Hiroshima / Okonomiyaki

Vor dem Frühstück den Fernseher konsultiert: 19 Tote, 20 vermißt, 91 verletzt. In Ise fielen 121 Litere Regen innerhalb weniger Stunden. Einige Bahnlinien in der Umgebung sind gesperrt, Brücken eingestürzt. Gut daß heute ein Fußmarsch durch Hiroshima auf dem Plan steht. Das Wetter ist bombig. Die NATO-Bräune der letzten Tage macht sich bemerkbar. Hiroshimas Sehenswürdigkeiten sind in einem Quadrat angeordnet. Da sollte ein Tag reichen.

Die Sehenswürdigkeiten hier in Hiroshima sind fast in einem Quadrat angeordnet und in ihrer Anzahl übersichtlich.Wie praktisch.

Shukkeien. Mein erster Stop ist der japanischen Garten hinter dem Häuserblock mit meinem Hotel. Ein sehr schöner Garten mit all den Elementen: Rasenfläche, ein großer See mit Inseln, ein Wald, ein Gebirge, ein Flußlauf aus dem Gebirgen in den See. Ich laufe die verschiedenen Wege und entdecke immer wieder neue Motive und Perspektiven. Ich muß mich echt mit der Kamera zurückhalten, sonst ist das Filmmaterial hier schon weg. Ich entdecke Schildkröten, die sich am Ufer sonnen. Ein Blick über das Wasser. Hier springen Karpfen. Ich bin fast 90 Minuten hier.

Hiroshima Castle. Viel steht nicht mehr, dafür stand sie zu nach am Ground Zero. Aber einige Mauern, ein Eckturm und das Tor wurden rekonstruiert. Ebenso die Burg selbst. Aber alle Nebengebäude sind weg. Neben dem Eingang zur Burg steht ein Baum. Gesund sieht er nicht aus. Das Schild verrät, daß er die Atombombe überlebt hat und immer noch steht. Weiter geht es durch den Chuopark zum Atombomb Dome.

Bis hier ist Hiroshima eine japanische Stadt wie jede andere. Sie ist kleine als Oosaka und Tokyo und wirkt daher etwas ruhiger. Es fehlen eindeutig die Skyscraper. Die meisten Gebäude kommen über 10 Stockwerke nicht hinaus. (Für Lübecker: Damit sind fast alle Gebäude hier so hoch wie das Behördenhochhaus am Berliner Platz. Die Höhe ist hier Standard. Nur so nebenbei erwähnt.) Eines fällt aber auf. Es gibt hier mehr Bäume. Ich bin vorhin eine Straße entlang gelaufen, die wie eine deutsche Allee auf beiden Seiten Bäume hatte, die Schatten spenden. Und… ich habe sogar einen Mülleimer gesehen. Viele werden sagen “na und?”. Aber dieses hier ist der erste Mülleimer, der nicht auf einem Bahnsteig oder neben einem Getränkeautomaten stand. In der Tat, bisher bin ich an keinem “herrenlosen” Mülleimer vorbeigegangen; weder in Tokyo noch in Oosaka.

Ich stehe jetzt an der Aioi-dori. Hier fährt eine Straßenbahn. Sie wirkt wie aus einer anderen Zeit, bin ich bisher doch nur U-Bahnen, Monorails und Shinkansen gefahren. Es ist fast ein Statement für Gemütlichkeit. Rechts ist die Aioi-bashi, die T-Brücke, die das Ziel der Bomberpiloten war. Sie ist damals stehen geblieben. Als Ingenieur beeindruckt das. Durch die Bäume sehe ich auf der anderen Straßenseite den Atom Bomb Dome. Jetzt stehe ich am Ground Zero des ersten Atombombenabwurfes. Alles wirkt normal hier, wäre da nicht dieses Skelett eines Gebäudes, daß an 1945 erinnert. Man braucht etwas, bis diese Info vom Gehirn verarbeitet wird.

Am Atom Bomb Dome vorbei über eine Brücke gelange ich zum Peace Memorial Park. Nur ich … und hunderte Schulkinder. “Hello, My name is … I am from … What’s your name? Where do you come from?” Erst waren es nur drei Kinder, aber nachdem ich die ersten Fragen beantwortet habe, werden es immer mehr. Vom Alter her sind sie höchsten in der 5. oder 6. Klasse. Dafür sprechen sie verdammt gutes Englisch. Und einfach so auf Fremde / Ausländer zugehen, ich glaube, das habe ich mich damals nicht getraut. Ich muß meinen Namen und mein Land in eine Liste eintragen. Welche Lehrerin denkt sich sowas für einen Schulausflug aus? Beeindruckt hat mich folgende Begebenheit: Ich habe Deutschland in die Liste geschrieben, nicht Germany (mit Absicht, ich wollte das Wort nehmen was wir Deutschen selbst verwenden, quasi als Bonus). Das Wort kennen die kleinen nicht. Also sage ich “Doitsu”. “Ah, Doitsu”, die kleinen rollen eine Weltkarte aus. Ein kleiner Punkt wird auf Deutschland geklebt. (Der erste. Frankreich hat schon drei.) Die kennen anscheinend alle europäischen Länder, denn lange gesucht haben sie Deutschland nicht. Wow… Es scheint als wären mehrere Gruppen unterwegs und nur wenige Ausländer. Ich bin umringt von Kindern. Alle beginnen ihren Satz mit “Hello, my name is …” Ich komme mir vor bei Baseballstar, der Autogramme verteilt.

Nach etwa einer halben Stunde gelingt mir mit Hilfe der Lehrerin die Flucht; nicht ohne zuvor zig Mal fotografiert zu werden. Merke: Um Schulklassen einen Bogen machen. Es geht am Cenotaph und am Mahnmal für die Kinder, die 1945 umgekommen sind, vorbei. Hier stehen Vitrinen mit hunderten Origami-Kranichen. Ich stehe vor dem Peace Memorial Museum. Unten im Eingang, zwei Uhren. Eine zeigt die Uhrzeit seit dem Abwurf der Bombe an, die andere die Zeit seit dem letzten Test. Hier im Museum steht auch die Originalkuppel vom Atom Bomb Dome. Die Exponate und Fotos sind drastisch und machen einen nachdenklich: ineinander verschmolzene Keramikschalen, Stahlträger verbogen wie Knetgummi, eine Betonwand mit Glassplittern im Beton (!), ein Foto von einer Treppe mit einem Schatten. Der Schatten war ein Mensch, … Aus dem Mueeum hat man einen Blick auf dem gesamten Peace Memorial Park. Dahinter sieht man den A-Bomb Dome.

Bevor meine Stimmung in Depression umschlägt geht es weiter, die Heiwa Odori entlang. Von der Straße hatte ich mir mehr versprochen, keine Ahnung wieso. Aber es einfach nur eine breite Straße. Mein Ziel ist auch vielmehr der Hijiyama-Park. Hinter der Tsurumi-bashi entdecke ich den Schriftzug “okonomiyaki”. Zugegeben, ich kann ur das O und das mi lesen. Der Rest ist Kanji. Aber ich habe mir den gesamten Schriftzug gemerkt. Stimmt, da war was. Es ist die Spezialität hier in Hiroshima. Der Laden ist sehr klein. Höchstens 3 Gäste und der Koch, in diesem Fall eine ältere Oma. Sie spricht kein Wort Englisch. Aber die Bestellung kriege wir trotzdem auf die Reihe.

Hiroshima Okonomiyaki beginnt mit dem anbraten von Nudeln, parallel Eierteig anbraten. Nudeln auf den Teig, Kohl und Fleisch dazu. Ein Ei anbraten und den Teigblock auf das Ei wenden. Weiter braten und ein paar Mal drehen. Bulldog-Soße, Seetang, Fischspäne. Fertig. Erstaunlich wie lecker diese schräge Mischung ist. Ach ja, gegessen wird mit Stäbchen. Als Hilfe gibt es einen kleinen Spatel, mit dem man den Pfannkuchen in kleine Stücke teilen kann, die dann mit Stäbchen gegessen werden.

Eine Frau betritt den Laden. Ich vermute, die Tochter der alten Dame. Kurz werden die wichtigen Infos ausgetauscht und danach ich in das Gespräch eingebunden. Alle Eckdaten meiner Reise (aus Deutschland, 4 Wochen Urlaub, Reise alleine) werden mit einem “sugoi” zur Kenntnis genommen. Es kommt ein wenig Konversation zustande.

Nach einem Abschiedssfoto geht es den Berg rauf. Von hier oben hat man ein gute, wenn auch nicht umwerfende Aussicht. Ich sehe einen Wegweiser zum Radiation Effect Research Center. Die können zumindest beantworten, ob es heute noch eine meßbare Reststrahlung gibt. Allerdings löst meine Frage an der Rezeption ein kleines Chaos aus. Der zweite Chef des Instituts wird geholt. Ich soll kurz warten. Es wird mir Kaffee angeboten. Am Ende unterhalten wir uns eine dreiviertel Stunde über die Folge des Bombenabwurfes und die Arbeit des Instituts. Zum Abschied gibt es den aktuellen Jahresbericht und eine Visitenkarte. Das ist Japan.

Nächster Stop, eigentlich nur, weil es hier auf der Ecke ist und das Gebäude in dem Buch über moderne Architektur in Japan berichtet wurde, das Museum für zeitgenössische Kunst. Ich bleibe dabei. Ich habe für Kunst kein Verständnis. Überhaupt nicht mein Ding. So gar nicht. Es ist noch etwas Zeit, als ich meine Rundreise am Bahnhof endet. Also noch schnell zum Toshugu Schrein und von hier den Berg hinauf. Ich sehe viele kleine Torii und leider auch Stufen. Am Ende lande ich bei geschätzten 100 Höhenmetern, über 470 Stufen und 30 Torii. Letztere sind für Europäer ein Stück zu klein und machen das Stufensteigen nicht einfacher. Danach führt ein Trampelpfad weiter zur Peace Pagode.

Letztes Ziel ist es über den Berg zum Tsuruhane Schrein. Nur leider komme ich vom rechten Weg ab. Zu meiner Verteidigung muß ich sagen, daß es nie einen Weg gab. Eher eine Schneise im Unterholz. Es geht über Bäume, einen Hang hinunter. Umdrehen ist nicht mehr. Ohne Weg gibt es auch keinen richigen Rückweg. Zudem fängt es an zu dämmern. Jetzt wird es brenzlig. Irgendwann bin ich runter auf die Höhe von Hausdächern. Mal sehen wo es noch tiefer geht. Ich hoffe auch, daß ich nicht durch einen Garten muß. Wäre etwas blöd zu erklären. Dahinten ist ein Weg, ich muß nur noch dieses Spinnennetz samt Spinne beseitigen. Giftgrün und mit Beinen etwa Handteller groß. Uargh. Nachdem dieses Problem entsorgt ist und ich wieder einen gepflasterten Weg unter den Füßen  habe, ist es ganz einfach.

Jetzt erst einmal ins Hotel duschen. Jetzt kommt der gemütliche Teil. Zuerst einen Streifzug durch das Shoppingcenter am Bahnhof. Hier finde ich ein Shogibrett. Umgerechnet 18€ und damit die Hälfte des deutschen Preises. Das wird morgen geshoppt. Weiter geht es zum Amusement District. Der Rundgang endet mit Kaffee und Kuchen im KoHiKan. Morgen steht Miyajima auf dem Plan. Ich hoffe, daß nach Taifun 16 und 21 (gestern) etwas übrig ist, daß ich besichtigen kann. Die Flut ist um 11 Uhr, also sollte ich zeitig los.

Fazit: Das erste Mal, daß ich meinen kompletten Tagesplan durchgezogen habe. Dann war die Autogrammstundeim Park. Das Gespräch am Research Center war zwar so nicht geplant, aber definitiv ein erwähnestes Highlight. Ganz oben auf des Liste des heutigen Tages steht aber das Okonomiyaki und die alte Alte. Das ist eine Urlaubserinnerung die man weder erzwingen noch wiederholen kann. Einmalig.

Randnotiz:

  • Es gibt keine Mülleimer. (Ausnahme: direkt neben Getränkeautomaten und auf Bahnsteigen.)
  • Es gibt keinen Müll auf den Straßen; nicht einmal Zigarettenkippen; auch keine Kaugummiflecken.
  • Schulkinder tragen fast immer Schuluniform.
  • Kinder im aus dem Kindergarten erkennt man an der gelben Mütze.
  • Reisegruppen haben einen kitschigen Sticker an der Jacke.
  • Die Reiseleiterin eine Fahne mit dem gleichen Logo.
  • Zeitgenössische Kunst ist nicht mein Ding.
  • Japanische Spinnen bauen dreidimensionale Netze.
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Himeji / Taifun 21

Es regnet in strömen. Unglaublich, wie das regnet. Im Fernsehen laufen Warnungen vor Taifun 21. Er hat die Südküste von Kyushu (Kagoshima) erreicht und steuert auf Shikoku und Hiroshima zu !! Nicht gut. Der Luftdruck ist zur Zeit bei 970 hPa, der Wind bei Stärke 11. Man rechnet mit 40l Regen.

Es hilft nichts. Check-out. Der Betreiber vom Ryokan begleitet mich mit Regenschirm noch bis zur Bahnstation. Die Fahrt nach Shin-Oosaka läuft ohne Probleme. Ich buche ein Ticket nach Himeji. Dort angekommen regnet es immer noch. Es sieht auch nicht so aus, als würde es aufhören wollen.

Vom Bahnhof ist es nicht weit. Ich laufe. Eine U-Bahn fährt hier eh nicht. Gleich am Bahnhof laufe ich durch eine Shopping-Straße. Was für den Rückweg. Die Himeji-jo wird auch Shirasagi-jo (weiße Reiher Burg) genannt. Sie steht auf einer Anhöhe, man muß etwas nach oben blicken. Sie ist groß. Mit kompletten Wallanlagen. Dagegen können Nagoya und Oosaka einpacken; und die waren schon imposant. Der Weg nach oben verläuft im Zick-zack; vorbei an alten Burgmauern. Die Aussicht von oben ist ein Kracher, trotz des Regen. Die Burg muß damals imposant gewesen sein. Sie überragt noch heute alle Gebäude der Umgebung.

Ein Gewitter nähert sich. Der Taifun kommt dichter. Ich mache mich auf den Rückweg zum Bahnhof. Es wäre noch genug Zeit für den Park, aber nicht bei diesen Wetter. Und ich befürchte, es wird schlechter. Zurück in der Shopping Mall finde ich einen Laden, der Kamidana verkauft. 30000yen sind eine Menge Geld. Aber irgendwie möchte ich eines haben. Doch bevor ich zuschlage, sollte ich die Frage klären, wie ich das Ding nach Deutschland kriege. Auf zur Post. Aber auch da hat man keine Idee. Das Paket ist zu groß. Ich müste einen anderen Carrier nehmen. Wir kommen der Lösung trotz 3 Mann und 20 Minuten nicht weiter. Jetzt erst einmal Mittagspause. Es ist schon 16 Uhr. Keine Ahnung wo die Zeit geblieben ist.

Taifun 21

Der Shinkansen hat 30 Minuten verspätung. Wow. Ein Zug in Japan mit Verspätung. Der Grund wird auf der Tafel angezeigt: der Taifun. Die Bahnstrecke von Hiroshima nach Hakata ist bereits gesperrt. Der Taifun ist über Shikoku.

Der Nozumi rauscht durch. Ungebremst. Fast 300 km/h. Beieindruckend. Es sagt Rabumm und 16 Waggons sind durch. Der Kontakt zwischen Oberleitung und Abnehmer sprüht blau-weiße Funken. Der Regen. Und weg ist er.

Es wird etwas hektisch am Bahnhof. Unser Shinkansen rollt ein. Schnell einsteigen. Wir fahren ab, kommen aber nur bis Okayama. Hier ist Schluß. Der Taifun wird gleich über uns wegrollen. Er ist 30km schnell. Alle Züge bis nach Oosaka stehen. Die Länden auf dem Bahnsteig schließen und verriegeln die Fenster. Die meinen das ernst. Der Wind hat enorm zugenommen. 10 bis 11. Der Bahnsteig ist leer. Alles was nicht festgenagelt ist, fliegt weg. Einzelne Windböen rütteln am ganzen Zug. Wow. Ich denke kurz darüber nach zum Getränkeautomaten zu flitzen. Gut, daß ich überlegt habe, denn der Automat ist weg. Die Bolzen im Fußboden sind noch da, der Automat nicht. Ich glaube, ich habe die Windstärke unterschätzt. Ich bleibe lieber wo ich bin. Regen und Wind werden immer stärker. Hätte nicht gedacht, daß das möglich ist. Wie gut, daß ich den Park nicht mehr besucht habe. Orkanböen kenne ich, aber das hier ist Wahnsinn.

Ich komme mit meinem Sitznachbarn Tasukei ins Gespräch. Er gibt mir seine Telefonnummer, falls wir in Okayama hängen bleiben. Seine Eltern wohnen noch hier in Okayama. Im Notfall könnte ich dort schlafen. Ich stelle mir das gerade vor, wie ich als Ausländer an der Haustür klingel und sage “Sie kennen mich nicht, aber ihr Sohn hat gesagt, ich kann hier schlafen.” Das lassen wir mal lieber; zumal mein Ziel Hiroshima ist. Aber das Angebot beeindruckt, zumal zu sehen ist, daß er es ernst meint.

Nach 20 Minuten nehmen die Böen und der Regen wieder ab. Der Taifun scheint vorbei zu sein, zumindest das Zentrum. Auf dem Nachbargleis steht der Hikari. Er soll gleich um 17:40 abfahren. Ich verabschiede mich von Tasukei und wechsele schnell den Zug. Ich will kein Risiko eingehen.

Der Zug rollt an. Bis Hiroshima wird der Regen immer weniger. Als ich den Bahnhof Hiroshima verlasse ist es trocken. Jetzt orientieren. Ich sehe einen Stand mit deutschen Würstchen und Aufschnitt. Da muß ich jetzt einfach mal gucken. Bin auf der falschen Seite. Also unter den Gleisen durch. Ich treffe auf 8 Deutsche, aus Hamburg. Ach ne. Sie sind seit heute morgen hier und haben ein Karte. Ich laufe zur ersten Brücke und sehe schon an einem der höheren Gebäude den Schriftzug Hotel Flex. In 3 Minuten bin ich da.

Der Grndriß ist klein, dafür aber 10 Etagen. Sichtbeton. Sachlich, modern. Das Zimmer im 4. OG ist klein, etwa 4×2, das Badezimmer 1,5×1,5m, höchstens. Aber es reicht. Der Blick über das Wasser ist gut. Nach dem Ryokan in Oosaka ist es gut wieder seinen eigenen Lokus und seine eigene Dusche zu haben. Die wird auch gleich benutzt. Nach einem Klamottenwechsel muß ich noch was essen.

Um 23 Uhr bin ich mit Bier und Man vom seven eleven wieder im Hotel. Im Fernsehen laufen die Berichte zum Taifun. Shikoku hat es erwischt. Viele Orte sind unter Wasser, Schlammlawinen, in Oosaka sind die Fluttore geschlossen. Auch Miyajima hat es erwischt. Nicht gut. Das ist der Plan für übermorgen. Letzte Nachrichten um 0:15Uhr. Der Taifun hat Oosaka voll getroffen und ist jetzt über Nagoya. 200l Regen in wenigen Stunden werden erwartet. Es werden Flutwellen befürchtet. Man soll auf Brücken aufpassen. Wasser und Geröll könnten sie beschädigt haben. Das ist ne anderen Nummer als Unwetter in Deutschland.

Das Timing war so gesehen optimal. Am Reisetag hat der Taifun meine Pläne nicht durchkreuzt. Auf den Park in Himeji kann ich verzichten. Die Burg habe ich gesehen. Und nach dem Wetterbericht kommt auf der Rückseite 3 Tage Sonnenschein. Dann kommt wieder Regen. Paßt doch.

Randnotizen:

  • Der Shinkansen hält nicht an Oosaka Eki. Die Strecke konnte nicht durch die Stadt gebaut werden, also hat man einen zweiten großen Bahnhof für den Shinkansen gebaut. Shin-Oosaka Eki. Ist mir gar nicht aufgefallen. Da ich in Hommachi die U-Bahn wechsele. Ich war also nie am Bahnhof von Oosaka.
  • Ich will ein Kamidana für meine Wohnung
  • Himeji; Wie müssen die Lübecker Kirchen gewirkt haben? Damals. Man kann sie schon aus 30km Entfernung sehen. Das war damals fast ein Tagesmarsch.
  • Bericht über Himeji im TV löst diesen Da-war-ich-schon-Effekt aus. Witzig.
  • Himeji reicht als Zwischenstop. Nach Reiseführer gibt es nur 3 Attraktionen.

Oosaka / Moon Viewing

Heute ist der Backup-Tag. Gut, daß ich ihn eingeplant habe. In Oosaka fehlen mir noch so viele Dinge. Und heute Abend ist dieses Moon Viewing.

Der erste Stop heute ist der Shitenno-ji. Ein sehr schöner Bau. Das Holz ist orangerot. Die Enden der Balken sind bunt verziert. Die 5-stöckige Pagode hat Ähnlichkeit mit der in Ikaruga, dennoch sieht sie allein durch die Holzfarbe ganz anders aus. Auch die Umgebung gibt ihr eine ganz andere Wirkung. Bei weitem nicht so sakral, muß ich gestehen.  Das riesige Gokuraku-mon erinnert an Kamakura, nur in bunt. Von der Farbgebung wirkt der Tempel eher wie der Hachimangu in Kamakura.

Sehenswert ist auch das Schatzhaus nebenan. Alte Daikos und Schriftrollen. Im Tempel steht ein goldener Buddha. Ich bin leise und höre dem Gebet eines buddhistischen Priesters zu. Ich mache keine Fotos. Allein der Autofokus würde die Stimmung stören. Meine Rücksicht ist wohl auch ein Grund, daß ich bleiben darf. Andere werden gebeten, zu gehen. Ich verbringe fast zwei Stunden hier.

Nächster Stop ist der Isshin-ji. In einem Kellerraum ist eine Halle mit hunderten kleinen, goldenen Buddha-Statuen. Dem Schild nach sind es 24404 Stück. Und es ist noch Platz. Insgesamt sollen hier irgendwann einmal 40000 kleine Buddhas stehen. Es folgt ein Besuch im Imamiya Ebisu Jinja. Auch sehr hübsch.

Nach dem Imamiyi laufe ich die Nihonbashi Den Den hinauf. Das ist die Elektronic Town von Oosaka. Eine lange Straße mit einem Elektrogeschäft neben dem anderen, fast 1km lang. Verbrennt eure Kreditkarten und gebt das Bargeld bei Mutti; hohlt euch einen Zivi, der euch den Sabber aus dem Mund wischt. Denn hier kann man alles kaufen, was ein Kabel oder Batterien hat. Unglaublich. Das Mekka für Computerfreaks, Elektronikbastler und Audio-Fanatiker. Hier gibt es alles: ein laden nur für CD- und DVD-Rohlinge, ein Laden nur für Funkgeräte, für Überwachungstechnik, für Verstärkerröhren. Und was nicht Elektronik ist, ist Manga und Anime. Ein Shop nur für Hentai!

Die Straße endet in Namba. Überiridsch ist das sozusagen die Innenstadt. Dutzende kleine Geschäfte und Einkaufsstraßen. Unterirdisch gibt es Nan Nan Town, die Underground Shopping Mall und den Namba Walk, eine unterirdische Shopping Street. Sie ist fast 1km lang und hat über 400 Geschäfte. Sie verbindet zwei U-Bahnstationen. Damit ist sie 4x länger als die Lübecker Fußgängerzone. Im Norden gibt es noch so eine unterirdische Stadt, dazwischen Dotombori. Ich habe das Gefühl, daß man hier in Namba eine Woche zubringen kann ohne ans Tageslicht zu müssen. [Nachtrag: Das ist noch ein Witz im Vergleich zu Umeda. Dieser Untergrund ist fast so groß wie die Lübecker Altstadt] Kaffeepause bei Konditorei Kiefer.

Moon-Viewing am Sumiyoshi Taisha

Hab den Rapid Express erwischt und fahre über das Ziel hinaus. Kann passieren. Als drei Stationen zurück. Es gibt mir die Gelegenheit, dieWohnbezirke in Oosaka kennenzulernen. Selbst hier draußen stehen die Häuser dicht an dicht. Die Bahnlinie führt quasi durch den Garten. Ein interessanter Eindruck, den ich schlecht in Worte fassen kann.

Trotz meiner kleinen Rundreise bin ich pünktlich am Sumiyoshi. Es bleibt Zeit für ein paar Fotos, auch wenn es schon sehr dunkel ist. Mein Blick fällt sofort auf eine rote Bogenbrücke. Ich kenne sie von Fotos, aber es ist die erste, die ich hier in Japan sehe.

Hier steht keine einzige Bude. Der Schrein wirkt, als wäre er geschlossen. Ich folge ein paar Japanern. Ich bin der einzige nicht-Japaner und werde verwundert angeschaut. Ich reiße auch den Altersschnitt nach unten und bin einer der wenigen Männer. Was ist dieses Moon Viewing? Beantworten kann ich es nicht, aber so wie ich das sehe ist es ein shintoistisches Ritual mit Gebeten und Tanz.

Von hinten kommen Musiker mit klassischen Intrumente. Für meine Ohren klingen sie etwas schief und schräg. Sie tragen grüne Kleidung. Es sieht aus wie eine Mischung aus Kimono und Poncho. Alle tragen einen kleinen schwarzen Hut aus schwarz lackieten Pappmasché. Der Hut ist optisch viel zu klein. Er wird mit scharzen Bändern, wie ein Helm, am Kopf befestigt, damit er nicht herunter fällt. Ein Priester betritt die Bühne betet. Dazu schwenkt er einen langen Stab mit gezacktem Papier. Es werden Gedichte vorgetragen. Es kommen Tänzer mit Naginate und Masken. die Kimono sind auwendig bestickt. Der Tanz erzählt eine Geshichte. Jede Bewegung hat eine Bedeutung, die ich leider nicht kenne. Ich bin beeindruckt. So etwas steht nicht im Reiseführer. Ich hätte nie gedacht, daß ich so schnell so tief in Japan eintauche.

Gegen 18 Uhr ist die Sache beendet. Ich versuche noch ein paar Infos zu kriegen, werde von der Sprachbarriere ausgebremst. Egal. Ich will diesen Augenblick auch nicht zerstören, indem ich in einem Wörterbuch blätter. Die Veranstaltung löst sich schnell auf. Mich zieht es zurück nach Dotombori. Kurz vor dem Bahnhof fängt es an zu regnen; Abendessen im Kirin-Plaza. Wieder extrem lecker. Diese Atmosphäre mit der Jazz-Musik ist komplett auf meiner Linie. Der Rückweg zum Ryokan erfolgt dann im strömenden Regen.

Fazit: Ein gelungener Tag. Er kann den 26.09. nicht toppen. Dennoch war dieses Moon Viewing einmalig. Das war nicht für Touristen, das war japanisch.

Randnotizen:

  • Farbgebung gibt keinen Aufschluß, ob es ein Tempel oder Schrein ist.
  • Das Torii ist kein Beweis für einen Schrein.
  • Kuchen und deutsche Brötchen scheinen eine Goldgrube zu sein.
  • Kuchen scheint eine Sache nur für Frauen zu sein.
  • Handys sind eignetlich immer Klapphandys mit Kamerafunktion.
  • Die machen jedes zweite Urlaubsbild mit dem Handy. [Nachtrag: Man beachte, daß dieser Beitrag aus 2004 ist. Damals hatten westliche Handy nicht einmal 1 MPix.]
  • Die Japaner an der Brücke neben dem Kirin-Plaza, sind das Jakuza? Sie würden zumindest das Klischee erfüllen.
  • Die Ampel an der Kreuzung ist aus. Eine Richtung hat rotes Blinklicht. Ist wohl das ,was bei uns gelbes Blinklicht ist: Vorfahrt achten. Aber die Richtung für das Blinklicht wechselt, sprich die Vorfahrt wechselt.

Ikaruga / Nara

9 Uhr. Viel zu spät bin ich beim Frühstück.Draußen regnet es. Die Ausläufer des Taifun machen sich bemerkbar. Was tun? In Oosaka Museen besuchen? Keine Lust.  Heute war Nara oder Ise geplant. Auf morgen verschieben ist doof. Da ist das “Moon Viewing”. Auf zum Bahnhof, ohne Frühstück. Nara 1 Stunde, Ise 3,5 Stunden. Die Entscheidung ist gefallen. Auf nach Nara.

Im Zug lese ich den Reiseführer. Kurz vor Nara liegt der Horyu-Tempel, in Ikaruga. Warum nicht. Immerhin ein Weltkulturerbe. Es nieselt. Gut, daß ich das Regencape vor dem Abflug gekauft habe. Vom Bahnhof sind es ein paar Meter. Erster Stop: seven eleven. Frühstück. Die Sandwiches sind gar nicht so verkehrt. Der Nieselregel hat aufgehört, zu Gunsten von Starkregen. Die Straße hoch dann links. 1,6km insgesamt. 1000yen Eintritt? Die spinnen wohl. Egal.

Horyu-ji ist ein alte Anlage. Mit dem Design in Kamakura nicht zu vergleichen. Es gibt sehr viele Mauern. Die wege sind leer. Keine Bäume. nur Sand und Gehwegplatten. Die Gebäude ohne Schnörkle. Alles wirkt kahl und aufgeräumt,  aber auch ein wenig traurig. Die Pagode ist einmalig. Sie steht mitten in einer leeren Fläche. Der Blick fokussiert automatisch auf und nur auf die Pagode. Die anderen Gebäude lassen ihr alter erkennen. Sie sind seit Jahrhunderten unverändert. Auch die Wege existieren schon seit Ewigkeiten. Ich stehe im Regen alleine vor dem Yumedono, der Traum-Halle. Hier lagern die Tempelschätze. Betreten darf man die Halle nicht. Der Regen paßt irgendwie zu dem Tempel. Die Stimmung ist ein wenig gedämpft, aber sie paßt zu diesen alten, leicht verwitterten Gebäuden. Und so hat den Vorteil, daß ich fast alleine bin. Gleich nebenan steht der Chugo-Tempel.

Nara

Auf dem Rückweg zum Bahnhof wird der Regen weniger und es steht fest: Der Abstecher hat sich gelohnt. In Nara hat der Regen vollständig aufgehört. Es ist schon nach Mittag und viel Zeit bleibt nicht. Erster Stop ist der Todai-ji. Überall sind Rehe unterwegs. Sie sind handzaum, laufen frei herum und genauso nervig wie Enten in Deutschland. Das Gebäude ist beeindruckend. 57x50m Grundfläche. Das Dach ist 48m hoch. Damit ist es das größte Holzgebäude der Welt. Das große Holztor am Eingang ist von 1199. Respekt. Der große Buddha ist 3m größer als der in Kamakura. Dennoch wirkt sie in dieser riesigen Halle kleiner.

Nebenan sind der Kaidan-in und der Chisuko-in und das Schatzhaus Shoso-in. Weiter geht es zum Shoro-Glockturm und diverse Hallen. Alles mit endlos vielen Stufen verbunden. Warum haben Japan immer so viele Stufen vor die Sehenswürdigkeiten gebaut.

Durch den Wald (Kasugayama-Urwald) geht es zum Kasuga-Schrein, eine große Anlage, mitten im Wald. Gut, daß ich die Wanderstiegel gekauf habe. Auf dem nassen, rutschigen Wanderweg, sind die wahrere Segen. Der Weg ist erholsam: Bäche, Wald, Wasserfälle und nur ich. Steinlaternen stehen am Wegesrand und überall stehen diese kleinen Bauten, die zum Schrein gehören. Die Waldtour endet ungeplant am Shin-Yakushi-ji. Hab wohl die falsche Kurve genommen.

Es geht quer durch die Stadt zum Gango-ji. Der Weg führt vorbei an Einfamilienhäusern. Hier ein Haus haben, hätte was. Allein an Designelementen und Gestaltungsideen könnte ich einen ganzen Film verbraten. Und so langsam wird die Zeit knapp. Die eine stunde, die ich heute morgen verloren habe, fehlt mir jetzt. Letzter Stop ist der Kofuku-ji. Im Reiseführer ist zu recht die 5-stöckige Pagode erwähnt. Daneben steht die achteckgige Halle. Als ich ankomme, schließen sie gerade. Ich darf noch aufs Gelände. Glück gehabt.

Etwas Tageslicht ist noch, also laufe uch nach Norden. Hier liegen Begräbnisstätten. Nach etwa 1km stelle ich aber fest, daß der Maßstab der Karte nicht unbedingt stimmt. Ich breche den Versuch ab. Zurück zum Bahnhof laufe ich durch ein Shoppingstraße. Mein Blick fällt auf eine Canon D60 für umgerechnet 600€. Ich überlege. Ich überlege lange. Eventuell starte ich einen zweiten Anlauf auf die Reste von Nara von Kyoto aus. Wenn die Kamera dann noch verfügbar ist…

In Oosaka geht es erst einmal zurück ins Ryokan. Ich muß unbedingt die Klamotten wechseln, durchgeregnet und durchgeschwitzt. Dann nach Dotombori. Diese Neonreklame des japanischen Nachtlebens machen süchtig. Durch Zufall entdecke ich das Kirin Plaza an einer Brücke. Ich kenne es aus einem Buch über moderne Architektur in Japan. Kleiner als ich dachte. Egal. Ich habe Hunger und oben ist ein Restaurant. Das Resto ist cool. Die Speisekarte halbwegs europäisch. Diese Kombination ist echt lecker. Desing bis in die letzte Ecke. Sowas werde ich in Deutschland vermissen. Dazu Jazz-Musik.

Und wieder einmal: Das ist Urlaub. Die erste Woche ist rum und es gab noch keinen Tag, der ein Reinfall war. Es gab Durststrecken, aber sie haben nie überwogen. Ich freue mich auf weitere 3 Wochen.

Randnotizen:

  • Es gibt 5 Sorten Kirin-Bier. Unter anderem “Weizen”.
  • Hat man alle 5 Sorten bestellt, bekommt man eines Gratis.
  • Der Stop in Ikaruga war sicherlich besser als ein ganzer Tag nur Nara, auch wenn ich dann die Grabstätten noch hätte sehen können. In Retrospektive: alles richtig gemacht.

Oosaka / Mozu Hachimangu

Wow. Total verschlafen. Zudem muß ich die Waschmaschine bedienen. Ein Abendteuer für sich alleine. Wäsche rein. Waschmittel gibt es an einem Automaten. Kauft man wie anderenorts Zigaretten. Geld rein. Klappe aufziehen. Ich starte etwa 2 Stunden hinter dem Zeitplan. Zum Glück habe ich den gestern (wegen der Tokyo-Erfahrung) ausgedünnt.

Auf zur Burg. Hier ist auch er Park. Noch bevor ich dort eintreffe höre ich trommeln. Japanische Trommeln. So gefällt das. Sonne pur, die Burg im Blick und Trommeln. Urlaub. Die kleine Truppe sitzt direkt am Eingang zum Park.

Die hintere Ecke des Parks scheint von Obdachlosen bewohnt zu sein. Überall zwischen den Bäumen stehen Pappkartons, die als Nachtlager dienen. Auf einer Parkbank sitzt eine Gruppe älterer Herren und spielt Shogi. Ich bleibe stehen und werde angesprochen. Leider verstehe ich kein Wort. Ich werde offensichtlich auf eine Partie eingeladen. Ich nehme an. Meine ersten drei Eröffnungszüge scheinen zumindest offen zu legen, daß ich schon mal gespielt habe. Dennoch habe ich nach 20 Minuten verloren. Ich werde auf ein erfrischendes Bier eingeladen. Jetzt bin ich doch etwas peinlich berührt. Nach dem Outfit sind es Obdachlose und sie laden mich auf ein Bier ein. Die alten Herren haben offenbar ihren Spaß, auch wenn ich nur einzelne Brocken verstehe. Geht so in die Richtung “Die Junged von Heute und ihre Computer, keine Ahnung von Strategie und Taktik = Shogi”. Es fällt auch das Wort “Gaijin”. Damit bin ich wohl gemeint. Die 30 Minuten waren eine Erfahrung.

Weiter zur Burg. Auch sie ist eine Rekonstruktion. Ich betrete das Areal durch das große Tor. Hier gibt es einen wirklich großen Stein in der Mauer, den Takoishi. 130t, 60 m^3. Respekt. Durch das Tor in den Innenhof. Die Burg ist ähnlich wie in Nagoya.Das Hauptgebäude, Mauern und ein paar Türme. Der Gesamteindruck ist umwerfend. 500yen Eintritt. Innen sind alte Rüstungen und Waffen ausgestellt. Von ganz oben kann man in alle Richtungen auf Oosaka schauen.

Neben der Burg ist kein kleiner Schrein. Ganz nett. Am nächsten Schrein soll übermorgen eine Moon-Viewing-Zeremonie stattfinden. Ich merke mir den Standort. Weiter zum nächsten Park. Booring. Auch der Aussichtsturm ist wenig spektakulär. Reißt gerade meine Glückssträhne? Egal, der Tsutenkaku Tower ist das Wahrzeichen von Oosaka. Vom Turm aus kann ich das Ferries Wheel bei dem Ryokan sehen. Ganz schön weit draußen.

Einschub: Der Betreiber vom Ryokan hat mir heute morgen einen Eventplan gegeben. Für den 28. sind zwei Moon Viewings (Oosaka Tenmangu und Sumiyoshi Taisha Schrein) gelistet. Heute gibt es ein Schreinfest am Mozu Hachimangu Schrein im Süden von Oosaka. Ein weiteres Fest ist am Abenoseima Schrein. Ich lasse zwei andere Schreine aus, hole ich eventuell am 28. nach und schaue mir den Schrein an. Hm. Viel los ist nicht. Es ist bereist 16 Uhr, also auf nach Mozu!

Schreinfest am Mozu Hachimangu

An der Bahnstation weiß ich nicht wo lang. Ich gehe nach rechts über die Gleise. Gleich hinter mir schließen die Schranken. Der nächste Zug kommt. Ein kleiner Pfeil an den Warnlichtern zeigt an, aus welcher Richtung der Zug kommt. Ich laufe etwa 300m. Eigentlich sollte hier der Schrein sein, aber links und rechts nur Park. Der Park auf meiner Seite will sogar Eintritt. Er scheint etwas besonderes zu sein. [Nachrtag: Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht weis, ist die Tatsache, daß hier in Mozu die alten Grabanlage stehen, die von oben aussehen wie ein Schlüsseloch. Ich muß hier unbedingt noch mal hin!] Ich gehe zurück zum Bahnhof. Die Schranken sind schon wieder unten. Kaum habe ich nach dem Zug die Seite gewechselt, schließen die Schranken schon wieder. Vielbefahrene Strecke.

Nach 500m der Schrein. Erst jetzt stelle ich fest, daß ich kein Geld mithabe. Zurück zum Bahnhof. Da gab es einen Seven Eleven. ich glaube, die habe einen Automaten. Leider will der meine Master Card nicht. Ich frage nach einer Bank. Auch dort habe ich kein Glück. Das ist extrem ärgerlich. Ich habe eine Stunde und das restliche Tageslicht verbraten und immer noch kein Geld. Jetzt ist es auch egal. Zurück zum Schrein.

Ich bin jetzt schon begeistert. Also die Stufen rauf zum Schrein selbst. Oben ist die Hölle los. Trommeln und Rufe, rythmisches Klatschen. Oben werden unter dem tosenden Beifall Futondaikos getragen. Das sind riesige Holzgestelle, die von etwa 60 Mann getragen werden. In der Mitte ein riesiger Aufbau. Unten eine Trommel (Daiko) und oben etwas, das aussieht wie eine zusammengelegter Futon. Das ganze wiegt, so erfahre ich etwa 3t. Respekt, zumal auf Kommando das ganze in die Höhe gestemmt wird. Gelingt dies, ist der Beifall enorm. Es wird Konfetti geworfen. Die Stimmung ist riesig.

Das Matsuri ist in vollem Gange. An einem Weg um einen Teich herum stehen kleine Buden mit Essen. Auf einem Platz stehen weitere Buden. So habe ich mir Schreinfeste vorgestellt. Auch die lange breite Straße mit der Treppe zum Schrein hat Buden. Hier gibt es alle: Okonomiyaki, Takiyaki, Sushi, Yakitore. Man kann Fische angeln, Dosen werfen, Masken von Mangafiguren kaufen. Viele Mädchen tragen Kimono, die Männer Yukata. Tausende kleine Buden. Spaß und Freude. Und das wichtigste: Keine Besoffenen, die einem die Stimmung verderben. Ich habe bisher auch nur einen einzigen Polizisten gesehen. Und der hat den Verkehr geregelt.

Am Rande stehen weitere Futondaikos. Ich habe noch nich raus, ob das hier ein Wettkampf ist. Ich erfahre aber, daß die einzelnen Gruppen aus der Umgebung kommen. Sie haben bereits gestern die FD teilweise über 4km hierher getragen. Getragen! Nicht mit dem LKW gefahren.

Jetzt kommt das nächste FD an die Reihe. Mit einem Kommando das klingt wie “Ichi-ninno-san” (etwa 1-2-3) wird das Ding aufgesattelt. Während des Tragens rufen die Leute so etwas wie “dema-dema-demo sho shei” mit Betonung auf den letzten beiden Worten.

Heute Abend ist das Fest zu Ende. Glück gehabt. Gegen 19 Uhr, es ist schon sehr dunkel, machen sich die Gruppen auf die Heimreise. Zuerst müssen die FD die 60 Stufen hinab getragen werden. Zur Erinnierung, die wiegen knapp 3 Tonnen! Jetzt sind dutzende Polizisten im Einsatz, die die Strecke räumen. Wenn das Ding jetzt wegkippt … Dann … Die laufen die Stufen wieder rauf. Der Beifall ist enorm und verdient. Wieder Konfettiregen.

Dann geht es auf die Heimreise. Die Treppe wieder runter und den Buden vorbei. Alle paar Meter tauschen die Träger durch. Ich begleite den Truppe mit der Kamera. Der Futondaiko schwankt. Der Abstand zu den Häusern ist nur 1-2m. Niemand darf vorbei. Nicht auszudenken was passiert, wenn jemand zwischen Futondaiko und Wand eingeklemmt wird. Oben sitzen immer noch etwa 6 Jahre alte Jungen und schlagen die Trommel. Das machen sie schon die ganze Zeit.

Um 21 uhr stehe ich am Bahnhof. Ich will noch länger bleiben, aber irgendwann ist Schluß. Während ich auf den Zug warte, passiert ein anderer Futondaiko den Bahnhof. Dieser wird von einer riesigen Menschenmenge begleitet. Mit diesem Eindruck steige ich ihn die Bahn. Kaum bin ich unterwegs, sehe ich Regentropfen an der Scheibe. Alles richtig gemacht.

Fazit: Das Matsuri, die Burg, das Shogi-Spiel. Ein gelungener Tag. Er hatte seine Duststrecken, aber unter dem Strich ein gelungener Tag in Japan. Wenn ich überlege, daß das Matsuri nur Zufall war. Mit zu diesem positiven Eindruck zählen die Leute, mit denen ich ins Gespräch gekommen bin. Es ist bisher der beste Tag des Urlaubs.

Randnotiz:

  • Moon Viewing ist eine alte Shinto-Zeremonie. Sie findet um den ersten Vollmond mach der Tag-Nacht-Gleiche (Herbstanfang) statt. Sollte man sich merken.
  • Irgendwie scheint jede Stadt ihren Funkturm mit Aussichtsplattform zu haben. Dies hier ist der Erste nicht in Eiffelturm-Optik.
  • Werde unterwegs von einer Japanerin angesprochen. Sie lernt gerade Englisch und will sich ein bischen unterhalten/üben. Warum nicht.
  • Immer ausreichend Bargeld mitnehmen !
  • Kreditkarten nicht nicht jeder Geldautomat !
  • Habe heute die neuen Treter ausprobiert. Hab eh Blasen an den Füßen von den beiden Touren in Tokyo. Motte: Jetzt ist eh egal. Superbequem. Keine neuen Blasen bekommen. Ich hätte die gleich am ersten Tag anziehen sollen.

Nagoya / Zwischenstop

Der Zug rollt in Nagoya ein. Ich verstaue meine Koffer im Coin Locker. Weitere 600yen sind weg. Das wird langsam teuer, aber immerhin besser als mitschleppen oder an Nagoya vorbeifahren. In der Touristeninfo organisiere ich eine Karte samt U-Bahnnetz.

Erwische sofort die falsche Bahn. Also gut, zuerst zum Schrein. Raus aus dem Untergrund stehe ich an einer Kreuzung. Wo lang? Habe die Himmelsrichtung nicht und vier Straßen zur Auswahl. In der Hoffnung, daß die Mauer an der einen Ecke zum Schrein gehört nehme ich die Straße zur rechten. Glück gehabt, nach 300m ist der Eingang. Wurde kurz nervös.

Der Schrein liegt in einem Waldgebiet und ähnelt damit dem Meiji Jingu. Auch sind die Gebäude aus dunklem Holz. Die Architektur ist jedoch anders. Hier laufen viele Priester rum und ich stelle mir die Frage, ob die Fabe des Hakama eine Bedeutung hat. Die Männer tragen ein hellblau/türkis; die Schreinmächen (Miko) orange. Ich sehe aber auch weiß und violett.

In einem Nebengebäude ist ein üverdimensionales Schwert ausgestellt. Aber ich bin für den Eintritt doch zu geizig. Zudem drängt die Zeit. Erst später lese ich, daß  dieses Schwert eines der drei Reichsinsignien ist. Ich Depp.

Dann zur Burg von Nagoya. Leider habe ich die Zeit aus den Augen verloren. Die Burg selbst ist schon geschlossen. Das Gelände um die Burg herum ist noch 35 Minuten geöffnet. Für einen Craskkurs reicht es. In der Burg wäre es für Fotos eh zu dunkel. 500yen Eintritt bin ich dennoch los. Gleich zur rechten ist ein kleiner Garten mit einem Teehaus.

Die Burg ist imposant, auch wenn es ein Nachbau ist. Das Original wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. Die hohen Burgmauern sind schneeweiß. Der Dachfirst wird von zwei goldenen Delphinen / Karpfen (?) verziert. Sie glühen förmlich in der tiefstehenden Sonne. Neben dem Hauptgebäude steht noch ein Teil der Mauer, sowie ein Eckturm. Die hohen Mauern mit dem Burggraben wirken unüberwindbar.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof lege ich noch einen Stop bei Hisaya Odori ein. Der Park ist nahe am Bahnhof. Der Park hat eine unterirdische etwa 300m lange Shoppingmall. Oben gibt es ein paar Skulpturen und einen Funkturm, der wie ein Mini-Effelturm bzw. ein Mini-Tokyo Tower aussieht, nur nicht orange.

Um 17:40 erreiche ich den Bahnhof in der Dämmerung. Mein Zug rollt um 18:10, nur 30 Minuten später, in Dunkelheit los. Ich döse sofort weg und wache erst kurz vor Oosaka wieder auf. Timing. Oder einfach nur Glück gehabt. Mit der U-Bahn geht es sofort weiter nach Osaka-ko. Es ist schon spät. Bis hierher habe ich es geschafft. Leider ist die Karte damit zu Ende. Das Rykon liegt irgendwo zwischen der Bahnstation und dem Riesenrad. Wieso steht hier eingentlich ein Risenrad. Ok, in Yokohama stand ja auch eines.

Wo ist 4-1-22? Auf zur Polizeibox. Keiner da. Ab zum Supermarkt. Die Kassiererin hat keine genaue Position, aber eine Ahnung. Sie hängt kurzerhand ein Schild in die Tür und begleitet mich. Unterwegs treffen wir eine Passantion, die ebenfalls so eine Ahnung hat. In einer Nebenstraße treffen wir auf den Polizisten. Er war auch Rundgang. Jetzt sind wir zu dritt. Hoffentlich finden wir das Ryokan bald. In einer weiteren Nebenstraße ist das Ryokan. Wow. Ohne fremde Hilfe hätte ich das nie gefunden.

Das Ryokan ist klein und bei weitem nicht so beeindruckend wie das Edoya. Das Zimmer ist nur 7 Tatami groß und ich habe kein eigenes Badezimmer. Dafür kostet die Nacht auch nur die Hälfte. Air Condition und Heißwasserkocher für Tee sind trotzdem vorhanden. Es gibt Gemeinschaftduschen und eine “Common Bath”. Dieses kann abgeschlossen werden, damit man beim Baden seine Ruhe hat. Der Fairness halber sollte man nicht stundenlang baden. Für mich ist das ok. Um 24 uhr ist Sperrstunden. Ups. Da muß ich aufpassen.

Auf zum Ferris Wheel. Viel los ist hier nicht. Es gibt das Jony’s. Vielleicht eine Disko. Davor stehen diese getunten überdimensionalen Roller, die ich schon in Tokyo gesehen habe. Ich blicke aufs Wasser. Urlaub. Die Tempozan-Ohashi-Bashi. Daneben eine Insel mit beeindruckender Skyline. Auf der anderen Seite geht dieses Lichtermeer weiter: WTC und CosmoSquare. Diese Insel ist neu. Sie ist in meinen Reiseführern noch nicht eingezeichnet. Die Insel daneben (Yumeshima) ist noch nicht fertig. Die Autobahn macht hier ein wahres Inselhopping.

Letzter Stop ist ein Resto an der Bahnstation. Man hab ich Hunger. Viel Auswahl gibt es nicht. In Ueno war das anders. Ich entscheide mich für Ramen (600yen). Wow, ist das lecker. Um 23:30 schleiche mich mich ins Ryokan. Der Betreiber liegt im Wohnzimmer und schläft auf dem Sofa vor dem Fernseher. Manches scheint überall gleich zu sein.

Randnotiz

  • Das mit diesem Schulmädchenuniformen scheint zu stimmen. Sie haben immer diesen Matrosen-Look, den man aus Sailor Moon kennt. Außerdem scheint zu gelten: je älter die Schülerin, desto kürzer der Rock. Gefährlich. Böse Zungen behaupten, daß es Absicht ist (Mehr zu diesem Theme berichte ich gerne offline).
  • Bereits zum drittten Mal erlebe ich, wie schnell und wie früh es in Japan dunkel wird. Es fehlt die Sommerzeit und die geografische Breite. Jetzt zur Tag-Nacht-Gleiche ist die Dämmerung zudem am Schnellsten.
  • 4-1-22 meint in etwa 4-chome, also Bezirk an der 4. Straße. Es ist der 1. Bezirk und in diesem ist es das 22. Haus. Leider sind weder Straßen, noch Bezirke in einer logischen Reihenfolge. Die Häuser schon gar nicht. Es hat den Anschein, daß die Nummern nach Baudatum vergeben wurden. Das erste Haus kriegt die 1, egal wo es steht, usw.
  • Das Porto für Postkarten nach Deutschland sind 40yen (30 cent). Halber Preis für innerdeutsche Postkarten !
  • Zwei Dinge werde ich in Deutschland vermissen: Ramen und Getränkeautomaten

Kaiserpalast / Shinkansen

Um 7 Uhr klingelt der Wecker; bin hundemüde. Die letzten drei Tage waren doch anstrengend. Und so wie es aussieht habe ich mich an die Zeitverschiebung gewöhnt. Um 9 Uhr und nach dem Frühstück mit Miso, Reis, Börtchen, Marmelade und Kaffee checke ich aus. Mit der U-Bahn geht es zum Haputbahnhof. Allerdings: Die U-Bahnstation Otemachi ist 680m vom Bahnhof entfernt. Ich laufe die Strecke unterirdisch. Irre durch den Bahnhof, bis ich einen Coin-Locker finde, der groß genug für mein Gepäck ist. 500yen kostet mich das. Autsch.

Dann suche ich die Ausgabestelle für den JR Pass. Er öffnet wirklich Punkt 10 Uhr und keine Sekunde früher. Eine halbe Stunde Schlange stehen hinter so einem blöden Ami, der mir den letzten Nerv raubt. Ich lege meinen Voucher auf den Tisch. Die Frage nach dem Startdatum verwirrt mich. Heute! Ich hätte den schon früher holen können. Hätte ich das gewußt. Merken. Wenn man das Startdatum noch wählen kann, das nächste Mal den JRP gleich am Flughafen holen.

Jetzt schnell zum Kaiserpalast. Vielleicht ist der Garten ja heute zugänglich. Aber wo lang. ich habe komplett die Orientierung verloren. Ich brauche weitere 30 Minuten bis zum Palasteingang. Ich bekomme einen kleinen Plastikchip als Eintrittskarte. Ich muß sie beim Verlassen wieder abgeben. So wissen die Wächter immer, wie viele Touristen auf dem Palastgelände sind. Man schreitet durch das riesige Tor in eine grüne Oase. Die Mauern sind echt heftig. Einzelne Quader habe eine Kantenlänge von fast 2m. Die europäischen Burgen wirken da fast wie Spielzeug. Beeindruckende Bauten gibt es im Inneren nicht. Dennoch hat das Gelände etwas. Liegt wohl daran, daß es Teil des Palastes ist. Ich mache einen schnellen durchlauf. Das Wetter ist eh mies und ich will ja noch in Nagoya stoppen.

Zurück zum Tokyo Hauptbahnhof. Wo sind die Koffer? WO bin ich? Ich glaube es nicht. Jetzt bin ich in Yeasu. Das ist auf der anderen Seite. Zurück. Nichts kommt mir bekannt vor. Ein Schild sagt 300m bis Nihonbashi. Ich bin komplett falsch. Das ist die nächste U-Bahn-Station. Wieder zurück. Langsam werde ich nervös. Nachdem ich den Koffer endlich gefunden habe und am Gate zum Shinkansen stehe, ist der Zug weg. War ja klar. Ach ja. Die Shinkansen haben eine extra Schranke. Es ist sozusagen ein Bahnhof im Bahnhof. Ohne gültigen Fahrschein kommt man nicht rein. Getoppt wird das ganze dadurch, daß es einen grünen und einen blauen Shinkansenbereich gibt. Man bin ich froh, wenn ich endlich im Zug sitze.

Ich hole mir ein neues Zugticket. Und stehe jetzt am Shinkansen Bahnsteig. Auf dem Fußboden sind Linien aufgemalt. Waggonnummern stehen darauf. Der Bahnsteig ist mit einem Geländer abgesichert. Die Türen sind genau da wo die Löcher im Geländer sind und die Linien auf dem Fußboden enden. Wow. Die Züge stoppen hier auf wenige Zentimeter genau. Mein zug ist noch nicht da. Die Anzeige auf dem Bahnsteig ist zweisprachig und zweischriftig. Der Zug auf dem Nachbargleis fährt gleich ab. Der Schaffner auf dem Bahnsteig schaut auf die Uhr und dann auf seinen Fahrplan. Beide Bewegungen begleitet er mit einem Handzeichen. Dann zeigt er auf den Zug, auf die Anzeige des Zuges und in die Fahrtrichtung, begleitet von dem Pfiff seiner Trillerpfeife. Der Zug schließt die Türen und rollt los. Der Zug ist lang. 16 Waggons. Als der letzte an mir vorbeirollt ist der Zug schon schnell.

Jetzt kommt mein Shinkansen. Hikari der Name. Ich steige ein. Wow. Feeling wie in einem Flugzeug. Drei Sitzreihen pro Seite. Mit Armlehne. Hier im Türbereich ist sogar ein Telefon. Platz 6A. Es gibt sogar Klapptische wie im Flugzeug, man kann die Lehne verstellen und die Beinfreiheit ist mehr als ausreichend. Und das alles  in der zweiten Klasse. Eine Durchsage und der zug rollt smooth an. Kein ruckeln. Wir sind erst ein paar Meter gefahren, da kommt auch schon der Mitropa-Mensch mit seinen Verkaufswagen. Bis Nagoya sind es nicht einmal 2 Stunden.

Wir fahren über eine breite Brücke. Unten nur ein schmaler Flus mit viel Ufer. Haben wir gerade Ebbe oder sind das Überflutungsflächen. Der Zug fährt etwa in Höhe des 3. OG. Dadurch hat man einen guten Blick auf die Landschaft. Einzig nervt, daß ein Tunnel nach dem anderen folgt. Es wird bergiger, die Bebauung nimmt ab. Hier gibt es jetzt auch Häuser mit Gärten. Geht doch.

weiter mit Nagoya im nächsten Blogeintrag …

Randnotiz:

  • Shinkansen: Es gibt verschiedene Shinkansen. Der Name bezieht sich nicht auf den Zugtyp, sondern auf die Anzahl der Zwischenstops. Hikarai hält überall. Der Kodama läßt einigen kleine Stationen aus. Der Nozumi, für JRP-Benutzer nicht freigegeben hält nur an großen Orten. Es ist der Schnellzug unter Schnellzügen.
  • Die Sitze lassen sich drehen. So sind sie immer in Fahrtrichtung. Alternativ kann man sich einen 6er-Block bauen. Das nenne ich Luxus.
  • Die Fahrstrecke Tokyo-Nagoya kostet ohne JRP fast 11000yen, das sind knapp 80 Euro. Der JRP lohnt sich jetzt schon. Tokyo-Oosaka ohne Zischenstop wären 14000yen. Autsch.
  • Nachtrag zu Shiodome: Bahnsteig und Gleisbereich sind durch Glas getrennt. Die Türen öffnen nur, wenn die U-Bahn steht. Mehr Sicherheit geht nicht.
  • Telefone: Öffentliche Telefone haben  nicht nur einen Telefonhörer. Sie haben auch einen Anschluß für Notebooks via Kabel (RJ11) oder Infrarot. Ein kleiner Klapptisch ist auch vorhanden.