sich auch nicht sicher. Sie werden umdrehen. Vielleicht die bessere  Idee. Ich folge.

An der Gondelbahn trennen sich unsere Wege. Ich laufe rüber zum kleinenren Sommerlift. Die ist nichts für schwache nerven. Es gibt nur einen Sitz und keinen Sicherungsbügel. Die Lehne ist, wenn überhaupt, 10cm hoch. Die Sitzplatte der zweiten Bahn ist zudem eine Holzplatte im Maß 40×40. In Deutschland undenkbar. Ich bin froh wieder festen Boden unter mir zu haben. Zwischen beiden Seilbahnen mache ich eine kleine Kaffeepause.

Mit der Golden bin ich um 16 Uhr zurück in Hasuike. Das Wetter hat sich gehalten. In mir nagt die Frage, um ich es nicht doch zum Iwasugeyama geschafft hätte, und: Was tun mit dem Rest des Tages? Pause für Soba. Dieses rot-weiße Ding heißt Naruto und schmeckt nach Fisch. Was es ist,frage ich lieber nicht.

Ich entdecke eine Handy-Ladestation. Die spinnen die Japaner. Man kann ich für ein paar Yen sein Handy aufladen. Es gibt sogar kleine Schließfächer. Das Handy lädt, während man in den Bergen wandert.

Mit dem Bus geht ers zurück nach Shibu (ist übrigens das gleiche Kanji wie in Shibuya). Ein Regenbogen. Hier hat es geregnet. Ich laufe wieder durch Shibu und Andai. So weit ich verstanden habe, sind das zwei kleine Dörfer, die ineinander übergehen. Soviel zur Verwirrung von vorgestern. Als ich durch die Altstadtlaufe, entschließe ich mich diese 9-Onsen-Tour zu machen. Schnell ins Ryokan und ein Handtuch kaufen. Um 18:10 Uhr bin ich wieder in Shibu. Meine Bewaffnung: Eine Yukata und zwei Handtücher.

Randnotiz:

  • Der Tag nach dem Taifun ist schon wieder sonnig.
  • Ich traue dem Maß von japanischen Karten nicht mehr.
  • Norden ist nicht immer oben, sondern irgendwo.

(weiter im zweiten Teil …)