Oosaka / Moon Viewing

Heute ist der Backup-Tag. Gut, daß ich ihn eingeplant habe. In Oosaka fehlen mir noch so viele Dinge. Und heute Abend ist dieses Moon Viewing.

Der erste Stop heute ist der Shitenno-ji. Ein sehr schöner Bau. Das Holz ist orangerot. Die Enden der Balken sind bunt verziert. Die 5-stöckige Pagode hat Ähnlichkeit mit der in Ikaruga, dennoch sieht sie allein durch die Holzfarbe ganz anders aus. Auch die Umgebung gibt ihr eine ganz andere Wirkung. Bei weitem nicht so sakral, muß ich gestehen.  Das riesige Gokuraku-mon erinnert an Kamakura, nur in bunt. Von der Farbgebung wirkt der Tempel eher wie der Hachimangu in Kamakura.

Sehenswert ist auch das Schatzhaus nebenan. Alte Daikos und Schriftrollen. Im Tempel steht ein goldener Buddha. Ich bin leise und höre dem Gebet eines buddhistischen Priesters zu. Ich mache keine Fotos. Allein der Autofokus würde die Stimmung stören. Meine Rücksicht ist wohl auch ein Grund, daß ich bleiben darf. Andere werden gebeten, zu gehen. Ich verbringe fast zwei Stunden hier.

Nächster Stop ist der Isshin-ji. In einem Kellerraum ist eine Halle mit hunderten kleinen, goldenen Buddha-Statuen. Dem Schild nach sind es 24404 Stück. Und es ist noch Platz. Insgesamt sollen hier irgendwann einmal 40000 kleine Buddhas stehen. Es folgt ein Besuch im Imamiya Ebisu Jinja. Auch sehr hübsch.

Nach dem Imamiyi laufe ich die Nihonbashi Den Den hinauf. Das ist die Elektronic Town von Oosaka. Eine lange Straße mit einem Elektrogeschäft neben dem anderen, fast 1km lang. Verbrennt eure Kreditkarten und gebt das Bargeld bei Mutti; hohlt euch einen Zivi, der euch den Sabber aus dem Mund wischt. Denn hier kann man alles kaufen, was ein Kabel oder Batterien hat. Unglaublich. Das Mekka für Computerfreaks, Elektronikbastler und Audio-Fanatiker. Hier gibt es alles: ein laden nur für CD- und DVD-Rohlinge, ein Laden nur für Funkgeräte, für Überwachungstechnik, für Verstärkerröhren. Und was nicht Elektronik ist, ist Manga und Anime. Ein Shop nur für Hentai!

Die Straße endet in Namba. Überiridsch ist das sozusagen die Innenstadt. Dutzende kleine Geschäfte und Einkaufsstraßen. Unterirdisch gibt es Nan Nan Town, die Underground Shopping Mall und den Namba Walk, eine unterirdische Shopping Street. Sie ist fast 1km lang und hat über 400 Geschäfte. Sie verbindet zwei U-Bahnstationen. Damit ist sie 4x länger als die Lübecker Fußgängerzone. Im Norden gibt es noch so eine unterirdische Stadt, dazwischen Dotombori. Ich habe das Gefühl, daß man hier in Namba eine Woche zubringen kann ohne ans Tageslicht zu müssen. [Nachtrag: Das ist noch ein Witz im Vergleich zu Umeda. Dieser Untergrund ist fast so groß wie die Lübecker Altstadt] Kaffeepause bei Konditorei Kiefer.

Moon-Viewing am Sumiyoshi Taisha

Hab den Rapid Express erwischt und fahre über das Ziel hinaus. Kann passieren. Als drei Stationen zurück. Es gibt mir die Gelegenheit, dieWohnbezirke in Oosaka kennenzulernen. Selbst hier draußen stehen die Häuser dicht an dicht. Die Bahnlinie führt quasi durch den Garten. Ein interessanter Eindruck, den ich schlecht in Worte fassen kann.

Trotz meiner kleinen Rundreise bin ich pünktlich am Sumiyoshi. Es bleibt Zeit für ein paar Fotos, auch wenn es schon sehr dunkel ist. Mein Blick fällt sofort auf eine rote Bogenbrücke. Ich kenne sie von Fotos, aber es ist die erste, die ich hier in Japan sehe.

Hier steht keine einzige Bude. Der Schrein wirkt, als wäre er geschlossen. Ich folge ein paar Japanern. Ich bin der einzige nicht-Japaner und werde verwundert angeschaut. Ich reiße auch den Altersschnitt nach unten und bin einer der wenigen Männer. Was ist dieses Moon Viewing? Beantworten kann ich es nicht, aber so wie ich das sehe ist es ein shintoistisches Ritual mit Gebeten und Tanz.

Von hinten kommen Musiker mit klassischen Intrumente. Für meine Ohren klingen sie etwas schief und schräg. Sie tragen grüne Kleidung. Es sieht aus wie eine Mischung aus Kimono und Poncho. Alle tragen einen kleinen schwarzen Hut aus schwarz lackieten Pappmasché. Der Hut ist optisch viel zu klein. Er wird mit scharzen Bändern, wie ein Helm, am Kopf befestigt, damit er nicht herunter fällt. Ein Priester betritt die Bühne betet. Dazu schwenkt er einen langen Stab mit gezacktem Papier. Es werden Gedichte vorgetragen. Es kommen Tänzer mit Naginate und Masken. die Kimono sind auwendig bestickt. Der Tanz erzählt eine Geshichte. Jede Bewegung hat eine Bedeutung, die ich leider nicht kenne. Ich bin beeindruckt. So etwas steht nicht im Reiseführer. Ich hätte nie gedacht, daß ich so schnell so tief in Japan eintauche.

Gegen 18 Uhr ist die Sache beendet. Ich versuche noch ein paar Infos zu kriegen, werde von der Sprachbarriere ausgebremst. Egal. Ich will diesen Augenblick auch nicht zerstören, indem ich in einem Wörterbuch blätter. Die Veranstaltung löst sich schnell auf. Mich zieht es zurück nach Dotombori. Kurz vor dem Bahnhof fängt es an zu regnen; Abendessen im Kirin-Plaza. Wieder extrem lecker. Diese Atmosphäre mit der Jazz-Musik ist komplett auf meiner Linie. Der Rückweg zum Ryokan erfolgt dann im strömenden Regen.

Fazit: Ein gelungener Tag. Er kann den 26.09. nicht toppen. Dennoch war dieses Moon Viewing einmalig. Das war nicht für Touristen, das war japanisch.

Randnotizen:

  • Farbgebung gibt keinen Aufschluß, ob es ein Tempel oder Schrein ist.
  • Das Torii ist kein Beweis für einen Schrein.
  • Kuchen und deutsche Brötchen scheinen eine Goldgrube zu sein.
  • Kuchen scheint eine Sache nur für Frauen zu sein.
  • Handys sind eignetlich immer Klapphandys mit Kamerafunktion.
  • Die machen jedes zweite Urlaubsbild mit dem Handy. [Nachtrag: Man beachte, daß dieser Beitrag aus 2004 ist. Damals hatten westliche Handy nicht einmal 1 MPix.]
  • Die Japaner an der Brücke neben dem Kirin-Plaza, sind das Jakuza? Sie würden zumindest das Klischee erfüllen.
  • Die Ampel an der Kreuzung ist aus. Eine Richtung hat rotes Blinklicht. Ist wohl das ,was bei uns gelbes Blinklicht ist: Vorfahrt achten. Aber die Richtung für das Blinklicht wechselt, sprich die Vorfahrt wechselt.

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